Sunrise bietet erstmal genau das, was man sich erhofft: starke stilisierte Bilder, ein düster aufgeladenes Setting, diese modrige, fast schon vergessene Welt, in der Gewalt und Vergangenheit wie ein bleierner Nebel über allem hängt. Das hat Stil. Nur leider kommt die Story selbst nicht wirklich vom Fleck. Der Ex-Cop Fallon, gespielt von Alex Pettyfer (düster und martialisch), kehrt als Vampir an den Ort eines alten Verbrechens zurück. Klingt erstmal nach klassischer Tragödie mit Genre-Anstrich. Schuld, Rache und Erlösung. Doch der Film entscheidet sich nie ganz, stattdessen schleppt sich die Handlung über weite Strecken, baut Atmosphäre auf, ohne sie wirklich zu nutzen. Dabei ist das Setting eigentlich perfekt gewählt, dieses latent Bedrohliche, dieses Gefühl, dass hier jederzeit etwas eskalieren könnte. Nur, es eskaliert eben nicht. Dann ist da noch die Immigrantenfamilie, mit der Fallon sich anfreundet. Eigentlich der emotionale Kern der Geschichte. Moralischer Gegenpol, Gewissen, sogar Rettungsanker. Liegengelassen. Das bleibt seltsam unterkühlt. Man versteht, was gemeint ist, fühlt es nicht immer. Interessant wird es jedes Mal, wenn Guy Pearce ins Bild tritt. Der nimmt die Rolle des Fieslings nicht nur an, er feiert sie schmierig ab. Mit Backenbart, verbranntem Blick und einer fast schon genüsslichen Härte bringt er eine Energie rein, die dem Rest des Films oft fehlt. Dass Pearce dem Film kurzfristig Leben einhaucht, während der Rest eher auf Sparflamme läuft ist einfach nur schade. Die Dialoge sind immer wieder gut, trocken und haben ihre Momente und hängen in einem Film fest, der sich nicht traut zuzubeißen. Alles bleibt ein bisschen zu sauber erzählt für eine Geschichte, die eigentlich nach Dreck, Blut und moralischer Unordnung und Action schreit (Meine Meinung -. Eine Priese Guy Ritchie, vielleicht?) Dem Film hätte auch ne Priese Blade gutgetan. Unbedingt mehr Action und mehr Konsequenz. So bleibt ein Film, der viel Potential liegen lässt. Trotzdem, das Drehbuch hat Substanz, die Themen sind da, das Schauspiel trägt über manche Längen hinweg. Es ist gutes Schauspielkino. Das muss nicht immer laut oder unterhaltsam sein. Aber hier wirkt es, als würde der Film sich selbst ständig zurückhalten. Und das ist fast das Frustrierende daran: Man sieht die bessere Version dieses Films die ganze Zeit mitlaufen. Nur erreicht wird sie nie. Blutmond, Elche Mücken und Frauen mit Schrotflinten sind dann doch auch gut. Nur Sunrise is nie.