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WilliamWhyler

Kritik von WilliamWhyler

Gesehen: Mai, 2026

Killing Faith ist kein gewöhnlicher Western-Thriller. Eher ein staubiger Fiebertraum irgendwo zwischen Predigerhölle, Seuchenparabel und düsterem Americana-Märchen. Regisseur Ned Crowley stellt dabei eine unangenehme Frage in den Raum: Was richtet blinder Glaube an, wenn Verzweiflung größer wird als Vernunft?
1849 hat eine tödliche Seuche Land, Tiere und Menschen gezeichnet. Inmitten dieser zerfallenden Welt zieht eine ehemalige Sklavin gemeinsam mit einem infektiösen blonden Mädchen durch den Westen, in eine Stadt, in der ein wundersamer Heiler Rettung verspricht. Dort wartet ein Prediger, gespielt von Bill Pullman, der zwischen Erlöser, Scharlatan und fanatischem Kultführer pendelt. Schon diese Ausgangslage besitzt etwas Unheilvolles, doch der eigentliche Trumpf des Films ist Guy Pearce.
Als zwielichtiger Gauner und widerwilliger Arzt hebt er den Film auf ein anderes Niveau. Pearce spielt seine Figur mit einer Mischung aus abgehalftertem Charme, Zynismus und versteckter Menschlichkeit. Seine Performance erinnert mich daran, warum er einer der unter-schätztesten Charakterdarsteller seiner Generation geblieben ist. Auch DeWanda Wise verleiht dem Film emotionale Erdung. Ihre Figur trägt die Last der Vergangenheit mit sich herum, ohne jemals zur bloßen Leidensfigur reduziert zu werden. Gerade das Zusammenspiel zwischen Wise und Pearce macht den Film stark: zwei beschädigte Menschen, die durch eine Welt ziehen, in der Moral längst von Krankheit, Angst und religiösem Wahnsinn aufgefressen wurde. Crowley inszeniert das Ganze nicht als klassischen Western, sondern als skurrilen, bei-nahe hypnotischen Trip. Immer wieder tauchen groteske Nebenfiguren, bizarre Begegnungen und Momente auf, die wie aus einem Cormac-McCarthy-Roman gekrochen kommen. Das Storytelling ist ungewöhnlich, manchmal sperrig, aber genau darin liegt für mich die Stärke des Films. Statt auf einfache Spannung setzt Killing Faith auf Atmosphäre, unterschwelligen Horror und die stetige Frage, wem man in einer sterbenden Welt überhaupt noch glauben kann. Visuell ist das Ganze beeindruckend eingefangen. Der Westen wirkt hier nicht roman-tisch, sondern krank, ausgezehrt und fiebrig. Staubige Landschaften erzeugen eine dichte Stimmung, die lange nachhallt. Man merkt dem Film an, dass hier viel Herzblut und Liebe zum Detail in den kreativen Prozess geflossen sind. Killing Faith ist deshalb weit mehr als nur ein Western mit Mystery-Elementen. Es ist ein eigenwilliger Genre-Mix aus Thriller, Roadmovie, religiöser Parabel und schwarzem Humor. Ein Film voller schräger Figuren, brillanter Dialoge und einer Erzählweise, die sich angenehm gegen modernes Mainstreamkino stemmt. Sicher kein Werk für jeden Zuschauer, aber für Fans ungewöhnlicher Western eine echte Entdeckung. Außergewöhnlich gut.

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