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WilliamWhyler

Kritik von WilliamWhyler

Gesehen: Februar, 2026

Mit Eddington legt Ari Aster erneut einen Film vor, der sich jeder bequemen Vereinnahmung entzieht. Kein Popcornvehikel, eher ein geduldiger Stresstest für Erwartungshaltungen. Wir befinden uns in Eddington, einem fiktiven amerikanischen Kaff während der Corona-Zeit. Maskenpflicht, Misstrauen, aufgeladene Debatten. Ein Sheriff, gespielt von Joaquin Phoenix, der sich weigert, das Gesicht zu verhüllen, da er schwerer Asthmatiker ist, trifft auf einen Bürgermeister, verkörpert von Pedro Pascal, der auf Ordnung und Verantwortung pocht. Mehr braucht es dramaturgisch kaum. Aster interessiert nicht der große Plot, sondern die langsame Erosion einer Gemeinschaft und aller Kulturen die sich besinnen und durchdrehen, für was auch immer.
Dass lässt mich glatt an der Gegenwart zweifeln, oder gibt es da möglicherweise Parallelen?
Das Problem ist nur: Diese Langsamkeit wird hier zur Geduldsprobe. Der Film mäandert vor sich her. Eine bittere Parabel um  politische Verhärtungen, von einem Mikrokosmos, der das ganze Land spiegelt. Aber es macht das Seherlebnis nicht zwingend flüssiger.
Formal ist  Eddington über jeden Zweifel erhaben. Die Kamera fängt die Leere der Straßen mit fast dokumentarischer Strenge ein. Die Inszenierung ist kontrolliert. Phoenix spielt den Sheriff nicht als Helden, sondern als sturen, innerlich brodelnden Mann, der seine Prinzipien wie eine rostige Plakette vor sich herträgt und innerlich sich selbst schon aufgegeben hat. Pascal gibt dem Bürgermeister eine stille, kalkulierte Härte, die ab und an ins überzogene kippt. Emma Stone gibt gekonnt die ab und an spielende nervenzerrüttete Ehefrau des geplagten Scherriffs. Luke Grimes (Yellowstone) gibt den leicht vertrottelten Hilfssheriff. Ein gutes Schauspiel was vor und zurück wippt.. Der Film stresst fast. Aster erzählt nicht, um zu gefallen. Er seziert. Wie schon bei früheren Arbeiten verlangt er Hingabe, Geduld, vielleicht sogar Unterwerfung bei seinen Rhythmus. In dieser Hinsicht erinnert sein Ansatz an Paul Thomas Anderson, fast schon Kubrick-haft: Autorenkino, das sich nicht anbiedert, sondern fordert. Eddington ist damit weniger Film als Versuchsanordnung. Ein Kammerspiel über Macht, Moral und Masken, die jeder von uns trägt. Wer Spannung im klassischen Sinne sucht, wird hier kaum fündig. Wer sich jedoch auf das langsame, manchmal schmerzhafte Ausleuchten gesellschaftlicher Risse einlässt, findet ein Werk von bemerkenswerter Konsequenz.
(Ähnlich wie in „No Country for old man“- U-Turn von Oliver Stone). Ein großer Film? Möglicherweise. Das Zeug hätte er. Ein zugänglicher? Sicher nicht. Und genau darin liegt seine Stärke wie seine Schwäche zugleich. Da bin auch ich gespalten, herrlich bescheuert. Ich würde ihn nicht nochmal ansehen wollen, doch er war die Reise wert – hart bis zum Finale.

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