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WilliamWhyler

Kritik von WilliamWhyler

Gesehen: September, 2026

Kurz: Ein düsteres Boxerdrama um einen ehem. Box-„Opa“(Tim Blake Nelson) der mit seinem Ehrgeiz die „noch“ Familie zu zerstören droht.
Die Geschichte entwickelt sich langsam. „Opa“ Bernard findet wieder Kontakt zu seinem entfremdeten Enkel Justin und versucht, ihn zum Boxer auszubilden. Was zunächst nach einer zweiten Chance aussieht, wird zunehmend zur Wiederholung alter Fehler. Der Großvater will seinem Enkel etwas mitgeben, doch dabei gibt er vor allem seine eigene Wut weiter. Andrew Liner spielt Justin als jungen Mann, der zwischen Bewunderung und Skepsis schwankt. Die Beziehung der beiden ist der Kern des Films. Es geht um einen Jungen, der seinen Platz im Leben sucht, und einen alten Mann, der glaubt, ihn durch den Boxsport auf den richtigen Weg bringen zu können.
Dramaturgisch bleibt das Ganze allerdings etwas zäh. Die Figuren werden in kleinen Gesprächen und Begegnungen entwickelt, die Boxkämpfe sind eher Mittel zum Zweck. Das ist nicht schlecht, doch da fehlt für mich ab und an der Druck. Der Film will kein großes Sportdrama sein, sondern eine Familiengeschichte über Schuld, Ehrgeiz und die Frage, ob man seine Vergangenheit an die nächste Generation weitergeben muss. Tim Blake Nelson ist für mich generell einer der wichtigsten „Neben“-Darsteller auf einem Niveau, das nur wenige Schauspieler erreichen. Obwohl er kein typischer Method Actor ist, versinkt er förmlich in seinen Charakteren. Hier darf er endlich einmal mehr (nach Old Henry) die Hauptrolle ausfüllen. Als Bernard „Bang Bang“ Rozyski ist er ein ehemaliger Profiboxer, der seinen Körper noch immer fit hält, obwohl er im Rollstuhl sitzt. Ein kaputter Typ, der seine Vergangenheit nicht loslassen kann. Nelson spielt ihn mit dieser eigentümlichen Mischung aus Härte, Verletzlichkeit und einer Wut, die jederzeit wieder hochkommen kann. Kinematographisch bleibt der Film auf dem Boden. Die heruntergekommenen Häuser, die einfachen Trainingsräume und die tristen Straßen Detroits geben der Geschichte einen passenden Rahmen. Keine großen Arenen, kein Hochglanz, nur eine Welt, in der die Vergangenheit noch in den Wänden steckt. Die Kamera beobachtet die Figuren eher, als dass sie sie glorifiziert. Auch die Boxszenen sind nicht auf Schauwerte aus, sondern wirken wie eine weitere Belastungsprobe für die Charaktere.
Bang Bang, ist ein gut besetztes, ruhiges Boxerdrama, das meist von Tim Blake Nelson getragen wird. Er hat´s ja auch mit produziert, also muss ihn die Geschichte wohl gepackt haben, denn sie ist interessant und steht exemplarisch für viele Sportler, die es nicht geschafft haben;  trotz allem, für mich hätte die Dramaturgie etwas mehr Tempo vertragen können.
Wer also einen Film wie Rocky erwartet, wird hier eher wenig Freude haben.
Wem The Wrestler oder Day of the Fight gefiel, der dürfte mit Bang Bang etwas anfangen können. Meiner Meinung nach ein Film, der nicht durch seine Boxkämpfe überzeugt, sondern durch einen starken Hauptdarsteller und die Frage, ob man seine Vergangenheit wirklich hinter sich lassen kann. Einfach großes deprimierendes Schauspiel und Dialog Kino.

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