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Vitellone

Kritik von Vitellone

Gesehen: Januar, 2018

Familienurlaub in fünf Akten. Ein luxuriöses Skiresort in den französischen Alpen, eine glückliche Familie – für einen Moment schwelgt Ruben Östlund im zarten Ferienidylle, eher eine nicht ganz so kontrollierte Lawine alles zum Einsturz bringt. Penetrante Streicher geben es voraus, denn während die echten Schneemassen unbeteiligt vorbeigleiten, ist es die Lawine im Inneren, die alle Beteiligten in einen Abgrund reißt. Einmal ins Rollen geraten, gibt es kein Halten mehr. Im entscheidenden Moment hat sich Tomas, bis dato liebender Ehemann und Vater, gegen seine Familie entschieden, sein Handy gepackt und sich selbst in Sicherheit gebracht. Eine Spontanreaktion, die getrieben von Panik und Angst dennoch am Selbstverständnis der Familie nagt. Zunächst rein innerlich, bahnen sich die Gefühle nach und nach einen Weg an die Oberfläche. Interessant ist dabei, wie sich Regisseur Östlund kaum für das Ereignis selbst interessiert, sondern unglaublich treffend deren Folgen untersucht. Da ist Tomas, der seine Reaktion am liebsten verdrängen will, innerlich jedoch von seinen eigenen Erwartungen an sich selbst, der Diskrepanz zu seiner Rolle als Alphatier, Beschützer und Familienoberhaupt, aufgefressen wird. Da sind seine beiden Kinder, die eine Scheidung befürchtend nur noch mehr Öl ins Feuer gießen. Und da ist natürlich seine Frau, Vera, deren Gefühlswelt ebenso viel Platz eingeräumt wird, wie der von Tomas. Enttäuschung paart sich mit Zweifel, alles wird in Frage gestellt. Daraus resultieren schmerzhafte Dialoge, vielmehr Streitgespräche, die so nur schwer zu ertragen sind. Höhere Gewalt macht deutlich, dass Geschlechterrollen und spezifische Beziehungsverhältnisse gedanklich fester verankert sind, als es heutzutage für viele den Anschein erweckt. Gepaart mit einem herrlich trockenen, bisweilen auch skurrilen Humor, findet Höhere Gewalt immer wieder zu erschlagenden Momenten voll von beobachtender Präzision. Entscheidend ist dabei, dass Ruben Östlund seine Hauptfigur Tomas trotz allem Zynismus nie offen verachtet, sondern immerzu mitfühlend in den Arm nimmt, nachdem er diesem abermals mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen hat. Dem männlichen Ego schenkt er deswegen auch ein Ende, welches die altbewährte Familienkonstruktion wiederherstellt – auch wenn die Szene selbst mit beißendem Spott überzogen ist.

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