Bildnachweis: © Prime Video | Werbemotiv zu "Die härtesten Gefängnisse der Welt"

Nach Millionenbetrug an Netflix: "47 Ronin"-Regisseur Carl Rinsch wurde verurteilt und muss in den Knast

von Sebastian Groß

Aus einem ambitionierten Science-Fiction-Projekt entwickelte sich einer der ungewöhnlichsten Betrugsfälle der Streaming-Geschichte. Carl Rinsch, Regisseur des gefloppten Fantasy-Abenteuers 47 Ronin, ist wegen Millionenbetrugs zulasten von Netflix zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. Der Filmemacher hatte sich Millionenbeträge für eine nie fertiggestellte Serie erschlichen und das Geld stattdessen für riskante Spekulationen sowie luxuriöse Anschaffungen ausgegeben. Selbst ein Unterstützungsschreiben von Keanu Reeves konnte das Strafmaß nicht mehr entscheidend beeinflussen.

Millionen für eine Serie, die niemals fertig wurde

Der Fall geht auf das Jahr 2019 zurück, als Netflix nach einem Bieterwettstreit die Science-Fiction-Serie White Horse, später auch unter dem Titel Conquest bekannt, für rund 61 Millionen US-Dollar finanzierte. Während der Vorproduktion soll Rinsch zunehmend durch verstörende Nachrichten aufgefallen sein. Unter anderem behauptete er, den geheimen Übertragungsmechanismus von Covid-19 entschlüsselt zu haben und Blitzeinschläge vorhersagen zu können. Dennoch bewilligte Netflix dem Regisseur später weitere elf Millionen US-Dollar, nachdem dieser erklärte, das zusätzliche Budget sei notwendig, um die Dreharbeiten fortsetzen zu können.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft floss das Geld jedoch kaum in die Produktion. Stattdessen investierte Rinsch den Betrag unter anderem in Kryptowährungen wie Dogecoin, kaufte mehrere Rolls-Royce-Limousinen, Luxusgüter und finanzierte damit auch die Kosten seiner Scheidung. Während der späteren Dreharbeiten soll sich sein Verhalten weiter verschlechtert haben. Berichte sprechen von Drogenmissbrauch, aggressiven Ausrastern und paranoiden Anschuldigungen gegenüber seiner damaligen Ehefrau. Richter Jed Rakoff räumte zwar ein, dass psychische Probleme eine Rolle gespielt hätten, betonte jedoch, Rinsch habe seine Täuschungen bewusst geplant und durch Geldwäsche sowie falsche Angaben verschleiert. Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Mindeststrafe von fünf Jahren blieb dem Regisseur allerdings erspart.

Ein Debakel mit langer Vorgeschichte

Die juristischen Probleme markieren den vorläufigen Höhepunkt einer Karriere, die bereits nach 47 Ronin erhebliche Rückschläge erlitt. Der mit rund 175 Millionen US-Dollar produzierte Fantasyfilm entwickelte sich 2013 zu einem der größten Kinoflops des Jahres. Massive Budgetüberschreitungen, umfangreiche Nachdrehs und Berichte über schwierige Produktionsbedingungen sorgten damals bereits für negative Schlagzeilen.

Nach dem Scheitern von Conquest versuchte Rinsch sogar noch, Netflix wegen angeblichen Vertragsbruchs auf weitere 14 Millionen Dollar zu verklagen – ausgerechnet finanziert mit Geldern, die der Streamingdienst zuvor selbst überwiesen hatte. Die Klage blieb erfolglos, das Serienprojekt wurde endgültig eingestellt. Der außergewöhnliche Fall gilt inzwischen als eines der spektakulärsten Kapitel in der Geschichte der Streaming-Branche und dürfte noch lange für Gesprächsstoff sorgen.

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