Mit einem sensationellen zweiten Wochenende schreibt der neue Thriller Obsession von Curry Barker gerade eine der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten der modernen Box-Office-Geschichte. Nachdem der Film in den USA zunächst mit soliden 17 Millionen US-Dollar gestartet war, legte er am zweiten Wochenende plötzlich auf unglaubliche 24 Millionen US-Dollar zu – ein Plus von 39 Prozent. Für alle die sich nicht regelmäßig mit Kinozahlen beschäftigen: So etwas passiert praktisch nie!
Hollywood kann die Zahlen kaum glauben
Normalerweise verlieren Filme nach ihrem Startwochenende einen großen Teil ihres Publikums. Selbst erfolgreiche Blockbuster brechen oft um 40 bis 60 Prozent ein, weil die neugierigsten Zuschauer*innen bereits direkt zum Kinostart ins Kino gehen. Ein Anstieg am zweiten Wochenende gilt deshalb als absolute Ausnahme – vor allem bei Filmen, die bereits landesweit auf tausenden Leinwänden laufen.
Genau deshalb sorgt Obsession aktuell für enormes Aufsehen in der Branche. Laut einem Bericht von IndieWire wandten sich Analyst*innen sogar an Comscore, eines der wichtigsten Unternehmen für Kino- und Marktanalysen, um vergleichbare Fälle zu finden. Das Ergebnis: Es gibt kaum moderne Beispiele, die ähnliche Zahlen erreicht haben.
Am häufigsten wird dabei der Überraschungshit Sound of Freedom genannt, der ebenfalls rund 39 Prozent am zweiten Wochenende zulegen konnte. Allerdings war die Situation dort deutlich anders. Der Film profitierte unter anderem von einer starken Leinwanderweiterung und speziellen „Pay It Forward“-Aktionen, bei denen Zuschauer*innen zusätzliche Tickets für andere Menschen kauften. Bei Obsession fehlt ein solcher Sonderfall bislang – was den Erfolg noch bemerkenswerter erscheinen lässt.
TikTok und Gen Z machen "Obsession" zum Phänomen
Besonders interessant ist dabei, wer den Film überhaupt antreibt. Laut aktuellen Branchenbeobachtungen kommt ein großer Teil des Publikums aus der Gen-Z-Zielgruppe. Vor allem Plattformen wie TikTok und andere soziale Netzwerke scheinen entscheidend dafür gewesen zu sein, dass sich der Thriller viral verbreiten konnte. Viele junge Zuschauer*innen teilen online Reaktionen, Theorien und Clips zum Film, wodurch immer mehr Menschen neugierig werden und selbst ins Kino gehen.
Genau dieses sogenannte „Word of Mouth“ – also Mundpropaganda – gilt als einer der wichtigsten Faktoren hinter dem Erfolg. Während Studios normalerweise Millionen in klassische Werbung investieren müssen, entwickelt sich Obsession zunehmend zu einem Film, der sich fast von selbst verkauft, weil das Publikum permanent darüber spricht.
Für die Kinobranche ist das deshalb so spannend, weil moderne Filme oft extrem frontlastig laufen. Das bedeutet: Sie machen den Großteil ihres Geldes direkt zum Start und verlieren danach schnell an Dynamik. Obsession verhält sich momentan genau gegenteilig und entwickelt stattdessen außergewöhnlich starke „Legs“ – ein Begriff aus der Box-Office-Welt, der beschreibt, wie lange ein Film erfolgreich Publikum anzieht.
Nun richtet sich der Blick vor allem auf das dritte Wochenende. Sollte der Film erneut ungewöhnlich stabil bleiben, könnte Obsession endgültig zu einem historischen Ausnahmefall werden. Schon jetzt zeigt der Thriller allerdings, dass soziale Medien und starke Zuschauerreaktionen heutzutage manchmal wichtiger sein können als jede klassische Marketingkampagne.
Obsession lief bei uns vor einigen Wochen bereits auf dem Fantasy Filmfest Nights und wird am 25. Juni auch regulär in die Kinos kommen. In unserer Kritik vergaben wir sensationelle 9 von 10 Punkte und loben unter anderen die tolle Inszenierung und beschließen die Besprechung mit den Worten "Wir dürfen unfassbar gespannt sein, wie sich die Zukunft für Curry Barker entwickelt." Barker begann seine Karriere bei YouTube. Dort könnt ihr auch kostenlos seinen Horrorfilm Milk & Serial sehen.