Mit dem Tod von David Lynch rückte auch ein lange schwelendes Kapitel seiner späten Karriere erneut ins Licht: Unrecorded Night, jenes geheimnisvolle Projekt, das trotz anfänglicher Zusage des Streamingdienstes Netflix nie realisiert wurde. Nun gibt es erstmals eine konkrete Perspektive, wie dieses Werk dennoch öffentlich zugänglich werden könnte. Leider hat es aber einen Haken: Der Dreh hat nie begonnen. Deswegen soll das Projekt in schriftlicher Form publiziert werden.
Veröffentlichung der "Unrecorded Night"-Drehbücher geplant
Jennifer Lynch, Tochter des Filmemacher und selbst Regisseurin (Boxing Helena), bestätigte auf Reddit, dass sie gemeinsam mit ihren Geschwistern plant, die Drehbücher zu veröffentlichen. Ziel sei es, Lynchs letztes großes Projekt in einer autorisierten und respektvollen Form zugänglich zu machen. Gleichzeitig appellierte sie an Fans, von inoffiziellen Fassungen Abstand zu nehmen, um die Integrität des Materials zu wahren. Die Veröffentlichung soll als posthume Würdigung verstanden werden und Lynchs Arbeit auf angemessene Weise teilen.
Unrecorded Night war ursprünglich als umfangreiches Serien- oder Filmprojekt für Netflix vorgesehen. Laut Kameramann Peter Deming, der das Drehbuch gelesen hatte, handelte es sich um ein mehrere hundert Seiten starkes Werk, konzipiert als fortlaufende Erzählung. Inhaltlich sei es ein eigenständiger Mystery-Stoff gewesen, angesiedelt in Los Angeles, mit deutlichen Bezügen zu Lynchs früheren L.A.-Arbeiten wie Lost Highway, Mulholland Drive - Straße der Finsternis und Inland Empire.
Produzentin Sabrina Sutherland hatte mehrfach betont, dass Lynch selbst das Projekt für seine stärkste Arbeit hielt. Geplant war, dass Lynch trotz gesundheitlicher Einschränkungen zumindest teilweise aus der Distanz Regie führen würde. Die Pandemie stoppte jedoch alle Vorbereitungen, und das Projekt wurde nie wieder aufgenommen.
Besetzung und familiäre Verbindung zu David Lynch
Zusätzlich wurde inzwischen bekannt, dass Toby Jones, unter anderem bekannt aus Captain America und Berberian Sound Studio, als Hauptdarsteller vorgesehen war (via Boston Hassle). Die Wahl unterstreicht die Ambitionen des Projekts und fügt eine persönliche Note hinzu: Jones’ Vater Freddie Jones zählte zu den prägenden Darstellern in mehreren Filmen und Serien von Lynch, darunter Der Elefantenmensch und Wild at Heart - Die Geschichte von Sailor und Lula.
Mit der geplanten Veröffentlichung der Drehbücher rückt Unrecorded Night nun doch noch in die Öffentlichkeit – nicht als Serie oder Film, sondern als letztes großes erzählerisches Vermächtnis eines der einflussreichsten Filmemacher seiner Zeit. Falls ihr noch keine Erfahrung mit Lynch habt, empfehlen wir euch, unseren Nachruf zum Kult-Regisseur zu lesen.