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Der zynische Autor Lloyd Vogel (Matthew Rhys) soll für einen Artikel im Esquire Magazine den berühmten Kinderfernsehmoderator Fred Rogers (Tom Hanks) interviewen.  Aus der anfänglichen Geschäftsbeziehung wird ganz schnell eine Freundschaft der besonderen Art. 

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Was definiert einen Helden? Diese Frage beleuchtete der Autor Tom Junod in seinem 1998 erschienen Esquire-Artikel „Can You Say… Hero?“, indem er einen der bekanntlich nettesten Menschen der Vereinigten Staaten interviewte: Fred McFeely Rogers. Als Fernsehmoderator, Musiker, Puppenspieler, Produzent und Schriftsteller galt Mr. Rogers als Multi-Talent und begleitete Kinder jahrzehntelang mit seiner Show Mister Rogers' Neighborhood beim Aufwachsen. Ein Mann, dessen Schaffen klein, aber von äußerster Wichtigkeit war. Und nun, 22 Jahre nach der Veröffentlichung von Junods Artikel, hat es die Geschichte des beliebten Fernsehmoderators mit Der wunderbare Mr. Rogers auf die große Leinwand geschafft. 

Dieses exorbitante Maß an Nettigkeit sorgt zunächst jedoch für ein Gefühl des Unbehagens. Dieser herzerwärmende Blick, diese Hilfsbereitschaft, diese durch und durch sympathische Art. Als Zuschauer fragt man sich, ob diese Art von Mensch wirklich existiert. Es wirkt beinahe so, als würde Fred Rogers (Tom Hanks - Die Verlegerin) etwas hinter dieser vermeintlichen Fassade verbergen. Und mit genau dieser Skepsis tritt auch der Journalist Lloyd Vogel (Matthew Rhys - The Americans) an die TV-Persönlichkeit heran, als er den Auftrag bekommt, für das Esquire Magazine einen kurzen biografischen Artikel zu verfassen. Mit seiner zynischen Art möchte er Fred Rogers sein Wohlwollen und die Wärme, die er versprüht, jedoch nicht abkaufen. Zumindest nicht, wenn es um bloße 400 Wörter geht.

Allerdings lernt Lloyd, wie auch der Zuschauer, das wahre Gesicht von Mr. Rogers kennen. Zunächst sehr kritisch gegenüber der strahlenden Attitüde dieses Mannes eingestellt, beginnt der mürrische Reporter die Motivationen für diese positive Einstellung zu ergründen. Und ohne zu viel zu verraten: Auch die Freude in Person hat seine Schattenseiten. Aber nach und nach erkennt Lloyd den Urspung all dieser Aufrichtigkeit und welchem Zweck diese dienen soll. In diesem Sinne entpuppt sich Der wunderbare Mr. Rogers als Lehrstunde, die voll mit kitschigen Weisheiten gespickt ist, doch als Zuschauer akzeptiert man diesen Kitsch, weil er vom Herzen kommt und vor allem eins ist: Ehrlich.

Und so erteilt Fred Rogers seinem Freund Lloyd eine ehrliche Lektion in Sachen Nächstenliebe, die als Paradebeispiel für die strahlende Kraft gegenseitiger Wertschätzung fungiert. Nicht nur die Kinder vor dem Fernseher lernen etwas von dem TV-Star, sondern auch die Erwachsenen. Zerstörte Eltern-Kind-Beziehungen, der Umgang mit negativen Emotionen und ähnliche Probleme des Alltags, die sowohl die kleinen wie auch großen Zuschauer durchs Leben begleiten. Mr. Rogers entführt seine Mitmenschen auf eine Art Selbstfindungstrip, indem er ihnen hilft, sich selbst und ihre Umwelt besser zu verstehen. Er tut also genau das, was er stets vor laufender Kamera tut.

Am Ende bleibt ein 108-minütiges Kinoerlebnis über ein Vorbild, eine Ikone, einen Helden. Und dass, obwohl der titelgebende Held gar nicht der Protagonist ist. Als Lloyds Frau Andrea (Susan Kelechi Watson - Louie) kurz vor der Publikation von Lloyds Artikel sagt, dass es eigentlich gar nicht um Mr. Rogers geht, thematisiert sie zugleich die Rolle des charismatischen Herren im Film. Denn Tom Hanks wurde nicht umsonst  "nur" als bester Nebendarsteller im Oscarrennen 2020 nominiert. Seine Präsenz als liebenswerter Gentleman aus dem Fernsehen wirkt am Ende des Tages nur nebensächlich. Wie die eines den Helden begleitenden Mentors. Vielmehr geht es um das, was Mr. Rogers seinen Mitmenschen auf den Weg gibt. Und was genau das ist, darf jeder Zuschauer letzten Endes selbst im Kinosaal erfahren.

Fazit

"Der wunderbare Mr. Rogers" wirkt wie ein in Nostalgie gewickeltes Sympathie-Paket, das einem die simplen, aber nicht weniger wichtigen Dinge im Umgang mit seinen Mitmenschen vor Augen führt. Und in dem Moment, in dem man dies realisiert, fühlt man sich wie eines der Kinder, das vor der Flimmerkiste sitzt und sich von dem fröhlichen Mann im knallroten Pullover über Gott und die Welt belehren lässt. Was am Ende des Tages ein verdammt charmantes Bild hinterlässt.   

Autor: Oliver Koch

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