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"Wiener-Dog" erzählt die Geschichten verschiedener Menschen, deren Leben von einem ganz speziellen Dackel inspiriert oder verändert wird. Der Hund scheint eine ganze besondere Art von Behaglichkeit und Freude zu verbreiten.

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Kritik

Mit Willkommen im Tollhaus oder Happiness erarbeitete sich Regisseur und Todd Solodnz den Ruf eines scharf beobachtenden Filmemachers, der seinem Publikum die teils absurden, aber immer in der Alltäglichkeit befindlichen Fratzen unseres Lebens aufzeigt. Diese Entlarvungen, die stets mit teils niederschmetterndem aber keinesfalls einseitigem Pessimums durchgeführt werden und im Mantel schwarzer Komik gekleidet sind, haben eine große Wahrhaftigkeit inne, was Solondz Werke zu mitreißenden Zwitterwesen aus Unterhaltung, Tragödie und Reflexion machen. Das gilt auch für seinen neusten Film Wiener Dog.

Wiener Dog erzählt in vier Episoden von der Reise eines Dackels, der die Leben einiger Menschen verändert. Der Hund erweist sich dabei in allen Episoden (bis auf einer) als Neuankömmling in einem bereits etablierten sozialen System und jedes Mal zeigt uns Solodnz mit subversiver Verve, wie diese nach und nach zersplittern.

Da wäre eine Bourgeoise-Familie (Julie Delpy und Tracy Letts), die ihrem ehemals krebskranken Sohn einen Spielgefährten schenken wollen und nicht nur mit dem Reizdarm des Vierbeiners überfordert sind, sondern auch mit der Tatsache, dass sie ihre Sprössling – auf ihre Weise – erklären müssen, warum ein vollgekoteter Teppich ausreicht, eine Lebewesen auf- und abzugeben. Oder eine ältere erblindete Dame (Ellen Burstyn), die Besuch von ihrer Enkelin (Zosia Mamet)bekommt, die letztlich aber nur Geld will, obwohl sich doch beide Frauen, wegen ihrer emotionalen Leere, behilflich sein könnten.

Solondz seziert also wieder unseren sozialen und gesellschaftlichen Mikrokosmos und findet darin viel Wohlwollendes, aber stets auch die notwendige Dosis Defätismus, die das fröhliche Gebilde zum Einsturz bringt und damit nicht nur menschliche Verletzlichkeit ins Zentrum rückt, sondern die Frage stellt, welche Erwartungen wir ans Leben stellen und ob wir uns damit nicht größtenteils auch einfach nur selbst belügen.

Ja, Wiener Dog ist trotz seines typischen US-Independent-Looks ein düsteres Werk und konfrontiert uns, oft schelmenhaft, mit unseren Defiziten, aber auch denen der anderen. Im Prinzip ist Solondz ein sensibilisierende Tragikomödie, die nicht wild gestikulierend daherkommt, sondern nüchtern lächelnd, aber eben auch mit scharfen Krallen.

Verpackt ist das alles in klare Bilder, deren Rationalität etwas immens Schönes und Faszinierendes inne haben. Dafür verantwortlich ist Kameramann Ed Lachman, der hier nicht zum ersten Mal mit Todd Solondz zusammenarbeitet und erst letztes Jahr auch das frenetisch gefeierte Liebesdrama Carol mit Cate Blanchett und Rooney Mara in seine, ihm typische, Bildersprache setzte, die die unterschwellige Boshaftigkeit von Wiener Dog spürbar unterstützt und visuell perfektioniert.

Fazit

Wahrscheinlich der böseste Film des Jahres. Regisseur Solondz behandelt erneut unsere sozialen und gesellschaftlichen Systeme und Mechanismen und findet zwischen den Zahnrädern erneut vieles, was uns nicht gefällt, was aber zu uns gehört - ob wir wollen oder nicht. Das macht aus „Wiener Dog“ nicht nur einen waschechten Solondz, sondern einen wirklich amüsanten Film, mit doppeltem Boden.

Autor: Sebastian Groß

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