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Ahnungslos nehmen der Reporter Walter Mancini und seine Frau Eva einen Anhalter mit, der eine Wagenpanne vortäuscht. In Wahrheit ist er jedoch der psychisch kranke Gewaltverbrecher Adam Konitz, der mithilfe der beiden die Beute eines Überfalls über die mexikanische Grenze schmuggeln will. Bald kommt es zu Streitereien und Konitz offenbart seine sadistische Natur...

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Kritik

Als maßgeblicher Bestandteil des Neoralismo rosa, wurde der in Rom geborene Pasquale Fest Campanile die immense Ehre zuteil, mit großen Künstlern wie etwa Marco Ferreri(„Das große Fressen“) oder gar Luchino Visconti(„Rocco und seine Brüder“) zu kooperieren. In solch gehobenen Zirkeln sah man sich einer gewissen Intellektualität verpflichtet, die sich über moralische wie politische Paradigmen vollkommen im Klaren war – Eine eingeschworene Gruppe raufte der italienische Neorealismus da zusammen und versetzte dem Faschismus unter der Diktatur Benito Mussolinis einen gezielten Schlag. Wie passt in diese gebildet-geistreiche, ja, eigentlich schon als elitär zu verifizierende Klassengemeinschaft nun in das Schema reinrassiger Exploitation? Natürlich gar nicht, es lehnt sich Beides kategorisch ab. Doch Pasquale Fest Campanile, ein Mann, der später vor allem durch seine bissigen Geschlechterkämpfe die Runde gemacht hat, wagte sich auch einmal auf reißerisches Terrain, wie der Titel schon verlauten lässt: „Wenn Du krepierst – lebe ich!“ von 1977.

Dass man bei „Wenn Du krepierst – lebe ich!“ nicht mit billig kalkulierender Schleuderware konfrontiert wird, lag bei Pasquale Fest Campanile eigentlich nahe. Und der Italiener zeigt sich auch tatsächlich in Bestform und zaubert aus dem Drehbuch, an dem, neben seiner Person, noch vier weitere Autoren gearbeitet haben, einen echtes Bravourstück von Genre-Kino. Im Zentrum steht das Ehepaar Mancini. Er, Walter (Franco Nero), ist Reporter, verbringt den Tag aber vor allem damit, an der Flasche zu hängen, während sie, Eve (Corinne Cléry), unlängst vom ungehobelten Verhalten ihres Mannes angewidert ist, sorgt aber seit jeher durch das florierende Unternehmen ihres Vaters für die existentielle Grundlage ihrer Beziehung. Wie „Wenn du krepierst – lebe ich!“ dieses Zusammensein der Beiden zeichnet, hat nichts mehr mit Zuneigung, mit Schmetterlingen im Bauch zu tun – Aber wer hat die schon noch nach über 30 Jahren Ehe? Auf einen gemeinsamen Nenner kommen sie nur noch, wenn Walter seine sexuelle Dominanz ausspielt.

Eve wird quasi wiederholt zur Kopulation gezwungen, bis sie sich nach kurzem Zögern mal wieder lustvoll auf den körperlichen Akt einlässt. Später wird sie ihrem Mann offen ins Gesicht sagen, dass ihr Sex nichts mehr mit Liebe gemeinsam hat, sondern nur noch einfaches Bumsen bedeutet. Einen Campingurlaub in Nordkalifornien kann man sich wahrscheinlich durchaus sinnlicher respektive romantischer vorstellen. Als Eve gegen den Willen ihres Mannes den Anhalter Adam (David Hess) aufliest, findet das Schreckensszenario in die richtige Spur: Nach kurzen Wortwechseln und bohrenden Blicken von der Rückbank, offenbart Adam seine wahre Identität und verlangt von den Mancinis, ihn nach Mexiko zu bringen, hat er doch gerade einen Millionenbetrag erbeutet und befindet sich auf der Flucht vor der Polizei. So weit, so altbacken. Und freilich wäre es wenig packend, diesem obligatorischen Handlungsmuster beizuwohnen, könnte man nicht mit dieser famosen Schauspielriege um Franco Nero, Corinne Cléry und David Hess aufwarten, die ihre ambivalenten Charaktere mit Leben füllen und das Drehbuch mit Wonne darin unterstützen, die Sympathieachsen zu verschieben.

David Hess, in der Branche als herzensguter Zeitgenossen bekannt, konnte schon inWes Cravens Klassiker „Das letzte Haus links“ einen Schmierlappen sondergleichen geben. Auch in „Wenn Du krepierst – lebe ich!“ erwartet ihn das Rollenmodell des Psychopathen – Seine ungemein kantige Visage prädestiniert ihn nun mal dafür. Corinne Cléry, ohnehin eine gute Schauspieler, bringt die Frau, die sich nicht länger etwas von ihrem Mann sagen lassen möchte, ihm aber doch irgendwo devot verschrieben ist, einnehmend zur Geltung, während Franco Nero die ganz große Show liefert. Sein Walter scheint nicht damit klarzukommen, dass die Frau die Hose in der Familie hat und versucht es, wann immer sich eine Gelegenheit bietet, seine Gattin durch spöttische Spitzen zu diffamieren. „Wenn Du krepierst – lebe ich!“ ist also auch daran interessiert, Geschlechterrollen zu zerbrechen und spekuliert keinesfalls auf übertriebene Gewalt- und Sexszene, auch wenn diese, ganz getreu der Stilistik garstiger Exploitation, selbstredend anzutreffen sind.

Während sich das Auto samt Campinghänger durch die herrliche Bergwelt Nordkaliforniens (gedreht wurde aber in Italien) schraubt, hinweg über eine gar unendlich erscheinende Straße, intensiviert sich die Situation, als Adam erfährt, dass Walter Reporter ist und von diesem sodann verlangt, ein Buch über seine Überfall niederzuschreiben – Natürlich darf da der Sex nicht fehlen! Ennio Morricones von zupfenden Banjoklängen dominierte Komposition verdichtet sich und bildet im widerwärtigen Höhepunkt eine erschlagende Allianz, um den Zuschauer in ganzer Kraft vorzuführen: Adam und Eva mögen sich hier zum Liebesakt gefunden haben, doch der Garten Eden ist schon vor langer, langer Zeit abgebrannt. Brillant in dieser Vergewaltigungssequenz ist nicht nur die audiovisuelle Suggestion, sondern Franco Nero, wie er gefesselt dazu gezwungen ist, das dreckige Treiben mitanzusehen, wie nicht er seine Frau nötigt und zum Stöhnen bringt, sondern ein Fremder: Seine Augen füllen sich mit Tränen, „Wenn Du krepierst – lebe ich!“ deutet an, dass, trotz der oberflächlichen Verachtung doch noch Gefühle existent scheinen, wie auch im darauffolgenden Moment eingefangen, wenn Walter seine geschändete Frau fest in seine Armen schließt.

Genau diese Augenblicke sind es, in denen „Wenn Du krepierst – lebe ich!“ seine Zuschauerschaft nach Strich und Faden manipuliert. Da flammt plötzlich ein Gedanke von tiefer Zweisamkeit auf, die äußerlich etwas entfremdet scheint, im Inneren aber doch noch wie eng umschlungen daherkommt. Denkste! Diese Exploitation-Flics dienen natürlich auch immer ganz wunderbar dazu, das Publikum herauszufordern, persönliche Geschmacks- und Toleranzgrenzen zu reflektieren, was heute durch den Überdruss an Torture-Porn leider zunehmend abgestumpft scheint. „Wenn Du krepierst – lebe ich!“ setzt in den letzten zwanzig Minuten zum große Finale an und bäumt sich zum wahren Zynismus-Manifest auf, dem nichts mehr heilig zu sein scheint. Die gesellschaftspolitische Note ist zwar eindeutig, die Jugendkriminalität wird ins Visier genommen, so wie Walters Frau zu Anfang beim Jagen in sein Fadenkreuz gerät, doch mit einem solch deftigen Maß an Boshaftigkeit wäre wohl nicht zu rechnen gewesen – Und das macht „Wie Du krepierst – lebe ich!“ letzten Endes auch so famos. Er hat noch den sadistischen Mut, seine Geschichte ohne Limit zu entfalten und bis zum ungemein garstigen Schlussakkord durchzupeitschen.

Fazit

Ein Klassiker des Exploitationskinos, der seine wahre Klasse aber nicht in spekulativer Gewalt und schäbigen Sex findet, sondern den Zuschauer über seine 100-minütige Laufzeit einen zynischen Strick dreht, der in den letzten Sekunde in all seiner galligen Boshaftigkeit gnadenlos explodiert. Top!

Autor: Pascal Reis

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