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Quelle: themoviedb.org

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Inhalt

Polly (Dakota Fanning) erhält nachts von einem unerwarteten Besucher eine geheimnisvolle Schachtel mit der einfachen Anweisung, darin drei Dinge hineinzulegen: etwas, das sie braucht, hasst und liebt. Tut sie es nicht, werden alles und jeder verzehrt.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Give it something you hate, something you need, something you love.

Die Regeln der mysteriösen Box in Bryan Bertinos neuestem Horrorfilm Vicious – Ein teuflisches Geschenk klingen zunächst simpel und verständlich. Doch die Box ist ziemlich wählerisch und spielt ein perfides Spiel mit der jungen Polly (Dakota Fanning, Krieg der Welten). Bertino, der 2008 mit The Strangers einen überraschenden Erfolg im Horror-Genre feiern konnte, setzt in seinem neuesten Werk auf eine ebenso einfache wie interessante Ausgangsidee. Was wäre, wenn eine geheimnisvolle Box auftaucht, die einen Menschen zwingt, sich seinen eigenen Ängsten, Bedürfnissen und Wünschen zu stellen? Eines Nachts steht eine alte Frau (Kathryn Hunter, Poor Things) vor Pollys Tür, die allein in einem etwas heruntergekommenen Haus lebt. Die Fremde stellt ihr das Kästchen und eine Sanduhr auf den Tisch mit der eindeutigen Botschaft, dass sie sterben wird, wenn sie die Aufgaben der Box nicht erfüllt. Mit Vicious beschreitet Bertino erneut den bekannten Pfad, dass das Unheimliche und Böse in die eigenen vier Wände eindringt, einem Ort, an dem man sich eigentlich sicher fühlen sollte. Er erschafft damit schon zu Beginn eine bedrückende Atmosphäre. Der Film pendelt dabei irgendwo zwischen psychologischem Horror, Mystery-Horror und Survival-Thriller. Nach und nach baut sich Spannung auf, und gerade das Mysterium der Box sorgt für eine konstante Neugier, denn unweigerlich stellt sich die Frage: Hat die junge Protagonistin überhaupt eine Chance, die Aufgaben zu erfüllen?

Was zunächst einfach erscheint, entpuppt sich schnell als sehr große Herausforderung. Polly scheint aufgrund ihrer eigenen psychischen Verfassung anfangs gar nicht in der Lage zu sein, sich diesen Aufgaben zu stellen. Wird sie den Überlebenskampf annehmen? Allerdings zeigen sich bereits hier erste Schwächen bei den Horrorelementen. Bertino setzt stark auf Jump Scares, die nicht immer notwendig gewesen wären. Teilweise integrieren sie sich gut in die Handlung, teilweise wirken sie jedoch arg in den Film hineingepresst, um dem Zuschauer noch schnell einen Schrecken einzujagen. Vieles ist typische Genrekost. Dennoch schafft es der Film über weite Strecken gut zu unterhalten. Zu verdanken ist das in erster Linie der hervorragenden Darstellung von Dakota Fanning, die den Film über weite Strecken fast im Alleingang stemmt. In zahlreichen Szenen, in denen Polly isoliert agiert und kaum einen Dialogpartner hat, lebt der Film ausschließlich von ihrer Präsenz. Fanning gelingt es, Angst, Verzweiflung und zunehmende Orientierungslosigkeit glaubwürdig zu transportieren, ohne dabei übertrieben zu wirken. Doch trotz der guten schauspielerischen Leistung wirkt der Film gerade im letzten Drittel unausgereift und planlos. Das große Ganze scheint Bertino nicht immer im Blick gehabt zu haben, als er das Drehbuch entwickelte. Der Film scheint sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr weiterentwickeln zu können. Statt Antworten zu liefern oder die Geschichte konsequent in eine bestimmte Richtung zu führen, bleiben letztendlich wesentliche Fragen des Films völlig unbeantwortet.

Das allein wäre noch kein Problem, denn gerade bei einem Mystery-Horrorfilm ist es reizvoll, nicht alle Fragen zu beantworten. Wenn aber nicht nur die Hintergrundgeschichte der Hauptfigur blass bleibt, sondern auch das Mysterium um die geheimnisvolle Box nicht ansatzweise gelöst wird, dann muss man sich schon fragen, ob der Regisseur nicht lediglich eine gute Idee hatte, aber nicht wusste, wie er daraus eine durchgehend interessante Geschichte entwickeln sollte. Ein durchgehendes Konzept ist nicht ersichtlich. Warum wurde Polly ausgewählt? Woher kommt die Box? Bertino hat in einem Interview erzählt, dass er in dem Film seine eigenen Erfahrungen mit Angstzuständen und Panikattacken verarbeitet hat, mit denen er zwar leben kann, die er aber nie vollständig beherrschen wird. Dies kann man gut und gerne in den Film hineininterpretieren, allerdings scheint dies nicht unbedingt zur bekannten Geschichte der Hauptfigur Polly zu passen. Vielleicht wäre hier tatsächlich mehr Background zu ihrer Figur erforderlich gewesen. Der Film wirkt eigentlich so, als wolle er der klugen jungen Dame eine Lektion erteilen: dass sie endlich etwas aus ihrem Leben machen und nicht ständig den verpassten Chancen nachtrauern soll. In diese Richtung hätte der Film wahrscheinlich ganz gut funktioniert.

Doch zu keinem Zeitpunkt erfährt man wirklich, was in Pollys Leben passiert ist, was schiefgegangen ist und was sie an diesen Punkt geführt hat. Selbst die allgegenwärtigen Tattoos auf ihren Armen scheinen Geschichten zu erzählen, die dem Publikum aber unbekannt bleiben. Gerade im letzten Drittel wollte Bertino dem Film noch einen intellektuellen Anstrich verleihen. Die pseudopsychologischen und pseudophilosophischen Ansätze ersetzen jedoch keine vernünftige Handlung und Dramaturgie. Vicious vermeidet eine wirkliche Auseinandersetzung mit seiner eigenen Mythologie. Stattdessen passieren gerade gegen Ende Ereignisse, die nicht zusammenzupassen scheinen. Während man glaubt, dass sich der eigentliche Handlungsstrang fortsetzt, gibt es plötzlich Anhaltspunkte, dass parallel noch eine weitere Handlungsebene abläuft. Das wirkt widersprüchlich, insbesondere wenn die alte Dame vom Anfang erneut eine entscheidende Rolle spielt. Am Ende bleibt der Film selbst ein großes Mysterium. Das ist umso bemerkenswerter, da Vicious ursprünglich sogar für einen Kinostart vorgesehen war, Paramount den Film aber aus dem Kinoplan nahm und ihn ausschließlich über den eigenen Streamingdienst veröffentlichte. Angesichts der durchaus vorhandenen Stärken ist das zwar schade, aufgrund der zunehmenden Schwächen aber auch nachvollziehbar.

Fazit

"Vicious" hat gerade zu Beginn starke Momente und kann atmosphärisch als Mystery-Horror durchaus überzeugen. Punkten kann der Film auch mit der guten darstellerischen Leistung von Dakota Fanning, die insbesondere in den zahlreichen Szenen, in denen sie allein agiert, beeindruckt. Das reicht aber nicht aus, um einen ordentlichen Horrorfilm zu erschaffen. Bryan Bertinos Werk bleibt eine unausgereifte Geschichte, die sich zunehmend in ihrer eigenen Welt verliert. Mit typischer Genrekost und pseudo-intellektuellem Anstrich sorgt der Film letztendlich für mehr Verwirrung, als er zum Nachdenken anregt. Damit zeigt sich einmal mehr, dass eine gute Idee noch lange nicht genügt, um einen guten Film zu erschaffen. "Vicious" bleibt allenfalls durchschnittliche Horrorfilm-Unterhaltung, die man sich anschauen kann, aber definitiv nicht muss, wenn man nicht gerade Fan von Dakota Fanning ist.

Kritik: Andy Mieland

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