MB-Kritik

Underland 2025

Documentary

Sandra Hüller

Inhalt

Drei unterirdische Astronauten erkunden die Unterwelt und enthüllen tiefgreifende Verbindungen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Basierend auf Robert Macfarlanes Bestseller und gesprochen von Sandra Hüller.

Kritik

Seit Anbeginn der Menschheit lockt die Unterwelt mit einer geheimnisvollen Faszination, eröffnet Sandra Hüllers (Rose) eingängige Stimme als Erzählerin Robert Petits fesselnde Debüt-Dokumentation. Jene folgt dem Ruf des Abgrunds, so der Titel eines der a die literarische Vorlage erinnernden Kapitel, und beliebt sich hinab in die Tiefen der Erde. Dort schlängen sich labyrinthische Höhlensysteme, funkeln die gefährlichen Schätze der Erde unter Bergen entsorgter Gebrauchsgüter und werden hochsensible wissenschaftliche Experimente durchgeführt. An der Seite einer Höhlenforscherin, eines Urban Explorers und einer Teilchenphysikerin erkundet das philosophische Panorama die verborgene Welt unter der Oberfläche. 

Atmosphärisch dichte Bilder verbinden die Tour durch unterirdische Laborräume, uralte Höhlenformationen und stillgelegte Schächte und Tunnel mit einer mythischen Meditation über Gedenken und Vergessen, die relative Wahrnehmung von Zeit sowie die diffzile Beziehung von Mensch und Planet. In den heiligen Höhlen der Maya in Mexiko sucht die Archäologin Fátima Tec Pool neben Relikten antiker Zivilisationen auch nach Spuren ihrer eigenen kulturellen Wurzeln. Jenes Bild der Wurzeln, die sich von einem Lebensbaum ins Erdreich winden, sind eine der mit Animationen illustrierten mythologischen Metaphern der menschlichen Faszination mit den unergründlichen Unterwelten. 

Eine in ihrer kalten Künstlichkeit radikal Verschiedene ist das zwei Kilometer unter der Erde angelegte kanadische Forschungszentrum SNOWLAB. Dort sucht Mariangela Lisanti, Physik-Professorin und führende Autorität auf dem Gebiet der Teilchenphysik, nach schwarzer Materie. Ein Gegenstück der klinischen Präzision des Labors sind die stillgelegten Sturmkanäle unter Las Vegas, wo Urban Explorer Bradley Garrett jüngere Zeichen der Zivilisation findet. Ausrangierte Mikrowellen und alte Autoteile türmen sich zu subterranen Schrottbergen, die das Erdreich von innen vergiften. Die Vielfalt der unterirdischen Strukturen offenbart das titelgebende Reich, als ein zivilisatorisches Archiv mit paradoxer Funktion sowohl zu erhalten als auch zu verdrängen. 

Fazit

Basierend auf Robert Macfarlanes gleichnamigem Bestseller begibt sich Robert Petit auf eine hypnotische dokumentarische Detour durch unter der Oberfläche verborgene Reiche. Dass deren Vielfalt sich nur bruchstückhaft gleich Lichten in der Dunkelheit enthüllt, unterstreicht die Komplexität des Sujets und verstärkt dessen suggestive Kraft. Kameramann Ruben Woodin Dechamps’ enthüllt in grandiosen Aufnahmen diese surrealen Schauplätze, von klaustrophobischen Höhlengängen bis zu gefluteten Großstadttunneln und in Infrarot-Licht glitzernden Uran-Ablagerungen. Untermalt von Hannah Peels sonorem Score entfaltet die enigmatische Exkursion, die nach ihrer Premiere in Tribeca bei CPH:DOX läuft, ebenso viel inszenatorische Imagination wie thematische Tiefe. 

Autor: Lida Bach
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