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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Der südafrikanische Geistliche Desmond Tutu war mehr als nur ein Erzbischof. Er war eine moralische Instanz, ein furchtloser Verfechter von Gerechtigkeit, der den Menschen weltweit Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft schenkte. TUTU ist ein eindrucksvoller Dokumentarfilm, der den Menschen hinter der ikonischen Persönlichkeit zeigt. 

Kritik

Zu seiner dokumentarischen Reihe biographischer Porträts bedeutender Schwarzer Männer fügt Sam Pollard (Bill Russell: Legendmit seiner Würdigung des südafrikanischen Geistlichen Desmond Tutu ein weiteres formatives Werk. Jenes vereint historische Analyse, Charakterstudie und ideelle Reflexion zu einem gleichsam konzentrierten und hintergründigen Lebensbild. Mit seinem unbeugsamen Idealismus wurde der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Erzbischof zur moralischen Instanz seines Landes in einer Ära, in der ein gesellschaftlicher Wandel kaum denkbar schien. Interviews, umfassendes Archivmaterial und bisher ungezeigte Privataufnahmen schaffen eine vielschichtige Vision des Titelcharakters, dessen Überzeugungskraft auch Widersprüche bündelte. 

Die klare Struktur fügt Auszüge aus Predigten, TV-Auftritte und Gespräche sowie Aussagen vor der Truth and Reconciliation Commission zu einem Jahrzehnte umspannenden Kompendium, aus dem sich Wesenszüge und Denkweisen der zentralen Figur organisch herauskristallisieren. Der Verzicht auf einen Hintergrundkommentar lässt das umfangreiche Material für sich selbst sprechen. Gegenüber den Stimmen von Angehörigen, Weggefährten und Zeitgenoss*innen, die seinen Einfluss im damaligen Zeitkontext sehen, stehen die Einschätzungen jüngerer politischer Aktivist*innen, die sein Vermächtnis diskutieren. Dieser Aufbau hinterfragt Ikonisierung in kritischer Betrachtung der erschütternd gewaltvollen Konflikte. 

Aufnahmen eskalierender Proteste, Straßenkämpfe und Vergeltungsaktionen gegen vermeintliche Verräter zeigen ein Aggressionspotenzial, vor dem auch Tutu nicht sicher war. Die konstante Konfrontation mit menschlichen Abgründen wirft ein Schlaglicht auf seinen Glauben an das Gute und seinen äußeren Optimismus. Spirituelle Rhetorik und machtstrukturelle Realität bilden die Gegenpole seines Lebenslaufs, der ihn zur international geehrten Symbolfigur, aber in seinem Heimatland auch umstritten machte. Diese individuelle Dualität sowie die ungesühnten Verbrechen der F.W. de Klerks Regierung zeigen die Aufarbeitung des Apartheid-Regimes manifestiert sich als fortlaufender Prozess.

Fazit

Vergebung offenbart sich in Sam Pollards differenzierter Doku nicht nur als ideelle Tat, sondern als Symbolgeste und ideologischer Kompromiss. Formale Nüchternheit liefert ein Gegengewicht zu den oft emotionalen, angespannten und bedrohlichen Situationen des eindringlichen Bildmaterials. Präzise Verdichtung historischer Abläufe verdeutlicht deren Nachwirkungen in der Gegenwart, der Tutu näher scheint als seiner Zeit. Kritische Aspekte bleiben trotz des Bemühens um Ausgeglichenheit Randfacetten. Der konzeptionelle Fokus auf konstruktive Analyse statt emotionaler Rührung machen das dynamische Zeitdokument dennoch zu einem essenziellen Betrag der Auseinandersetzung mit Bürgerrechtsgeschichte und politischer Repräsentation.

Kritik: Lida Bach

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