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Inhalt

Jennifer Fox  arbeitet als erfolgreiche Dokumentarfilmerin in New York. Eines Tages findet ihre Mutter Nettie eine Kurzgeschichte, die Jennifer im Alter von dreizehn Jahren für ein Schulprojekt geschrieben hat. Darin erzählt das Mädchen von einer Liebe zwischen ihr, ihrer Reitlehrerin Mrs. G  und ihrem Lauftrainer Bill (Jason Ritter). Ihre Mutter ist sehr beunruhigt darüber, was sie zwischen den Zeilen zu lesen glaubt, und konfrontiert ihre Tochter damit. Auch Jennifer wühlt die Auseinandersetzung mit dem Text auf, denn bisher hat sie die Zeit, die sie damals mit dem charismatischen Paar verbracht hat, in einem völlig anderen Licht gesehen. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, bei der alles, was sie über sich zu wissen glaubt, einzustürzen droht.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

In The Tale erzählt Jennifer Fox (My Reincarnation - Wiederkehr) von Jennifer Fox. Die Geschichte der 48-jährigen Dokumentarfilmerin und Professorin, die sich schlagartig mit einem ebenso tragischen wie schicksalsträchtigen Ereignis aus ihrer Jugend auseinandersetzen muss, als ihre Mutter eine alte Kurzgeschichte von ihr entdeckt, ist biografischer Hintergrund der Regisseurin und Handlung dieses Films zugleich. Mit den Worten “I’d like to begin this story by telling you something so beautiful” beginnt die 13-jährige Jennifer ihren essayistischen Text, in dem das Mädchen von zwei Erwachsenen erzählt, die sie sehr ins Herz geschlossen hat. Gemeint sind hierbei die Reitlehrerin Mrs. G, auf deren Reiterhof sie in den 70er Jahren die Sommerferien verbrachte, und der Trainer Bill, der die jungen Mädchen beim Ausdauerlauf fit hält.

Zunächst entwickelt das Mädchen einen engen Draht zu der Lehrerin, die gleichermaßen sympathisch wie kühl wirkt und ihren Reitschülern beibringt, dass Schmerz lediglich etwas ist, das es durchzustehen gilt. Noch sympathischer wirkt Bill, der auf jedes individuelle Bedürfnis der Mädchen ausgiebig einzugehen scheint und sie gleichzeitig wie ein großer Motivator zu Höchstleistungen antreibt. Als Jennifer wenig später von den beiden auch noch in ein Geheimnis eingeweiht wird, nachdem die eigentlich verheiratete Mrs. G und der attraktive Junggeselle Bill ihr verraten, dass sie ein Liebespaar sind, sieht sich das Mädchen umgehend als etwas Besonderes. Dieser innige Bund, in dem sich das Trio fortan zu befinden scheint, wird für die 13-jährige Jennifer nur noch inniger, als sie alleine vermehrt Zeit mit Bill verbringt, der sich immer stärker am Körper des Mädchens interessiert zeigt.

Auf non-lineare Weise breitet die Regisseurin die Handlung von The Tale, in dem eine hervorragende Laura Dern (The Master) die erwachsene fiktionalisierte Version von Fox spielt, zwischen Vergangenheit und Gegenwart aus. Mithilfe ihrer eigenen Erinnerungen, den Worten aus dem Essay ihres 13-jährigen Ichs und Erzählungen von Personen, die zum damaligen Zeitpunkt anwesend waren und von Fox Jahrzehnte später jetzt noch einmal besucht werden, versucht sich die Dokumentarfilmerin einen Vorfall neu zu erschließen, der sie für immer geprägt hat. In diesem Zusammenhang sollte es nicht zu viel verraten sein, dass es sich bei der schwerwiegenden Thematik dieses Films um eine Geschichte des sexuellen Missbrauchs handelt.

Über 40 Jahre hat es gedauert, bis Fox die Kraft gefunden hat, diese Geschichte erzählen zu können. Aufgrund ihrer eigenen Berufung als Dokumentarfilmerin ist die Regisseurin für gewöhnlich spezialisiert auf Stoffe, die der Realität entstammen und denen eine wahrhaftige Authentizität zugrunde liegt. Für ihre eigene Geschichte hat sie nun aber die Form des Spielfilms gewählt, um durch den Kunstgriff der Dramaturgie sowie die Erzählweise, die einer selbsttherapeutischen Auseinandersetzung gleicht, in der eigenen Psyche nach Antworten auf lange verdrängte Fragen zu forschen. Mit diesem radikalen Ansatz, der schonungslose Selbstoffenbarung zur Folge hat und das in Bilder fasst, was zuvor nur als schwach verblassende Fetzen im Kopf der Protagonistin sortiert werden muss, wird The Tale zu einem ebenso bewegenden wie erschütternden Filmexperiment.

Ähnlich wie der leider immer noch zu unbekannte Dokumentarfilm Tarnation, in dem Jonathan Caouette die Beziehung zu seiner schizophrenen Mutter sowie eine langjährige Historie des Missbrauchs verarbeitet hat, um womöglich sein eigenes Leben zu retten, ist auch Foxs mutiges Werk von schier transzendierender Kraft. Mit The Tale öffnet die Regisseurin große Teile ihres Lebens für ein breites Publikum, doch zugleich wird der Film auch von einem sehr intimen Zugang vorangetrieben, bei dem sich Fox ganz und gar abgeschottet von äußeren Einflüssen nur mit sich zu beschäftigen scheint. Dass diese Methode auch dringend nötig ist, beweist der non-linare Handlungsfluss aus zersplitterten Erinnerungsfetzen und Ereignissen, die mitunter aufgrund falscher Annahmen noch einmal neu bewertet werden müssen. Gegen Ende des Films, wenn das schreckliche Ausmaß von Jennifers Erlebnissen eigentlich bereits umfassend aufgeschlüsselt wurde, befindet sich die ältere Protagonistin über eine Rückblende noch einmal im Gespräch mit ihrem 13-jährigen Ich. Nachdem sich das junge Mädchen triumphierend damit rühmt, die eigentliche Heldin und nicht das Opfer dieser Geschichte zu sein, wirft ihr die erwachsene Jennifer vor, das Vergangene lediglich in der Zeit einzufrieren, ohne den Kontext und die weiterführenden Folgen zu berücksichtigen.

Fazit

"The Tale" erzählt die erschütternde Geschichte eines Menschen, der mit sich selbst am härtesten ins Gericht geht. Diese Art von Bilanz, die von unreifer Unkenntnis über bewusste Manipulation einer gerade erst Heranwachsenden bis hin zu explizitem Missbrauch führt, hinterlässt zuletzt das Bild einer furchtlosen Frau, die im Kampf gegen ihr eigenes Selbstbild wiederholt ins Stolpern gerät, auf Widersprüche stößt und doch bemerkt, dass es noch nicht zu spät war, das eigene Vergessen und Schweigen zu durchbrechen.

Autor: Patrick Reinbott

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