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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Eine Reise durch die Geschichte des Dokumentarfilms, von berühmten bis hin zu obskuren Werken aus aller Welt, die zeigt, wie uns das Genre hilft, die Realität zu verstehen und gleichzeitig Experten wie Neulinge inspiriert.

Kritik

Nachdem sein 15-stündiger Blick auf The Story of Film – Die Geschichte des Kinos einen Peabody Award einsammelte, ist Mark Cousins augenscheinlich darauf aus, den ehrwürdigen Erfolg zu wiederholen. Seine episodische Lang-Dokumentation The Story of Documentary Film ist eine nicht nur dem Titel nach auffällig ähnliche Chronik, in der sich akademistische Abhandlung, strategische Selbstdarstellung und archivarische Obsession vermischen. Geschichte, Politik, und Ethik überkreuzen einander in einer eklektischen Erzählung, die das dokumentarische Kino als organische, in Darstellung, Direktive und Definition wandelbare Kunstform begreift. 

Sein bewusst individueller Ansatz betrachtet dokumentarische Filmarbeit primär als kreativen Resonanz-Raum politischer Perspektiven. Dokumentarfilm erscheint als Spiegel seiner Zeit, deren soziologische und ideologische Rahmenbedingungen indes kaum als Kontext herangezogen werden. Eine lineare Entwicklungsstruktur lässt sich ebenso wenig in der Sammlung aufbereiteten Archivmaterials ausmachen wie eine formale Verbindung. Stattdessen entfaltet sich ein willkürliches Netzwerk selektiver Momenten, Bewegungen und Einzelwerken, die über Kontinente und Jahrzehnte hinweg miteinander in Dialog treten. Stilistisch bleibt Cousins damit seiner charakteristischen Form treu. 

Der selbst eingesprochene Voice-over, getragen von seiner sanft insistierenden Stimme, fungiert zugleich als autoritäre Instanz und invasive Integration in das Sujet. Die schulmeisterliche Erläuterung von Archivmaterial, Filmausschnitte und Fotografien ersetzt eine differenzierte Beziehungssetzung des Gezeigten. Der filmische Fokus  springt mutwillig von Dziga Vertovs revolutionärem Kino-Auge zu zeitgenössischen Essay-Filmen, und von kolonialen Blickregimen zu feministischen Gegenentwürfen. Dabei interessiert weniger die kanonische Komplettierung als die emotionale und visuelle Energie der Bilder im permanenten Prozess der Verhandlung zwischen Realität und Interpretation, Macht und Empathie, Beobachtung und Intervention.

Fazit

In der Tradition des filmischen Essays präsentiert Mark Cousins sein filmhistorisches Kompendium als eine Kombination aus nominalem Nachschlagewerk und cinephiler Collage. Den weiß, männlich und wesentlich dominierten Kanon variieren Ansätze einer globalen Perspektive, die Beiträge aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten einbezieht. Politische Unterdrückung und strukturelle Diskriminierung erscheinen als motivierendes Momentum formaler Innovation und ästhetischer Variation, ohne dass ihr formativer Einfluss darauf, welche Perspektiven auf die Welt sichtbar werden, greifbar wird. Die Gewalt des Blicks, mediale Manipulation und propagandistische Problematik bleiben romantisierte Randnotizen eines polymorphen Prestige-Projekts. 

Kritik: Lida Bach

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