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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Als ein Diebstahl schiefgeht, wird ein erfahrener Taschendieb auf eine Mission durch New York geschickt, um die gestohlenen Waren zurückzuholen.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Mit seiner Retro-Aura, stimmungsvollem Jazz-Score und abgehalfterten Gauner-Figuren scheint Noah Segans nostalgisches Spielfilm-Debüt genauso ein Relikt einer vergangenen Ära wie sein einnehmender Titelcharakter. Harry (ein großartiger John Turturro, The Cutist ein ergrauter Taschendieb alter Schule. In einem leicht abgewetzten grauen Trenchcoat wandert er durch die Straßen New Yorks, mit beiläufigem Blick für offene Rucksäcke und lose Brieftaschen. Seine Beute sind Bargeld und wertvolle Uhren, über die ein Kollege sagt: „They don‘t make ‘em like that anymore“. Das Gleiche gilt für Harry, der unwissentlich den falschen Leuten eine wertvolle USB-Karte abnimmt. 

Der Stick ist ein klassischer MacGuffin, den der glücklose Protagonist wiederbeschaffen muss, um seine pflegebedürftige Frau Rosie (Karina Arroyave) zu retten. Über sein eigenes Schicksal macht ihm Dylan (Will Price, After the Hunt) der selbstherrliche Spross einer einflussreichen Familie, dem Harry die USB-Karte geklaut hat, keine Illusionen. Regisseur und Drehbuchautor Segans zeigt sich ähnlich pragmatisch. „Everything has a clock in it these days“, bemerkt sein langjähriger Freund und Pfandleiher Ben (Steve Buscemi, Animal Farm). Die Zeit ist abgelaufen für kleine Großstadtganoven wie Harry und Ben, ihren alten Bekannten Detective Warren (Giancarlo Esposito, The Electric State) und sogar Dylans gefährliche Großmutter.

Harrys systematische Suche nach der als vermeintlich wertlos entsorgten Karte ist nur der Motor der Handlung, deren eigentliche Themen tiefer liegen. Generationswechsel, Gentrifizierung und Wertwandel, auf materieller und menschlicher Ebene. Leute haben ihr Geld nicht mehr in der Brieftasche, sondern Krypto-Währungen auf digitalen Depots. Smartwatches und iPhones übernehmen die direkte Koordination, die Harry, Ben und Warren zu Kameraden gemacht hat. „Ihr alle verlasst euch auf euer Wort, oder?“, bemerkt Dylan spöttisch. Doch gerade diese Zwischenmenschlichkeit wird zum entscheidenden Vorteil in jener letzten Klemme, aus der sich Harry nicht lavieren kann. 

Während die Uhr tickt, verrät der minimalistische Plot formative Details über den sarkastischen Antihelden, der Fürsorge erst lernen musste. Seine Fürsorge gegenüber Rosie entspringt auch Reue über vergangene familiäre Vernachlässigung; eines der narrativen Klischees, die sich in die melancholische Charakterstudie schleichen. Obwohl abgenutzt, relativiert die biographische Bitterkeit die wehmütigen Erinnerungen. „The bad old days“, nennt der trockenhumorige Hauptcharakter die längst vergangene Ära, die in der im Wandel begriffenen urbanen Kulisse greifbar bleibt. Mittel und Methodik haben sich verändert, der Existenzkampf ist geblieben und diejenigen am sozialen Rand fallen als erste ins Nichts. 

Fazit

Feines Gespür für die Parallelen von prägenden Genre-Werken und Gegenwartskino, stimmungsvolle Stilismen und trockener Witz verleihen Noah Segans tragikomischer Gauner-Geschichte den altmodischen Charme eines vergessenen Klassikers. Ein solcher ist auch der abgebrühte Taschendieb, dem die kondensierte Story bei seinem letzten Coup begleitet. Das exzellente Ensemble besteht nicht zufällig aus Darstellenden, die sonst meist Nebenrollen spielen. Solche realen Spiegelungen sind zugleich humorvolle Reflexion und Vertiefung der gesellschaftlichen Hierarchien im Hintergrund der melancholischen Handlung. Jene balanciert geschickt Sentiment und Sarkasmus, Romantik und Realismus in ihrer zartbitteren Hommage an cineastische und städtische Mythen. 

Kritik: Lida Bach

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