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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Al Cook lebt umgeben von seinen Erinnerungen. Seine Wohnung und sein Keller sind vollgestopft mit Büchern, Videokassetten und Schallplatten. Es ist alles, was ihm von einem Leben in vollen Zügen geblieben ist. Die Zeit scheint hier stillzustehen, während sich außerhalb seiner vier Wände die Erde weitergedreht hat. Der Blues, die Musik, die Al alles bedeutet, gerät allmählich in Vergessenheit. Seine Heimatstadt fühlt sich nicht mehr wie ein Zuhause an, und der Verlust seiner geliebten Frau schmerzt ihn noch immer täglich.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Oszillierende zwischen Doku und Fiktion verhandeln Tizza Covi und Rainer Frimmel (La Pivellinain ihrem Berlinale Wettbewerbsbeitrag die stetige Erosion der eigenen Existenz und Erinnerung einmal mehr aus der privilegierten Perspektive eines weißen männlichen Bildungsbürgertums. Das jenes eher Motor der als dankbaren dramatischen Anknüpfungspunkt eingesetzten Gentrifizierung als Betroffene übergeht das sentimentale  Szenario ebenso wie die kreativen Kriterien kommerzieller Stagnation. Hauptfigur und Herz der österreichisch-produzierten Doku-Fiktion ist der 80-jährige Blues-Musiker Alois Koch als sein fiktives Alter Ego Al Cook.

Der ergrautet Has-Been oder mehr noch Never-Was hat den Blues, emotional und in Form seiner Gitarre, alter Fotos und unzähliger Platten legendärer Blues Singer. Dass unter denen auch Elvis ist, dessen Filme in Koch seinerzeit den Wunsch nach einer Musikkarriere weckten, scheint passend für eine nostalgische Hommage, die von den Schwarzen Wurzeln des Blues so weit entfernt ist wie Cook von den USA. Ob seine alte Liebe Brigitte (Brigitte Meduna) ihn zu einer Reise dorthin verlocken kann?

Die Alternative wäre, durch die Abrissbirne in Schutt unterzugehen, samt seiner mentalen und plastischen Andenken. Da zumindest letzte aber weiterleben sollen, trennt Cook sich wehmütig davon. Mit melancholischem Materialismus inszeniert das Regie-Duo Cooks Sammlung als autobiographisches Archiv, in dem auch die Trauer um seine verstorbene lagert. Trotz der Objektfülle wirken die statischen Einstellungen seltsam leer. Der karge Plot zwischen individueller Wahrheit, Improvisation und Ikonographie stagniert wie sein Protagonist. Dessen stoische  Präsenz wird zum darstellerischen Pendant der inszenatorischen Passivität. 

Fazit

Nachdem Tizza Covi und Rainer Frimmel in nahezu jeder Sektion der Berlinale vertreten waren, scheint es fast unvermeidlich, dass ihr semi-biographisches Persönlichkeitsporträt nun im Wettbewerb landet. In ihrer charakteristischen Kombination dokumentarischer und fiktiver Elemente stilisiert ihr lethargisches Lamento den Verlust des Wunsch-Wohnraums zur Erosion urbaner Identität. Dass ausgerechnet ein weißes, alt-eingesessenes Bildungsbürgertum als Opfer sozialstruktureller Verdrängung dargestellt wird, gibt dem zähen Szenario einen politisch fragwürdigen Unterton. Beiläufige Begegnungen, ein Gitarren-Solo und endloses Reminiszieren ergeben kaum mehr als privilegierten Pathos. 

Kritik: Lida Bach

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