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Der 14-jährige Rio versucht das Leben seiner Schwester zu retten. Verfolgt von seinem Onkel, der sie zur Prostitution zwingen will. Von seinem Helden „Billy the Kid“ erhofft er sich Hilfe und gerät Mitten in eine wilde Jagd. Während des spannenden Katz-und-Maus-Spiels treffen Sheriff Pat Garrett und Billy the Kid immer wieder aufeinander. Atemlos, brutal und unbarmherzig blickt Rio immer mehr hinter die Fassade seines Helden und steht vor seiner schwersten Entscheidung…

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Kritik

Wenn du einen Plan B hast, erschieße ich den auch.

Als sich Sam Peckinpah (The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz) im Jahre 1973 den Western-Ikonen Pat Garrett und Billy the Kid angenommen hat, entstand dabei ein Film, dessen zerbrechliche Schönheit noch lange über den Abspann hinaus seine Wirkung offenbarte. Pat Garrett jagt Billy the Kid erzählte von der tragischen Konfrontation zweier Vertrauter, die ihre Gefühle unter einer Fassade aufgesetzter Männlichkeit zu verbergen versuchten. Es ging letztlich um einen Mann, der nicht fliehen will und dabei von einem Mann verfolgt wird, der diesen eigentlich gar nicht fangen möchte. Dass sich Vincent D'Onofrio (Full Metal Jacket) in The Kid – Der Pfad des Gesetzlosen reichhaltig mit dem urwüchsigen Peckinpah-Klassiker befasst hat, merkt man seiner neuen Regiearbeit nach Don't Go in the Woods immer wieder an. 

Ein großes Kompliment, denn auch wenn The Kid – Der Pfad des Gesetzlosen letztlich nicht an die zergliedernde Eindringlichkeit eines Pat Garrett jagt Billy the Kid herankommt, versucht Vincent D'Onofrio auch hier bisweilen, das klassische Regelwerk des Western-Genres zu hinterfragen, indem er einen 15-jährigen Jungen namens Rio (Jake Schur) zwischen die Fronten von Sheriff Garrett (Ethan Hawke, First Reformed) und Desperado Billy (Dane DeHaan, The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro) geraten lässt. Dieser nämlich hat gerade seinen brutalen Vater erschossen und befindet sich nun zusammen mit seiner Schwester Sara (Leila George, Mortal Engines: Krieg der Städte) auf der Flucht vor ihrem nicht minder gewalttätigen Onkel Grant (Chris Pratt, Avengers 4: Endgame). Pat Garrett und Billy the Kid bilden nun zwei moralische Optionen, denen sich Rio im Kampf ums Überleben annehmen kann.

The Kid – Der Pfad des Gesetzlosen vermeidet es dabei jedoch angenehmerweise, sich auf eine Seite zu schlagen, um Rio die Entscheidung abzunehmen, wem der beiden Männer er sich denn nun anschließen soll. Vielmehr verwendet der Film viel Zeit darauf, die Ambivalenz der geschichtsträchtigen Persönlichkeiten zu akzentuieren: Mag Pat Garrett auch ein Mann des Gesetzes sein, heißt das noch lange nicht, dass sein Inneres von allen dunklen Mächten befreit ist. Billy the Kid hat viele Menschen umgebracht, Vincent D'Onofrio und Drehbuchautor Andrew Lanham aber erkennen in dem Outlaw keinen kaltblütigen Mörder, sondern ein vom Leben enttäuschtes wie verratenes Kind, das mehr und mehr an den Verletzungen der Vergangenheit zugrunde geht. Natürlich brauchen sich Pat Garrett und Billy the Kid mehr, als sie sich eingestehen möchten. Nur miteinander sind sie Jäger und Gejagter.

Der erzählerische Anspruch aber liegt hier nicht auf der historischen Akkuratesse, stattdessen wird ein fiktiver Junge zum Bindeglied zwischen Pat Garrett und Billy the Kid, um den Western zusehends als fragiles Reich der Mythen und Legenden zu begreifen. Mythen und Legenden, in denen (leider) oftmals auch ein nicht unwesentlicher Teil Realität steckt. Deswegen ist Billy den Zeitungen auch nicht böse, wenn sie über ihn schreiben. Es mögen größtenteils Lügen sein, doch ein Bruchteil Wahrheit an den Geschichten genügt schon, um den Galgen für seine Person zu rechtfertigen. Mag sich das Finale dann leider etwas zu konventionell gestalten, nicht zuletzt deshalb, weil Chris Pratt ein viel zu eindeutig geschriebenes Monstrum verkörpern muss, so bleibt The Kid – Der Pfad des Gesetzlosen doch als stimmungsvolle, stark gespielte Coming-of-Age-Erzählung in Erinnerung.

Fazit

Ein durchaus interessanter Eintrag in das Western-Genre. Vincent D'Onofrios neue Regiearbeit überzeugt nicht nur durch starke Schauspielleistungen, sondern hinterfragt gleichwohl die genreinhärente Rollenverteilung des Western. Pat Garrett und Billy the Kid werden zu Symbolen des Reifeprozesses eines 15-jährigen Jungen, der sich entscheiden muss, in welche Richtung sich sein Leben entwickeln will. Gute und schlechte Seiten gibt es dabei nicht, nur ein Land, in denen den Mythen und Legenden immer noch ein gefährlicher Bruchteil Wahrheit anhaftet.

Autor: Pascal Reis

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