Andy Sachs kehrt zurück! Zum Modemagazin "Runway", bei dem sie nach ihrem College-Abschluss als Miranda Priestleys Assistentin gearbeitet hat ... und in die Fashionwelt, in der sie sich zuerst gar nicht richtig zugehörig gefühlt hat. Eine Welt, die für sie damals nicht nur oberflächlich war, sondern auch albern, aber das ändert sich zwanzig Jahre später nun schlagartig. Denn Andy (Anne Hathaway) hat nicht nur ihren ganz eigenen Modestil gefunden, der perfekt zu ihr passt, sondern auch ordentlich an Selbstbewusstsein dazu gewonnen. Und mit diesem Selbstvertrauen kann ihr auch eine Miranda Priestly (Meryl Streep) nichts mehr anhaben.
Zu Beginn des Films kommt erstmal noch pure Nostalgie auf, die aber schnell wieder abflacht. Die vertrauten Charaktere zaubern eingefleischten Prada-Fans mit Sicherheit erstmal ein Lächeln ins Gesicht. Aber ein paar davon enttäuschen sehr, während die neuen Nebencharaktere ganz nett sind. Andys Charakter ist weniger authentisch. Sie wirkt etwas aufgesetzt und zu gewollt witzig, dass es an manchen Stellen beim Zusehen schon echt unangenehm ist. Es ist schade, dass der Witz, der im ersten Teil ganz subtil und natürlich in die Geschichte eingebaut wurde, im zweiten Teil so erzwungen ist und dadurch auch wenig Charme hat. Emily (Emily Blunt), die in Der Teufel trägt Prada von der ersten zur zweiten Assistentin aufgestiegen und eigentlich eine absolute Kultfigur war, ist jetzt ebenfalls weniger glaubhaft und auch teils unangenehm. Vor allem die Szenen mit ihrem Lover Benji (Justin Theroux) lösen einige Fremdscham-Momente aus. Dennoch bleibt Emily auch in der Fortsetzung eine absolute (Stil-)Ikone und eine der Lieblingsfiguren des Films.
Rührend ist zu sehen, dass einige Darsteller mittlerweile in die Jahre gekommen sind, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht immer noch mit ihren jüngeren Kollegen und den neuen Charakteren mithalten können und die Leinwand noch immer stilvoll rocken. Die Figuren selbst haben durch diese dazugewonnen Lebensjahre sogar einen echten Wandel durchlebt. Miranda’s Charakter wirkt nun etwas nahbarer, aber dadurch nicht unbedingt sympathischer. Sie ist mit den Jahren ein wenig ruhiger und gelassener geworden, im Vergleich zu damals, als ihre Mitarbeiter noch vor Angst zitterten, wenn sie durch die Redaktion stolzierte. Auch ihre Gesichtszüge sind in bestimmten Situationen sanfter und sie hat für die ein oder andere Person mittlerweile sogar ein Lächeln übrig. Die strenge Chefredakteurin ist zwar etwas arroganter geworden und will sich absolut nicht an ihre beiden Assistentinnen Emily und Andy erinnern, ist aber längst nicht mehr der Teufel in Stöckelschuhen, wie im ersten Teil, den man trotz fiesem Charakter fast schon bewundert hat. Die Drachenlady mit Stil ist in der Fortsetzung also etwas zahmer geworden. Und Meryl Streep (Der Tod steht ihr gut) hat diese Rolle und diesen Wandel überzeugend rübergebracht. Der Einzige, der sich und seiner Rolle aber absolut treu geblieben ist, war Nigel (Stanley Tucci). Nigel ist ein Charakter, der im positiven Sinn, so geblieben ist, wie wir ihn im ersten Teil kennen, und ist nach wie vor das Juwel unter den Charakteren, weil man ihn einfach nur lieben kann.
Die Mode selbst war im ersten Film viel schöner und stilvoller, wobei es auch im zweiten Teil durchaus starke Outfits gab. Vor allem Simone Ashley (Bridgerton), die neue "Emily", Emily Blunt (The Fall Guy) und Stanley Tucci (In meinem Himmel) haben wirklich großartige Outfits getragen. Bei Meryl Streep wurde in ihrer Rolle der Modechefin leider etwas nachgelassen. Die Chefredakteurin Miranda Priestly hat im ersten Teil mit ihrer eleganten und perfekt abgestimmten Garderobe absolut geglänzt. Jedes Detail samt Strumpfhose und Schmuck hat perfekt harmoniert. Im zweiten Teil wurde ihre Kleidung, bis auf ein paar Ausnahmen, eher leger und einfarbig gehalten oder zu sehr extravaganten Kombinationen gegriffen. Grundsätzlich ist bei der Fashion in Der Teufel trägt Prada 2 etwas zu dick aufgetragen worden. Es waren zum Teil Outfits dabei, die man zwar durchaus auf einem Laufsteg zu sehen bekommt, die man aber - selbst als Moderedakteurin - nicht unbedingt zur Arbeit tragen würde.
Das Kamerabild war im Vergleich zum Vorgängerfilm jedoch schön bunt und hell, aber das New York-Feeling war im ersten Teil deutlich spürbarer. Man hat im neuen Film im Grunde mehrmals die gleichen und nicht gerade schöne Motive vom Central Park und von einer sehr unvorteilhaften Gebäude-Perspektive einen Blick auf dieselben Wolkenkratzer bekommen. Das Setting hätte man also definitiv besser in Szene setzen können. Dafür wurde aber der redaktionelle Alltag bei einem Fashion-Magazin etwas mehr gezeigt. Man bekam auch einen besseren Einblick in Miranda’s Job als Chefredakteurin und ihre Aufgabenbereiche, aber die Story an sich war ziemlich flach. Das Drehbuch konnte dem Filmtitel absolut nicht gerecht werden, denn selbst der eigentlich erwartete Zickenkrieg war jetzt nicht so teuflisch wie das verhalten der Chefin im ersten Prada-Film.
Die berühmte Szene bei der Miranda wiederholt ihre teuren Designer-Mäntel und Handtaschen auf den Tisch ihrer Assistentin pfeffert, wurde nur kurz angedeutet und mit einer leicht witzigen Umsetzung für Fans in Erinnerung gerufen. Aber auch da hätte man mehr draus machen können, vor allem, weil diese Szene so ikonisch ist. Stattdessen wurde sich an Andys Augenbrauen hochgehangelt, die im ersten Teil nie ein Thema waren. Da hat man als eingefleischter Prada-Fan den azurblauen Pullover etwas vermisst und eine Anekdote darüber, wäre an der Stelle viel passender gewesen, als sie für ihre Augenbrauen zu dissen.