7.0

MB-Kritik

Backrooms 2026

7.0

Chiwetel Ejiofor
Renate Reinsve
Mark Duplass
Finn Bennett
Lukita Maxwell
Avan Jogia
Robert Bobroczkyi
Ember Ambrose
Krista Kosonen
Philip Granger
Katharine Isabelle
Peter New
Sarah Hayward
Natalie Moon
Calix Fraser
Sawyer Fraser

Inhalt

Clark (Chiwetel Ejiofor), der Besitzer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts, entdeckt im Keller seines Ladens eine unsichtbare Tür. Bald ist er wie besessen davon, das Geheimnis dahinter zu lüften, und vertraut sich seiner Psychologin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) an. Als sie ihm dorthin folgt, lauert hinter den Wänden etwas Düsteres – und Gefährliches.

Kritik

Alles begann mit einem einfachen Foto, das 2019 auf die Bilderplattform 4Chan hochgeladen wurde. Die abgebildeten leeren, gelb gestrichenen Büroflure sorgten bei den Usern für Unbehagen und wurden heiss diskutiert. Es entstand eine kollaborative Fangemeinde, die einen eigenen Mythos dahinter generierte. Diese Creepypasta kam dann so richtig in Schwung, als Kane Parsons auf seinem YouTube-Kanal Kane Pixels eine Videoserie mit dem Titel Backrooms veröffentlichte. Kleine Kurzfilme, die sich in eben jenem unangenehmen Setting abspielten und den Schrecken noch weiter ausbauten. Irgendwann wurde schließlich auch Hollywood auf den Hype aufmerksam und eine rund 10 Millionen Dollar teure Verfilmung wurde beschlossen, bei der Parsons selbst sein Debüt als Regisseur feiern durfte. 

Nun hat auch der fertige Film für reichlich Aufsehen gesorgt: Die Presse feiert ihn, das Einspielergebnis liegt mit knapp 250 Millionen Dollar weltweit (Stand Mitte Juni) bereits beim 25-fachen seines Budgets. Was für eine Erfolgsstory für einen jungen Youtuber, dem damit nun alle Türen offenstehen dürften. Doch wird Backrooms seinem Hype auch wirklich gerecht? Funktioniert die Story, die auf einem Bild und späteren Kurzfilmen basiert, auch über rund 110 Minuten hinweg? Ja, wenn man sich auf das Experiment einlassen kann und in die Tiefen der Backrooms versinken kann. Wenn man nicht auf Action und Schockeffekte aus ist, sondern auf eine dichte Atmosphäre, die unter die Haut geht und immer mehr zu packen weiß. Und wenn man die Faszination dieser absonderlichen Parallelwelt teilt, die so viel Spielraum für die eigene Fantasie lässt.

Die Angst bzw. das unwohle Gefühl, das Backrooms mit seinen Welten erzeugt, ist aus psychologischer Sicht mit den Liminal Spaces (Schwellenräume) und dem Uncanny Valley (Das unheimliche Tal) zu erklären: Die Backrooms bestehen aus endlosen, verlassenen Bürogängen mit gelber Tapete und summendem Neonlicht. Unser Gehirn assoziiert mit diesen Räumlichkeiten eigentlich Menschenmengen und ein reges Treiben, doch komplett leer und verlassen entsteht ein Gefühl der Isolation und Desorientierung. Zudem weichen Architektur und Physik im Laufe der Zeit schnell von den Normen ab. Alles, was irgendwie vertraut erscheint, wirkt auf eigenartige Weise fremd, verzerrt und surreal, was ebenfalls für Anspannung sorgt. Backrooms macht von beiden Effekten auf beeindruckende Weise Gebrauch, sodass jeder Trip in diese Welt zu fesseln weiß. 

Mit Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) und Renate Reinsve (Sentimental Value) ist der Film zudem stark besetzt. Beide füllen ihre Rollen wunderbar aus und schaffen den Beziehungsaufbau zum Zuschauer, dem die Figuren dadurch nicht egal sind. Somit funktioniert der Film auch außerhalb der Backrooms, wenn er in unserer normalen Welt die Geschichte der Charaktere ausbaut. Dennoch bleibt am Ende das Gefühl, noch nicht genug von den Backrooms gesehen zu haben, dass nicht genügend Ausflüge dahin unternommen wurden. Gern hätten die Akteure noch weiter darin versinken können, um uns mehr Einblicke zu gewähren. Das wirkt (auf hohem Niveau) leicht unbefriedigend. Doch vielleicht spricht das auch für die Qualität, dass 110 Minuten so schnell vorbei ziehen und der Film ruhig noch länger hätte laufen können. Natürlich ist aber auch gewollt, den Zuschauer mit Fragen zurückzulassen und nicht alles zu erklären und zu zeigen. Nur so bleibt das Mysterium weiter bestehen und die Creepypasta lebt weiter. 

Fazit

"Backrooms" mag vielleicht nicht der gruseligste oder schockierendste Horrorfilm sein, ist aber aus atmosphärischer Sicht ein echtes Brett. Das hier aufgebaute Mysterium um die bizarre Parallelwelt hinter einem Möbelgeschäft schafft einen faszinierenden Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Was Kane Parsons hier als junger Nachwuchsregisseur auf die Beine gestellt hat, ist schon ziemlich beeindruckend. Sicherlich nicht der letzte Ausflug in die Backrooms, die noch Stoff für so viel mehr Geschichten bereithalten. 

Autor: Sebastian Stumbek
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