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Inhalt

Mit routinierten Handgriffen macht sich der Hongkonger Taxifahrer Pak bereit, poliert den traditionell knallroten Lack seines Autos auf Hochglanz und holt seine Enkelin von der Schule ab. Nachdem er jahrelang seine Familie mit dem Taxifahren durchgebracht hat, steht er nun am Ende seiner Berufstätigkeit, weigert sich aber, den Job gänzlich an den Nagel zu hängen. Auf der Suche nach anonymem Sex begegnet er Hoi, pensioniert, geschieden und selbst Großvater. Nach einer ersten flüchtigen Begegnung verbringen sie wiederholt Zeit miteinander.

Kritik

Nach einigen konventionelleren Filmen mit queerer Thematik wagt sich Ray Yeungs (Front Cover) jüngste Regiearbeit an ein mehrfaches Tabu innerhalb der chinesischen Gesellschaft. Deren traditionelle Strukturen konfrontieren homosexuelle Menschen im Alter mit speziellen Problemen, denen die unaufgeregte Romanze eine Nebenhandlung widmet. Der zu Beginn der zärtlichen Paarstudie noch klar auf die Hauptfiguren gerichtete Focus verzerrt sich dadurch zugunsten wortlastiger Episoden, die mehr pädagogisch wirken als dramatisch. Einer der deutlicheren Verweise auf die gesellschaftspolitische Mission der sanften Liebesgeschichte.

Deren emotionales Zentrum ist die junge Liebe zweier alter Männer. Aus einer Abfuhr beim Cruising, das der Hongkonger Taxifahrer Pak (Tai-Bo, Bitter Enemies) im Rentenalter erstmals wagt, wird unerwartet eine innige Bindung zum pensionierten Witwer Hoi (Ben Yuen, Seung sing), der mit seinem erwachsenen Sohn zusammenlebt. Die aufkeimende Zuneigung überschattet Angst vor Hilflosigkeit und Verlassenheit im hohen Alter. Während Hoi in der Kirche Trost sucht, klammert sich Pak an seinen Job und die erwachsenen Kinder aus einer Zweckehe.

Letzt ist für ihn genauso frustrierend wie für seine verbitterte Ehefrau Ching (Patra Au), die in unausgesprochenem Wissen um Paks Geheimnis vor der eigenen Einsamkeit resigniert hat. Homophobie, Ageism, Traditionalismus und auf Nachkommen basierte Fürsorge verwehren LGBTQ+-Personen ein soziales Netz zur Altersabsicherung. Verschärft wird die Problematik von Altersarmut und -isolation durch zusätzliche Stigmatisierung psychischer Leiden. Über jeder beiläufigen familiären Konversation hängt drückendes (Ver)Schweigen, eine tragische Stille, in der selbst mutige öffentliche Statements verhallen.

Fazit

Eine Altersromanze wird zum Leitfaden der einfühlsamen Studie ineinandergreifender sozialer Diskriminierung, die Chinas Homosexuelle im Alter besonders schwer treffen. Mit leisem Humor und authentischer Romantik, fernab vom Kinoklischee schöner junger Hetero-Pärchen vor Kitsch-Kulissen, erhellt Regisseur Ray Yeung den tragischen Kontext mit einem Hoffnungsschimmer, der eine tolerantere junge Generation erkennen lässt. Unterschwellig greifbare Verunsicherung der Hauptdarsteller gibt ihren Porträts eine zusätzliche Nuance: die reale Angst vor öffentlicher Ächtung - wenn auch nur aufgrund tabuisierter Rollenwahl.

Autor: Lida Bach

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