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Einige Verbrechen werden zur Legende und verändern die Welt für immer! Stockholm, 1973: Mit Langhaar-Perücke, Porno-Sonnenbrille und Lederjacke überfällt Lars eine Bank in der schwedischen Hauptstadt und nimmt alle darin als Geiseln. Schnell wird klar, dass er es weniger auf Geld als auf die Freilassung seines inhaftierten Kumpels Gunnar abgesehen hat. Doch nachdem die Polizei den wie vereinbart zur Bank bringt, beginnt erst die eigentliche Geschichte: Zwischen Lars und seinen Geiseln, im Besonderen der Bankangestellten Bianca, hat sich eine persönliche, bisweilen sogar innige Beziehung entwickelt, die nicht nur Schweden, sondern die ganze Welt in Atem hält. Das legendäre "Stockholm-Syndrom" ist geboren!

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Kritik

Dass die Kollaboration zwischen dem kanadischen Filmemacher Robert Budreau (That Beautiful Somewhere) und dem mehrfach Oscar-nominierten Ethan Hawke (Gesetz der Straße – Brooklyn's Finest) durchaus Früchte tragen kann, hat der vor vier Jahren entstandene Born to Be Blue bereits durchaus einnehmend bewiesen. Unverständlicherweise bei den Academy Awards übergangen, zeichnete sich das Biopic über den drogenabhängigen Jazz-Trompeter Chet Baker durch seinen Mut dahingehend aus, den Werdegang des Protagonisten nicht auf lexikalischem Wissen zu betten, sondern ihn jenseits von chronologischen Parametern zu interpretieren. Der erneut auf wahren Begebenheiten beruhende Die Stockholm Story – Geliebte Geisel, die nunmehr zweite Zusammenarbeit dieser beiden Künstler, verfügt nun zwar nicht mehr über dieses ungemein ambitionierte Wesen des Vorgängerwerks, unterstreicht letztlich aber noch einmal die blendende Chemie zwischen Regisseur und Hauptdarsteller.

Mit beispielsweise Buffalo '66, V wie Vendetta, Labor Day, Lebe lieber ungewöhnlich, Out of Sight oder Banditen! gibt bereits einige Filme, die sich dem Thema rundum das sogenannte Stockholm-Syndrom auf ihre ganz eigene Weise annahmen. Die Stockholm Story – Geliebte Geisel allerdings geht nun bis zum Ursprung dieser Bezeichnung zurück und rekonstruiert jenes Vorkommnis, welches dazu führen sollte, dass wir das psychologische Phänomen, wenn die Entführte mit dem Kidnapper sympathisiert, nun unter diesem allgemeingültigen Begriff kennen. Im August des Jahres 1973 machte sich der Ex-Knacki Lars Nystrom (Hawke) auf, Schwedens größte Bank um eine Million in alten Banknoten zu erleichtern. Seine Vorgehensweise erweist sich dabei als äußerst menschenfreundlich, so sehr, dass sich eine der Geiseln, Bianca Lind (Noomi Rapace, Verblendung), schließlich dazu hingerissen fühlt, dem einnehmenden Räuber zur Seite zu stehen.

Natürlich ist Die Stockholm Story – Geliebte Geisel eine sehr freie Wiedergabe der damaligen Vorfälle, die letztlich sogar so weit gingen, dass sich die Geiseln vor dem Richter für Lars Nystrom aussprachen und ihm im Anschluss gelegentliche Besuche im Gefängnis abstatteten. Während man dem Film zwar anmerkt, dass ihm nicht die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung standen, um hier wirklich ein packendes Seherlebnis auf die Beine zu stellen - nicht selten wirkt das Ganze wie eine durchaus veritabel arrangierte TV-Produktion -, glänzt dieser Thriller rundum eine ganz und gar unwahrscheinliche Leidenschaft durch seine tadellosen Schauspielleistungen. Während Noomi Rapace und Mark Strong (RocknRolla) durch ihre nüchternen Auftritte dafür sorgen, dem Geschehen die nötige emotionale Balance zu schenken, tischt Ethan Hawke eine sagenhafte Performance auf, die allein schon äußerlich Eindruck schindet. 

Sein modisches Portfolio, bestehend aus Lederkluft, gewaltigem Schnauzbart, Cowboyhut- und Stiefeln wecken hier beinahe Erinnerungen an die entfesselten Auftritte eines Nicolas Cage (A Score to Settle), der es sich seit Jahren nicht nehmen lässt, immer wieder die verrücktesten Outfits überzustreifen. Robert Budreau hat zudem sichtlich Freude daran, seinen Star in dieser herrlich geschmacklosen Garderobe in Szene zu setzen und webt vor allem in der ersten halben Stunde eine tonale Spritzigkeit in das Geschehen ein, die Die Stockholm Story – Geliebte Geisel eine angenehme Nähe zum Komödiantischen eingestehen. Ethan Hawke jedoch lässt sich nicht nur Karikatur degradieren, sondern findet gerade in der klaustrophobischen Enge des Tresorraums eine Aufrichtigkeit und Intimität, die eigentlich zutiefst irrationale Gefühlsanwandlungen durchaus nachvollziehbar machen, wie ein Kriminalitätsopfer zur Komplizen werden konnte.

Fazit

Das größte Problem an "Die Stockholm Story – Geliebte Geisel" ist wohl, dass man dem Film immer wieder anmerkt, wie sehr ihm die überschaubaren finanziellen Mittel eingeengt haben. Nicht selten wirkt der auf wahren Begebenheiten beruhende Thriller, der sich dem Ursprung des sogenannten Stockholm-Syndroms widmet, wie eine (gute) TV-Produktion. Seine wahre Stärke findet "Die Stockholm Story – Geliebte Geisel" hingegen in den durchweg tadellosen Schauspielleistungen: Noomi Rapace und Mark Strong geben dem Geschehen die nötige Gravität, während Ethan Hawke erst einmal mit einer sagenhafter Nicolas-Cage-Gedächtnisperformance aufwartet, um nach und nach eine einnehmende Aufrichtigkeit freizulegen, die durchaus nachvollziehbar macht, wie es zu dieser irrationalen Gefühlanwandlungen kommen kann, die ein Kriminalitätsopfer zur Komplizen macht.

Autor: Pascal Reis

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