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Inhalt

Ricky, Abby und ihre zwei Kinder leben in Newcastle. Sie sind eine starke, liebevolle Familie, in der jeder für den anderen einsteht. Während Ricky sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, arbeitet Abby als Altenpflegerin. Egal, wie sehr die beiden sich jedoch anstrengen, wissen sie, dass sie niemals unabhängig sein oder ihr eigenes Haus haben werden. Doch dann heißt es: Jetzt oder nie! Dank der digitalen Revolution bietet sich Ricky die Gelegenheit! Abby und er setzen alles auf eine Karte. Sie verkauft ihr Auto, damit Ricky sich einen Lieferwagen leisten und als selbständiger Kurierfahrer durchstarten kann. Die Zukunft scheint verlockend. Doch der Preis für Rickys Selbstständigkeit erweist sich als wesentlich höher als gedacht. Die Familie muss enger zusammenrücken und um ihren Zusammenhalt kämpfen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Von der bitteren Ironie I, Daniel Blakes bleibt in Ken Loachs zermürbendem Sozialdrama nur desillusionierter Zynismus. Dessen klarster Ausdruck ist der mehrdeutige Titel der harschen Momentaufnahme einer labilen Familienexistenz als Kollateralschaden der gig economy. Jenes auf Freiberuflichkeit, Mini-Jobs und Null-Stunden-Verträgen aufgebaute Segment eines stagnierenden Arbeitsmarkts steht nach dem kaputten Sozialsystem im Fokus des britischen Regisseurs und seines Stammdrehbuchautors Paul Laverty (El Olivio). Trotz polemischer Intentionen gehört beider Hauptaugenmerk den ausgelaugten Charakteren und ungesehenen Alltagstragödien.

Zweite sind stille Begleiter der unspektakulären Handlung über die Ausbeutungsmentalität der Auftragsarbeitgeber. Eine bessere Zukunft, die sich Zustellfahrer Ricky Turner (Chris Hitchens, The Navigators) für die 11-jährige Tochter Liza Jane (Katie Proctor) und Teenager-Sohn Seb (Rhys Stone) wünscht, ist so unerreichbar wie materielle Stabilität, der die verschuldete Familie verzweifelt hinterherrennt. Stattdessen wartet am alters- oder krankheitsbedingten Ende tagtäglicher 12-Stunden-Schichten einsame Bedürftigkeit, wie sie Rickys Ehefrau Abby (herausragend: Debbie Honeywood) bei ihren Pflegepatienten erlebt.

Augenblicke persönlicher Nähe spenden flüchtigen Trost, jedoch keinen Ausweg aus einer dehumanisierenden Marktwirtschaft, die mit vergeblichen Hoffnungen und Existenzangst spekuliert. Fortschritt erlebt die Arbeiterklasse in der Abwärtsspirale lediglich technisch - im Orwell’schen Sinne. Tracking, Beeper und (pinkel)pausenlos tickende Uhr sind Kontrollinstrumente einer entwürdigenden Routine. Damit Drillsergeant-Vorgesetzte wie Rickys Boss (Ross Brewster) Topquoten erzielen, zahlen die Fahrer_innen gesundheitlich, psychisch und monetär. Fahrzeug, Nichtzustellungen, Fehler und Fehltage kosten Ricky Geld, bevor er überhaupt welches verdient.

Demos und Streiks der Arbeiterbewegung sind nostalgische Vergangenheit, von der statt hart erkämpfter Grundrechte nur alte Fotos geblieben sind. Solidarität innerhalb des Teams untergräbt gezielt ein Konkurrenzmodell, das Kolleg_innen gegeneinander ausspielt. Während Dauerüberarbeitung ihr Familienleben erodiert, schuften die Protagonisten sich zu Tode - buchstäblich. In einer überfüllten Notaufnahme findet Abbys ohnmächtiger Wutausbruch die schweigende Zustimmung der anderen Angeschlagenen und Abgewrackten, die Great Brexit Britain’s Sparpolitik, Sozialdarwinismus und Neo-Liberalismus abgehängt haben. Sorry we missed you.

Fazit

Scharf beobachtet, emphatisch und voll gerechter Verbitterung: Ken Loachs beklemmendes Gesellschaftsbild lenkt den Blick auf die Leidtragenden eines unmenschlichen Jobmarkts. Die authentischen Figuren sind macht- und mittellose Vertreter der kollabierenden Arbeiterklasse. Naturalistisches Schauspiel vermittelt schmerzlich, wie ständige Herabwürdigung die moralische Integrität der Charaktere erodiert. Loachs typischer Galgenhumor erhellt nur sporadisch die triste Realität. Doch gerade diese herbe Lebensnähe und schonungslose Systemkritik braucht nicht nur ein Prekariat zwischen Zukunftsangst und Altersarmut dringender als Feel-Good Movies.

Autor: Lida Bach

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