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Inhalt

Der Psychologe Kris Kelvin (Donatas Banionis) wird zu einer Raumstation beordert, die den Planeten Solaris erforschen soll. Als er dort ankommt, herrscht das Chaos vor und sein Freund Gibarian (Sos Sarkissjan) hat Selbstmord begangen. Die restlichen Überlebenden berichten von seltsamen Erscheinungen, und auch Kelvin hat erste Visionen. Als er eines Nachts erwacht, steht seine verstorbene Frau Hari (Natalja Bondartschuk) vor ihm, die sich als vom Planeten aus generiertes genaues Abbild herausstellt. Schon bald wird die Begegnung zu einer Sinnfrage nach Tod, Vergessen und Erinnerungen...
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Kritik

Es gibt nur zwei Science Fiction-Filme. Natürlich ist das Quatsch, zumal es mindestens drei gibt, aber sobald es um metaphorische, intellektuell-anspruchsvolle und tiefgründige Sci-Fi-Werke geht, fallen immer nur zwei Namen. Stanley Kubricks Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltraum und Andrei Tarkovskys kontroverser Film Solaris. „Kontrovers“ ist dabei vielleicht etwas hochgegriffen, schließlich genießt der Film quasi einhellige Anerkennung und gilt als einer der besten Genre-Beiträge seit Menschengedenken. Doch sowohl der Regisseur des Films als auch der Autor der Romanvorlage haben sich mehrfach kritisch über den Film geäußert, der über zehn Jahre lang ununterbrochen in der Sowjetunion im Kino lief. Nachdem der allgemeine Tenor zu Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum in unser Kritik bereits mit Ausrufezeichen unterstützt wurde, widmen wir uns nun dem sowjetischen Gegenstück.

Der Film beginnt und endet mit gemächlich schweifenden Pflanzen am Ufer eines Baches. Auf der Erde. Der Psychologe Kris Kelvin besucht noch einmal seine Eltern, bevor er am nächsten Tag zu einer Raumstation aufbricht, die knapp über dem Planeten Solaris schwebt. Die Finanzierung des Forschungsprojektes hängt in der Schwebe. Kelvin soll untersuchen, ob es sich noch lohnt, weitere Gelder zu verbrennen oder ob man die Besatzung lieber wieder zur Erde zurückholen sollte. Das ist die Handlungsfrage des Films, der sich einen feuchten Kehricht um diese kümmert. Der Film wird auch zum Ende keine Antwort auf diese Frage finden. Dafür wird er eine Menge anderer Fragen beantworten und dem Zuschauer noch ein paar mehr unterjubeln. Für später. Denn bevor Kelvin sich Gedanken über die richtige Antwort auf diese Frage machen kann, wird er quasi Gefangener des Planeten Solaris. Halluzinationen seiner verstorbenen Frau tauchen auf, werden immer realistischer und verwischen schließlich die Realität mit der Einbildung; das ist die Kraft des Planeten, die es zu untersuchen gilt.

Auf dem Lande, im idyllischen Paradies, bei Kelvins Eltern, beginnt also der Film. Kelvin geht morgens in der kühlen Luft spazieren. Ein Pferd läuft frei herum, das klare Wasser wäscht Kelvins Hände rein. Es sind Momente des Abschieds. Und genau dies ist ein zentrales Thema des Films. Noch ein letztes Mal im Regen sitzen und pitschnass werden. Bevor es weg von der Erde geht, Datum der Rückkehr unbekannt. Der Abschied zieht sich thematisch durch das gesamte Werk. Erst bei den Eltern, dann, wenn ein Besatzer der Raumstation in seiner Videonachricht für Kris seinen Suizid vorbereitet, später, wenn Kris' tote Frau auftaucht und so weiter. Dies führt dazu, dass Solaris ein hauptsächlich trauriger Film ist, durchtränkt von Resignation und Desillusion. Ein Film über das menscheneigene Verderben im Größenwahn. Hier findet sich einer der zentralen Unterschiede zu Kubricks Weltraumepos, welches vor allem durch Neugier und Faszination angetrieben wurde.

Aber daran ist Tarkovsky nicht interessiert. Der inszeniert die Raumstation nicht als elegantes, walzertanzendes Gebilde im wunderschönen Universum, sondern als enge, im Verfall begriffene Umgebung - und das Jahre bevor Ridley Scott aus einem Raumschiff eine klaustrophobische Falle werden ließ. Kubrick griff nach den Sternen, Tarkovsky mäandert in der schwarzen Fläche dazwischen. Er untersucht liebt der Erdrückende der Unendlichkeit. Das Zerstörende von den Dingen, die wir nicht verstehen und das Erschlagende von den Dingen, die wir nicht rückgängig machen können. Irgendwo in dem Spannungsfeld zwischen der faktischen Welt der Wissenschaft und der emotionalen Welt der Liebe muss Kelvin agieren. Hin- und hergerissen zwischen der Mission, der Wirkung des sonderbaren Planeten und der Erscheinung seiner Frau, für die er nicht nur Liebe, sondern auch Scham fühlt, weil er sich für ihren Suizid verantwortlich macht. Der Mensch versucht zu zerstören, was er nicht versteht. Egal ob es ein anderes Volk, ein anderer Planet oder die Liebe des Lebens ist.

Fazit

Mit „Solaris“ hat Andrei Tarkovsky einen meisterhaften Science Fiction-Film inszeniert, der zwar nicht mit visuellen Effekten, dafür mit inszenatorischer Kraft (die Szene in Tokyo!), mit stimmungsvoller Kamerarbeit und seiner tiefgründigen Thematik den Atem verschlägt. Es ist ein hauptsächlich trauriger, in seinen besten Momenten reichlich melancholischer Film, der die Liebe, das Leben und einen mysteriösen Planeten behandelt, der der Menschheit reichlich fremd vorkommt. Auch die Erde kann ein fremder Planet werden, auch ein Mensch kann sich auf der Erde heimatlos vorkommen. Essenziell.

Autor: Levin Günther

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