Inhalt
Kritik
Konservative Klischees und verklemmte Vermeidung scheinen die bevorzugten Strategien der Filmbeiträge zu Busans im Vorjahr neu etabliertem Wettbewerb, um queere Themen anzugehen. Miki Tanakas befangene Betrachtung der Navigation zwischenmenschlicher Nähe aus asexueller und aromantischer Position bestätigt bedrückend diese Tendenz. Ihr Porträt einer aro-ace Protagonistin kennt augenscheinlich weder die Selbstbezeichnung der Community, noch deren Codes, In-Jokes oder Begriffe. Wo das Interesse nicht einmal zur oberflächlichsten Auseinandersetzung mit der sexuellen Oientierung reichte, ist Empathie wohl nicht zu erwarten.
Deren Mangel echot ungewollt der fragwürdige Titel, der scheinbar eine vermeintliche Gefühlskälte asexueller Menschen wie der jungen Hauptfigur (Yui Okamoto) evozieren soll. Stattdessen signalisiert die Formulierung die unterkühlte Sicht auf die didaktisch definierten Konflikte, die eine Abwesenheit romantischer und sexueller Anziehung mit sich bringt. Die latenten Vorurteile der eindimensionalen Story signalisiert bereits die Darstellung der asexuellen und aromantischen Chieri. Verpackt in schlabbrige Sweater, übergroße Jeans und Boots, mit ungepflegtem Teint und Haaren verkörpert sie den Irrglauben, Asexualität bedeutende fehlenden Sex-Appeal oder Unattraktivität aus allosexueller Perspektive.
Ihr an Apathie grenzender reduzierter Gefühlsausdruck, begleitet von einer in jeder Hinsicht lustlosen Haltung zementieren derlei Ressentiments durch die Assoziation von Asexualität mit emotionaler Verkümmerung. Ihr Unverständnis grundlegender allosexueller Konzepte widerspricht Cheries Sozialisierung in einer allosexueller Alltagsrealität. Ihr platonischer Kontakt mit dem gleichaltrigen Shoya (Hayato Kurihara, HappyEnd) scheint ihre wachsende Isolation im Kreis ihrer ausnahmslos männerfixierten Freundinnen zu durchbrechen, doch er ist aero und sehnt sich nach sexueller Nähe. Das menschliche Defizit, dass Cheri indirekt angedichtet wird, ist tatsächlich ein dramaturgischer Mangel an Verständnis und Sensibilität.
Fazit
Ziellos driftet Miki Tanakas schemenhafte Skizze dessen, was als sexuelle Divergenz geframt wird, durch eine frostige Winterlandschaft. Das schneebedeckte Szenenbild wird zum Sinnbild des Gefühls-Gefrierpunkts, mit dem Ace Menschen wie Yui Okamotos mit phlegmatischer Passivität verkörperte Hauptfigur angeblich ihre Umwelt einfrieren. Kohei Tatsutomis narkotische Kamera treibt schlafwandlerisch durch didaktische Diskussionen, die keine glaubhaften Einblicke in asexuelles Empfinden und Erleben geben. Medizinische Gewalt, systemische und soziale Diskriminierung tauchen ebenso wenig auf wie queere Gemeinschaft und Differenzierung innerhalb des Spektrums. Das reduziert das fade Schaustück zum sterilen Spektakel.