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Quelle: themoviedb.org

Verfügbar auf

Netflix

Inhalt

Kindererziehung, Biokost und Therapie gehören genauso zu ihrem Alltag wie gemeinsame Bordellbesuche mit ihrem Mann: "Schoßgebete" erzählt radikal offen, selbstbewusst und voll grimmigem Witz die nicht ganz alltägliche Geschichte von Elizabeth Kiehl. Die junge und hochneurotische Frau Anfang 30 macht sich um alles und jeden permanent Sorgen. Nur bei einer einzigen Tätigkeit ist sie völlig entspannt und angstbefreit: beim Sex. Deshalb ist der ihr auch so wichtig. Elizabeth will allen Rollen gerecht werden, sie will nicht nur perfekte Mutter sein, sondern auch perfekte Ehefrau und Liebhaberin. Ein Anspruch, der ziemlich zermürbend sein kann, und bei dem Humor durchaus hilfreich ist...

Kritik

Ich muss ja sagen: Ich war skeptisch. Charlotte Roches Bücher sind ja für ihre Mengen an Körperflüssigkeiten bekannt und ich hatte mir „Feuchtgebiete“ als Hörbuch angehört, um mitreden zu können. Aber danach war Schluss für mich. Den Film wollte ich mir nicht anschauen und das zweite Buch nicht lesen. Ich brauchte einfach keine Beschreibungen von Ausflüssen oder anderen sehr intimen Sachen mehr. Es reichte! Und als "Schoßgebete" im Kino lief, stand überall nur etwas von Darmwürmern und Bordellbesuchen. Das wollte ich mir nicht geben. Doch dann habe ich mir Schoßgebete angesehen, weil meine Neugier einfach siegte. Und nun bin ich froh es getan zu haben. Denn zu meiner Überraschung: Es ist ein tiefgründiger Film, der mich lange zum Nachdenken anregte. Ja, es gibt ein paar Würmer zu sehen, aber die sind so kurz im Bild und so dezent, dass man die leicht übersehen kann.

Regisseur Sönke Wortmann hat hier einen ganz ruhigen Film geschaffen, der immer wieder in Rückblenden erklärt, warum die Protagonistin so ist wie sie ist. Nichts weiteres! Und mehr braucht der Film auch nicht. Das liegt zu einem an der guten Besetzung des Films. Lavinia Wilson spielt Elisabeth so überzeugend neurotisch, dass keine Zweifel an den Motiven und Widersprüchlichkeiten ihrer Person bleiben und auch Jürgen Vogel zeigt einmal mehr zu welcher Schauspielleistung er im Stande ist. Besonders gibt er seiner Schauspielkollegin so viel Raum durch die zurückhaltende Interpretation seiner Figur, dass die beiden eine perfekte Kombination bilden. Auch alle Nebenfiguren fügen sich gefühlt realistisch ins Gesamtbild. Einziger Kritikpunkt am Cast: die kleine Tochter passt rein optisch nicht zu den Eltern. Das mindert aber nicht ihre schauspielerische Qualität.

Ein anderer guter Aspekt des Film ist die Komposition der Bilder. Viele Szenen benötigen keine große Erklärung, sondern sprechen ganz alleine für sich. Beispielsweise, wenn die Mutter während des Unfalls gerettet wird und man in Zeitlupe sieht, wie ihre Finger, festgebrannt am Lenkrad, ganz langsam davon losgerissen werden. Dies benötigt keiner Ausführung, sondern kann einfach für sich stehen und entfaltet damit seine ganz eigene Kraft. Sönke Wortmann verzichtet dabei vollkommen auf Kitsch oder übertriebene Darstellung irgendwelcher Gefühle. Alles ist eher subtil gehalten, sodass auch Platz für Identifikation und Interpretation bleibt. Manche mögen diesen Raum als kalt und steril empfinden. Ich fand ihn allerdings als angenehm. Eben nicht diese überladene Filme, die mir vorgeben, wie ich mich zu fühlen habe.

Elisabeths Art mit dem Trauma umzugehen ist eine sehr eigenwillige. Nur beim Sex schafft sie es sich von ihrem alltäglichen Alptraum loszureißen. Dies mag sehr befremdlich wirken, aber durch ihre Kommentare und Begründungen, z.B. dass sie ihrer Mutter ein neues Kind schenken wollte, ist dies zumindest eine logische Erklärung. Nur die von ihr ungern eingewilligten Bordellbesuche, wirken wie ein Fremdkörper im Film. Denn diese Szenen passen nicht so recht in das Gesamtkonzept. Sie hasst diese so offensichtlich, dass ich mich oft frage, warum ihr sonst so feinfühliger Mann, dies nicht sieht und ihr zuliebe darauf verzichtet. Auch der Teil mit den Darmwürmer wirkt ein wenig hinein konstruiert. Die Geschichte darum ist relativ unnötig und hat eher den Anschein nur nach außen provozieren zu wollen, als wirklich die Handlung weiterzubringen.

Fazit

Schoßgebete ist kein ekeliger, sondern ein ruhiger nachdenklicher Film über eine sehr eigenwillige Art der Traumabewältigung ohne viel Kitsch. Er ist keine Meisterleistung, aber um einiges besser als die Kinokritiken erwarten lassen. Wer auf tiefgründige Geschichten steht und sich gerne auch danach mit den eigenen Gedanken befassen mag, kann sich diesen Film anschauen. Wer allerdings entweder großes Kino erwartet oder einen provokanten Ekel-Film, wird enttäuscht.

Autor: Eileen Wegner

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