Inhalt
Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung sind die Schönen und Reichen zusammengekommen. Eine radikale Gruppe stürmt die Veranstaltung. Sie sind auf der Suche nach einem Artefakt, um eine mystische Prophezeiung zu erfüllen, für die drei Personen an diesem Abend geopfert werden müssen.
Kritik
Vor etwa vier Jahren erlebte Romain Gavras – Sohn des legendären, für sein aufrüttelndes Polit-Kino bekannt gewordenen Filmemachers Constantin Costa-Gavras (Z – Anatomie eines politischen Mordes) - einen zumindest kurzfristigen Hype, als sein auf Netflix veröffentlichter Banlieu-Krawallbruder Athena für jede Menge Gesprächsstoff sorgte. Gelobt wurde insbesondere die unmittelbare, wuchtige Inszenierung, bemängelt die sehr oberflächliche Charakterisierung, die den Film letztendlich als eine laute, wütende Schreckschusspistole entblößte. Dennoch, was der junge Gavras hier allein inszenatorisch ablieferte, ließ genug Potenzial für Höheres erkennen. Bis zu seinem neuesten Versuch ging nun einiges an Zeit ins Land und nun wird sogar mit einem Hollywood-erprobten Cast gedreht. Hat sich das Warten (wenn das wirklich jemand ernsthaft getan hat) auf Sacrifice gelohnt? Die glasklare Antwort lautet: Nein…mit einem ganz fetten „leider, denn…“ hintendran.
„Leider“ natürlich aufgrund des offenkundigen Talents des Regisseurs und „denn…“, da sich durchaus erkennen lässt, worauf diese überdrehte Chose wohl hinaus möchte. Da schlummert eine interessante, wagemutige Kritik an der aktuellen Absurdität des Weltgeschehens, verpackt als eine Art Odyssey im Stil von Heart of Darkness bzw. Apocalypse Now. Wenn es Romain Gavras gelungen wäre, das wie vermutlich Angepeilte auf die Leinwand zu zaubern, Sacrifice hätte ein waschechter Geheimtipp werden können. Die aufmerksame Leserschafft mag bereits über die Anhäufung des Konjunktivs gestolpert sein, und nein, das ist kein Zufall, denn Sacrifice entpuppt sich leider als prätentiöser, selbstverliebter Reinfall, der statt einer garstig-cleveren Satire nur ein überdreht-konfuses Kasperletheater abliefert, bei dem sich wenigstens ab und zu ablesen lässt, was vermutlich die Intention war.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Satire und gescheiterter Parodie
Wenn Chris Evans (Captain America – The First Avenger) als ein aufgrund eines peinlichen Social Media-Auftritts auf Redemption-Tour befindlichen Hollywood-Stars auf einer selbstgerechten Wohltätigkeitsgala eines Tech-Millionärs (Vincent Cassel, Black Swan) wiederum mit einer Geiselnahme einer bis an die Zähne bewaffneten Weltuntergangs-Folklore-Guerilla Armee unter ihre geistigen Anführerin Joan (Anya Taylor-Joy, Furiosa: A Mad Max Saga) konfrontiert sieht, ist das ähnlich chaotisch wie dieser Satz, der aber exakt diesen skurrilen Vipe entwickelt, der womöglich zum Weiterlesen als auch zum Weiterschauen motiviert. Bis dahin ist man eventuell irritiert, aber schon noch sehr interessiert, denn offenkundig möchte Romain Gavras hier ernsthaft etwas erzählen. Wählt dazu möglichst absurde Mittel und zielt dabei bewusst auf eine Gruppe, die das gut und gerne aushalten sollte. Jene scheinheiligen, selbsternannten Weltverbesserer, die sehr offenkundig nur in die eigene Tasche bzw. auf das eigene Image hin wirtschaften. Das diese nun auf Crash-Kurs mit einer obskuren Weltuntergangs-Sekte gehen, könnte großartig werden…und mündet in einer narrativen wie inhaltlichen Bankrotterklärung.
Sobald sich der titelgebende Opferung-Gang zu einem Vulkan auf den Weg macht, geht dem sarkastischen Ansatz blitzschnell die Puste aus. Mühsam halten die sehr gut aufgelegten und aus nicht erfindlichen Gründen hochmotivierten Darstellenden – neben einem wirklich amüsanten Chris Evans besonders ein hemmungslos chargierender John Malkovich (Con Air) – die Fahne höher als die kaum vorhanden Geschichte, die zu allem Überfluss auch noch in einer sehr befremdlichen Katharsis mündet. Wie die aussieht, sollte aus Spoiler-Gründen nicht verraten werden, nur so viel: Wenn das diese ganzen Ansätze letztendlich als Satire begründen soll, ist dieses Resultat eher extrem befremdlich, wenn nicht sogar fragwürdig. Eine böse/radikalisierte Absicht mag an dieser Stelle gar nicht suggeriert werden, schließlich konnten schon andere Filme mit einer ähnlichen Pointe das auch clever lösen (auch hier aus Spoiler-Gründen keine konkreten Beispiele), hier wirkt es nur eher naiv, undurchdacht und – so muss man es am Ende leider nennen – dämlich. Denn mit etwas mehr Feingefühl und einem besseren Script wäre hier wirklich etwas Gutes machbar gewesen. Sieht man allein an dem aufopferungsvollen Cast, der das drohende Unheil leider nicht wegspielen kann.
Fazit
Die Ansätze sind da, die Stars mühen sich redlich und in Momentaufnahmen mag man herauszulesen, wo Romain Gavras hinwollte. Das Resultat ist leider eine überkandidelte, konfuse und unnötig prätentiöse Ansammlung loser Brainstorming-Fragmente, die in der richtigen Anordnung und sauberen Ausarbeitung eventuell einen interessanten Film ergeben hätten. Scheitern mit weitem Anlauf, wirklich schade.