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MB-Kritik

Muyi and the Handsome General 2026

Action, Adventure, Fantasy, Animation – France

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Lucie Zhang
Guillaume Bouchède
Colette Venhard
Yumi Fujimori
Anatole Yun

Inhalt

Im alten China führt ein junges Mädchen mithilfe eines magischen Helms Krieg gegen die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit.

Kritik

Antike Holzschnitte, Tuschzeichnungen und historische Wandmalereien sind die Kunst- und kulturgeschichtlich gleichsam bedeutsame Inspiration der klassischen Animationen Julien Chhengs (Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik) modernen Märchens. Dessen stimmungsvolle Bilderwelt und Vielzahl komplexer Motive fügen sich zu einem ernüchternd konventionellen Lehrstück über Identität und Tradition, auf individueller und kollektiver Ebene. Die kindliche Heldin wird zur exemplarischen Vertreterin einer heranwachsenden chinesischen Generation, die ein neues Wertgefühl für ihre Herkunft entwickeln. Ein Hauch Magie trifft auf eine herbe Realität, bestimmt von ökonomischer Notwendigkeit.


Obwohl die aufgeweckte Muyi (Sprecherin: Lucie Zhang, Bloody Tennis) erst 14 Jahre ist, arbeitet sie mit ihrem gleichaltrigen besten Freund und seinem kleinen Bruder jeden Tag, um ihre resolute Großmutter zu unterstützen. Gemeinsam leben die alte Frau, die fest an die Geister und Legenden der umliegenden Wälder glaubt, in einem abgeschiedenen Dorf in einer reinen Frauengemeinschaft. Ihre Neugier auf die Welt außerhalb dieser den französischen Originaltitel liefernden Gemeinschaft führt sie und ihre Freunde zu einer wandernden Operntruppe.


Dem fiktiven Bühnenstück gibt der zwischen Mythen und Moderne mäandernde Plot eine Schlüsselfunktion. Sie betont die essenzielle Bedeutung stilisierter Sagen und historischer Erzählungen zur Konstruktion einer kollektiven, kulturellen und individuellen Identität. Als Findelkind fühlt sich die junge Protagonistin losgelöst von ihrem sozialen Umfeld, auf das die wohlhabenden Touristen in der malerischen Gegend herabblicken. Als Verkörperung von Mut und Verlust wird der Geist jenes Schönen Generals spirituell und symbolisch zu Muyis Begleiter auf einer mystischen Reise zu ihrem inneren Selbst. 


Fazit

Chinesische Mythen und Kulturtraditionen sind in Julien Chhengs visuell einnehmendem Langfilm-Debüt von fundamentaler Bedeutung, doch ihr Verständnis erschließt sich auch einem jungen Kinderpublikum durch die mit naivem Humor gespickte Handlung. Selbige ist hinter dem eleganten Überbau epochaler Epik und dem kunsthandwerklichen Dekorum das vertraute Narrativ von Selbstfindung und Versöhnung. Letzte erstreckt sich auch auf den Konflikt von Brauchtum und Veränderung. Familiäre Herkunft und soziale Strukturen deuten die nostalgischen Zeichnungen als Freiraum, den eine junge Generation neu formt.  

Autor: Lida Bach