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NMB48, AKB48 oder HKT48: Durch drei Buchstaben und die Zahl 48 gekennzeichnet, performen junge Frauen in ganz Japan in immer neuen Formationen – ein Millionengeschäft. Wer die meisten Fans anlockt, tanzt im Videoclip in der ersten Reihe. Aber wehe, man benimmt sich daneben. Die Kontrolle der Manager im Unterhaltungs- Business reicht weit ins Privatleben hinein. Atsushi FUNAHASHI kombiniert in seinem Dokumentarfilm über die Gruppe NMB48 aus Osaka spektakuläre Konzertmitschnitte und Szenen aus dem gnadenlos hierarchischen Idol-Alltag. Zwischen philosophischen Zitaten und Hit-Titeln wie „Help me Professor Nietzsche“ dürfen wir einen Blick in eine bonbonbunte Hölle werfen.

Kritik

Castingshows erfreuen sich auch in Deutschland einer immensen Beliebtheit und garantieren den zuständigen TV-Sendern nicht nur grandiose Einschaltquoten, sondern auch jede Menge Profit durch Merchandise. Doch welche Ausmaße ein solches Format annehmen kann, welche komplexen Strukturen daraus erwachsen und was dies letztlich für einen nationalen Hype nach sich ziehen kann, könnten wir uns vor dem Hintergrund der japanischen Super-Popgruppen um NMB48 nicht mal in den kühnsten Träumen vorstellen. Raise your Arms and Twist heißt die Dokumentation, die sich dem Hype um die japanischen Girlbands annimmt und die als erste Begleitdokumentation ungeschnitten hinter die Kulissen der japanischen Popmaschinerie blicken darf. Mit einem faszinierenden Ergebnis. 

 Zunächst sollte diese Kritik erklären, worum es sich bei NMB48 überhaupt handelt. In Japan ist es jungen Mädchen zwischen 15 bis 20 möglich Teil einer städtespezifischen Popgruppe zu werden, die täglich in eigenen Theatern auftreten, Händeschüttelevents mit ihren Fans veranstalten und jedes Jahr in Wettkampf mit den Mädchen-Popgruppen der anderen japanischen Städte treten. Das Ergebnis ist ein jährliches Megaevent, in dem über achtzig junge Mädchen für Ruhm und Ehre performen und denen über Votes (die sich über Monate hinweg erstreckt haben) am Ende ein Rang zugeteilt wird. Die erfolgreichsten Mädchen können auf Modelverträge und Schauspielkarrieren hoffen und erreichen nationalen Superstar-Status. Soviel zur Kurzfassung dieses Prozederes. Hinter dieser kommerziell geprägten Maschinerie verbergen sich nämlich Strukturen, die nicht mal ein Roman ausführlich genug darstellen könnte. Regisseur   (der sich zuvor mit den Katastrophendokus Nuclear Nation und Nuclear Nation II befasste und daher komplett unbetucht an das Thema heranging) begleitet ein Jahr lang verschiedene Gesichter der Mädchengruppe NMB48 aus Osaka, veranschaulicht ihre Träume, ihre Arbeit und ihr tägliches Dasein als sogenanntes Idol

Man könnte meinen, dass Raise your Arms and Twist im Zuge dieser enormen Kommerzmaschinerie schnell (aber zurecht) in überkritische Regionen verfallen könnte. Funahashi versucht allerdings die Geschehnisse der NBM48 so neutral wie möglich zu übertragen und dem Zuschauer selbst das Urteil zu überlassen. Und das funktioniert im Laufe der Dokumentation erstaunlich gut, bleibt der Zuschauer, wie auch die begleitende Kameracrew, eher stiller Beobachter. Eine antikapitalistische Botschaft steckt dann zwar trotzdem in diesem Film, sie wirkt aber niemals aufgesetzt oder zweckmäßig, sondern entspinnt sich ganz automatisch aus den hier dargestellten Vorkommnissen. Nur manche sehr persönliche Gespräche der Mädchen mit ihren Eltern wirken da ab und an etwas gestellt, weil hierdurch oftmals versucht wird ein Fazit für den vorangegangen Abschnitt zu ziehen. Das ist aber im Gesamtbild zu verzeihen. 

Abgesehen von dem inhaltlich faszinierenden Thema und der undaufdringlichen Darstellungsweise, kann man auch die technischen Aspekte der Dokumentation hervorheben. Raise your Arms and Twist ist aufwendig produziert, gut gefilmt und geschnitten und entwickelt ein angenehmes Pacing, was die 2 Stunden Laufzeit nur sehr selten merklich macht. Auch in Sachen Informationsgrad muss man die Dokumentation loben, evoziert sie beim Zuschauer doch das Verlangen noch mehr über den Hype der NMB48 herauszufinden und sich gar zu fragen, wie es den Mädchen am Ende geht. Jedem Freund der japanischen Kultur, der einen Einblick in den kommerziellen Megahype der Girlbands haben möchte und jedem, den dieses Thema auch nur im Grundsatz anspricht, sei Raise your Arms and Twist also ans Herz gelegt. Und sei es nur dafür in kopfschüttelndem Staunen darüber nachzudenken, inwiefern der Mensch sich in Dinge investieren kann, die zunächst nicht im Ansatz wichtig erscheinen. 

Fazit

“Raise your Arms and Twist” bietet dem Zuschauer einen einzigartigen Blick in die japanische (Pop)kultur. Gut gedreht, angenehm unaufdringlich und größtenteils ehrlich geht Regisseur Atsushi Funahashi mit der kommerziellen und sexuellen Ausschlachtung um, die sich NMB48 nennt, stellt sowohl die Schattenseiten des Unternehmens als auch die faszinierenden Aspekte eines nationalen Hypes dar und entwirft so ein umfassendes Bild davon, wie sehr selbst die Träume und Gefühle eines Menschen berechnend zum finanziellen Megaevent gemacht werden können.

Autor: Thomas Söcker

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