MB-Kritik

Rain Catcher 2026

Dudley O'Shaughnessy
Jessie Mei Li
Lorenzo Richelmy
Youssef Kerkour

Inhalt

Ein voyeuristischer Fotograf bekommt seine eigene Medizin zu spüren, als er zum Opfer einer mysteriösen Stalkerin wird, die auf seinen Fotos auftaucht. Er begibt sich auf eine höllische Reise, um ihre Identität aufzudecken, bevor sie sein Leben zerstört.

Kritik

Als 2018 Michele Fiascaris stylischer Short Film gleichen Titels in Sitges Kurzfilm-Wettbewerb Premiere feierte und dort prompt den Méliès Award einkassierte, riefen zahllose Kritiken und Kommentare nach einer Langfassung. Noch verbreiteter war die Bemerkung, dass die Story um einen Londoner Fotografen auf der Jagd nach sensationalistischen Aufnahmen, der von einer mysteriösen Person auf seinen schaulustigen Schnappschüssen verfolgt wird, die ideale Vorlage dafür sei. Nun erhörte der Regisseur die Rufe und erweiterte mit Alba Moyano Filippo Polesel das 19-minütige Szenario auf knapp unter zwei Stunden.

Das ist verdammt viel Zeit, um in der nächtlichen Metropole vor einer geheimnisvollen Frau im Trenchcoat davon und seinem Schicksal in die Arme zu laufen. Genau das tut der junge Protagonist, erneut mit wachsender Panik von Dudley O'Shaughnessy (Maria) verkörpert, den größten Teil der Handlung. Selbige hat das Drehbuchautoren-Trio in der Länge ausgebaut, allerdings nicht in der Tiefe. Psychologie und dramaturgische Komplexität der unverkennbar von Hitchcock, Antonioni und Brian de Palma inspirierten Thriller-Tour durch Londons stimmungsvollen Barbican Baukomplex zeigen unverändert wenig Interesse an den vielversprechenden Themen. 

Das visuell und atmosphärisch gleichermaßen düstere Szenario verweist permanent auf die Motive Voyeurismus, Paranoia und die unscharfe - oder in den Augen materialistischer Galerie-Betreiber nicht vorhandene - Grenze zwischen Obsession, Perversion und Kunst. Seine Skrupellosigkeit und Arroganz machen den seine Fotos unter dem Pseudonym Rain Catcher postenden (Anti)Helden wenig sympathisch und reflektieren durch Social Media katalysierte toxische Trends: Creep Shots und das ungebetene Fotografieren Fremder mit psychosexuellen Motiven. Doch für eine überzeugende Auseinandersetzung ist Fiascaris zu vernarrt in seine glatte Ästhetik, die den Substanzmangel nur kurzfristig tarnt.

Fazit

Wiederkehrend Symbole wie der Skorpion, der dem pathologischen Protagonisten Michele Fiascaris referenziellem Spielfilm-Debüts in alptraumhaften Angstzuständen aus dem Hals krabbelt, sind nur letztlich nur ein weiteres Detail der morbiden Kulissen. Deren regennasser Glanz wird zum unabsichtlichen Sinnbild einer glattpolierten Inszenierung, die sich mehr für eine makellose Optik interessiert als für Charakterisierung und Medien-Kritik. Ein Arsenal loser Handlungsfäden und stereotyper Figuren, die nur seelenlose Marker narrativer Konstrukte bleiben, verwässern die zunehmend surreale Story. Die zieht ihren flüchtigen Reiz allein aus der somnambulen Stimmung und dem schicken Werbeclip-Look.

Autor: Lida Bach
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