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Ein erfolgsverwöhnter und gewissenloser Wahlkampstratege übernimmt einen sehr persönlichen Auftrag und gerät damit erstmals ins Grübeln, ob das was er über Jahre praktiziert hat überhaupt vertretbar ist.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wenn man ein Jahrhundertwerk wie Die zwölf Geschworenen als sein Regiedebüt bezeichnen darf, dann kann es a) kaum einen besseren Start geben, und b) im Umkehrschluss eigentlich nur noch bergab gehen. Sidney Lumet gelang über weite Strecken seiner Karriere, diese selbstkreierten Vorschusslorbeeren immer wieder zu bestätigen. Aber auch er hatte natürlich mit leichten Talsohlen zu kämpfen. Speziell nach den persönlich fabelhaften 70ern, als er mit Serpico, Hundstage, Network oder Equus – Blinde Pferde ein Meisterwerk an das nächste reihte, musste es irgendwann zu einer wenigstens abgemilderten Durststrecke kommen. Ab Mitte der 80er sank sein Stern sichtlich, fand immer mal wieder leicht ansteigende Tendenzen, aber nie wieder zur alten Qualität, bis er sich mit einem wahren Paukenschlag 2007 von der großen Bühne verabschiedete (Tödliche Entscheidung – Before the Devil Knows You’re Dead). Genau in diese Phase der schöpferischen „Krise“ (von schlechten Filmen spricht niemand) fällt auch der damals schon kaum wertgeschätzte und heute weitestgehend beinah vergessenen Power. Der einerseits über ein dafür viel zu hohes Potential und stellenweise auch unanfechtbare Qualität verfügt, andererseits aber eben auch verdeutlicht, warum er sich nicht in die lange Liste der großen Werke seines Regisseurs nahtlos einfügen kann.

Pete St. John (Richard Gere, In der Glut des Südens) ist der wohl beste Wahlkampfmanager der USA. Mit raffinierten Strategien bringt der Medienprofi 85% seiner Kandidaten in das gewünschte Amt und bisher interessierte es ihn nicht die Bohne, wofür sie überhaupt politisch einstehen. Bis sein enger Freund Hastings (E.G. Marshall, Der Zwang zum Bösen), der Senator von Ohio, sein Amt völlig überraschend niederlegt. Ausgerechnet St. John soll der Kampagne des potenziellen Nachfolgers Cade (J.T. Walsh, Verhandlungssache) zum Erfolg verhelfen. Gegen das vorher nicht wirklich beherbergte Berufsethos informiert er sich über Hintergründe und Zusammenhänge, wie den undurchsichtigen Public Relations-Drahtzieher Billings (Denzel Washington, Fences) und gerät damit erstmals (und nicht nur) in einen handfesten Gewissenskonflikt. Plötzlich verfängt er sich selbst in der Zahnradmaschinerie schmutziger Methoden; in der Opferrolle. Sieht auch von dem Fall eigentlich unabhängige Felle davon schwimmen und muss sich selbst kritische hinterfragen. Und ob seine Ex-Frau, Journalistin Ellen (Julie Christie, Wenn die Gondeln Trauer tragen) und sein Ex-Partner und nun Konkurrent Buckley (Gene Hackman, French Connection – Brennpunkt Brooklyn) mit ihren bis dato arrogant abgeblockten, moralischen Vorwürfen ihm gegenüber nicht doch Recht behalten haben.

Power ist genau dann interessant und spannend, wenn er sich nicht zwingend darum bemüht eine Geschichte zu erzählen, sondern Hintergründe und Mechanismen bloßstellt und entlarvt. Was besonders in der ersten Hälfte geschieht, in der die Taktiken, Methoden und Denkweisen von Wahlkampf-Strategen enthüllt werden, die diesen gesamten Zirkus als einziges, manipulatives und überwiegend gewissenloses Geschäft enttarnen. Mit an Real-Satire grenzenden Wahrheiten, die kurzzeitig mit Humor verwechselt werden könnten, aber eigentlich an Ehrlichkeit und Zynismus leider kaum zu überbieten sind. Dieser schier grandios besetzte Film sieht sich in der Tradition des investigativen, bohrend-kritischen New-Hollywood-Politik-Kinos, an der er von Inszenierung und Intention auch lange positiv erinnert. Der gesamte Aufbau ist unaufgeregt klasse, solange er ein Netz aus Korruption, Paranoia und moralischer Sinnkrise behutsam webt, aber letztlich bleibt darin nicht der erhoffte, ganz dicke Brummer kleben.

Fast unfreiwillig bezeichnend verliert der Protagonist auf seinen ewigen Hin- und Her-Flügen von einem Klienten zum nächsten sein vorher so ausgiebig und emotional dargestelltes Rhythmus-Gefühl. Was natürlich als Metapher für die Figur passt, aber sich auch auf den Film übertragen lässt. Der fokussiert sich entweder zu sehr auf einen einzelnen, oder zu wenig auf seine zahlreichen Nebenplots, von denen einige beinah vergessen wirken. Das letzte Drittel vermittelt zwar die angepeilte Botschaft (authentisch und ehrlich gewinnt man keine Wahl, kann aber etwas bewegen), wirkt dennoch etwas kraftlos und unentschlossen. Macht sich zwar stark für das Beziehen von persönlicher, emotionaler Stellung, kann selbst aber eher nur als etwas brav abgemilderte Konsens-Entscheidung bezeichnet werden. Zwischen den Stühlen, wohl aber eher wegen eines nicht ganz ausgereiften Scripts. Die Intention ist deutlich und die handwerkliche Inszenierung aller Ehren wert.

Fazit

Einer der weniger wichtigen Filme von Sidney Lumet, der dennoch nicht unbeachtete bleiben sollte. Der Cast allein ist schon prächtig, aber auch die gesamte Ausrichtung – von Idee wie der seriösen Inszenierung – weiß zu gefallen. Lediglich das erzählerische Feintuning ist mit deutlichen Macken behaftet, was insbesondere im blassen und zu zahnlosen Finale überdeutlich wird. Hätte tatsächlich alle Voraussetzungen für einen weiteren Knaller, am Ende steht ein eher milderes Lüftchen. Partiell aber immer noch mit Wirkung und fachlich (teils) gewohnt stark.

Autor: Jacko Kunze

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