Mit Filmen wie The Autopsy of Jane Doe oder Scary Stories to Tell in the Dark hat sich André Øvredal längst als Regisseur etabliert, der atmosphärische Genre-Unterhaltung beherrscht. Seine Werke leben häufig weniger von komplexen Figuren oder narrativer Raffinesse als vielmehr von einzelnen Bildern, Momenten und einem Gespür für unheimliche Stimmungen. Genau dort setzt auch Passengers an. Der Film fühlt sich stellenweise tatsächlich wie eine auf Spielfilmlänge ausgedehnte Episode einer Horror-Anthologie an — inklusive jener Mischung aus reizvollen Schauwerten und erzählerischer Simplizität, die man aus solchen Formaten kennt.
Dabei ist Passengers keineswegs ein Totalausfall. Im Gegenteil: Øvredal gelingt es immer wieder, Szenen zu erschaffen, die das Publikum kurzfristig in ihren Bann ziehen. Das Problem liegt eher darin, dass diese Momente nie zu einem größeren Ganzen zusammenfinden. Der Film bewegt sich von Situation zu Situation, sammelt Eindrücke, visuelle Ideen und kleinere Eskalationen, ohne daraus eine wirklich nachhaltige Spannungskurve zu formen. Gerade weil viele Szenen atmosphärisch stark inszeniert sind, fällt umso deutlicher auf, dass der Horror selten nachhallt. Statt subtiler Beklemmung dominiert der direkte Schockeffekt. Das Unbehagen darf sich nie langsam entfalten oder im Verborgenen wirken — es springt dem Publikum beinahe permanent frontal entgegen.
Atmosphärisch stark, dramaturgisch schwankend
Dennoch besitzt Passengers eine bemerkenswerte visuelle Qualität. Øvredal beweist erneut, wie geschickt er mit Lichtquellen, Dunkelheit und räumlicher Enge umgehen kann. Besonders die nächtlichen Sequenzen entfalten eine fast traumartige Wirkung. Der Film entwickelt dort eine seltsame Mischung aus Camping-Romantik, Isolation und latentem Schrecken. Vor allem eine Szene bleibt nachhaltig im Gedächtnis: eine private Kino-Vorstellung mitten im Wald, bei der lediglich ein Beamer die Umgebung beleuchtet. Das flackernde Licht verwandelt die Bäume und Schatten in etwas Unwirkliches, als würde der Wald selbst beginnen, die Figuren zu verschlingen. In solchen Augenblicken zeigt sich, wie stark Øvredal rein visuell erzählen kann.
Auch das Erzähltempo funktioniert zunächst erstaunlich gut. Nach einem Auftakt, der durch die Marketingkampagne leider bereits zu viel vorweggenommen hat, etabliert der Film seine Hauptfiguren relativ effizient. Die Charakterzeichnung bleibt zwar oberflächlich, erfüllt aber ihren Zweck. Das zentrale Paar (Jacob Scipio und Lou Llobell) erhält gerade genug Profil, damit man ihnen durch die Geschichte folgen möchte. Der Film verliert sich nicht in unnötigen Nebenhandlungen oder künstlicher Exposition, sondern hält die Handlung konstant in Bewegung. Gerade diese Stringenz sorgt dafür, dass trotz dramaturgischer Schwächen kaum Leerlauf entsteht - und wenn doch nur für wenige Minuten.
Gute Ideen ohne echtes Gewicht
Allerdings offenbart sich mit zunehmender Laufzeit, dass Passengers seinen eigenen Ansätzen nie vollkommen vertraut. Die eingeführte Van-Life-Community etwa wirkt zunächst wie ein spannender Kontrast zur eigentlichen Horrorhandlung. Die Idee, Figuren zu zeigen, die bewusst außerhalb gesellschaftlicher Strukturen leben und dadurch besonders verletzlich erscheinen, hätte interessante Möglichkeiten eröffnet. Stattdessen bleibt dieser Aspekt erstaunlich blass, austauschbar und vor allem gering.
Ähnlich verhält es sich mit dem zentralen Mysterium rund um den dämonischen Stalker. Der Film deutet vieles an, bleibt aber zu unentschlossen, um daraus echte Faszination zu ziehen. Weder entsteht ein überzeugender Mythos noch wächst die Bedrohung zu etwas wirklich Verstörendem heran. Das Unbekannte allein reicht eben nicht aus, um Spannung zu erzeugen. Gerade weil der Film ständig Antworten andeutet, aber nie wirklich interessante Fragen formuliert, verliert die Geschichte nach und nach an Zugkraft.
Hinzu kommt, dass viele Horrorelemente mechanisch wirken. Die Inszenierung setzt häufig auf plötzliche Eskalationen, laute Soundeffekte und aggressive Bildsprache, während subtilere Zwischentöne kaum Raum bekommen. Dadurch nutzt sich der Schrecken relativ schnell ab. Man spürt immer wieder, dass einzelne Szenen funktionieren sollen, doch selten entsteht daraus ein kontinuierliches Gefühl von Gefahr oder Verunsicherung.
Wenn Passengers schließlich seinem Finale entgegensteuert, werden die erzählerischen Probleme besonders sichtbar. Der Höhepunkt wirkt weder emotional vorbereitet noch dramaturgisch sauber aufgebaut. Statt einer konsequenten Zuspitzung entsteht eher der Eindruck, als müsse die Geschichte nun zwangsläufig enden. Das ist schade, weil der Film zuvor durchaus genug atmosphärische Ansätze geliefert hat, um einen stärkeren Abschluss zu rechtfertigen. So bleibt letztlich ein Horrorfilm zurück, der immer wieder aufblitzt, visuell beeindruckt und einzelne erinnerungswürdige Momente erzeugt, dessen Teile jedoch nie vollständig ineinandergreifen. Gerade deshalb fühlt sich Passengers weniger wie ein ausgereifter Kinofilm an, sondern eher wie eine solide Genre-Episode, die über ihre eigentliche Länge hinaus gedehnt wurde.