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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Ein verfallenes Flussufer im winterlich kalten Nanjing. In einer Gegend voller heruntergekommener Häuser lebt eine Gruppe gespenstischer Gestalten. Sie passen nicht in die Mehrheitsgesellschaft und sind auf ihre jeweils ganz eigene Weise einzigartig: ein verarmter Dichter, dessen Poesie heilen kann; ein junger Mann, der versucht, sich durch einen Sprung in den Fluss das Leben zu nehmen; ein Vagabund, der nach einem Drachen sucht, um in den Himmel zurückzukehren; eine traumatisierte junge Frau, die den Trost eines alten Freundes sucht, der inzwischen Mönch geworden ist.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Xinyang Zhangs betörend, elusives Spielfilmdebüt Panda wird gerahmt durch die Ankunft und das Ablegen einer Fähre auf dem Fluss Yangtze an der antiken Stadt Nanjing. Minutenlang filmt Carl Hous Kamera Menschen, die sich von dem Schiff an Land begeben, erst hinter einem Gitter warten, dann losmarschieren, um in den nebligen Schwarz-Weiß-Bildern zu verschwinden. Eine Szene später sind wir auf einer Aussichtsplattform, ganz weit weg und erhaben von allem, was diese magisch-realistische Seelenwanderung wenig später in den Fokus nehmen wird: Menschen, die an diesem Fluss vorbei durch ihr Leiden kriechen und nach etwas suchen. Zunächst aber sind wir ganz auf Distanz, wenn wir namenlose Touristen und Schaulustige sehen, die mit ihren Handys Fotos machen und losgelassen posieren. Die Kameraführung erscheint dokumentarisch und instabil, kommt ganz nahe an die Gesichter dieser verkörperten Normalität, dringt dort ein, wo die bald auftretenden Protagonisten sich auflösen und eins werden, mit dem Schrott, den Autowracks, der Kanalisation, den zerbrochenen und gefallenen Gebäuden. Zhang, der 2019 das „Next Talent Project“-Stipendium von Jia Zhangke gewann, orientiert sich nur augenscheinlich an den Motiven von Zhangkes Doku-Fiktionen. Während in Zhangke's Still Life die Ziellosigkeit menschlicher Subjekte im stetigen Wandel der chinesischen Ökonomie gezeigt wird, interessiert sich sein Film für die Identitäten, die sich dort auflösen, wo die Zeit stehen zu bleiben scheint. 

Weniger an einem klassischen Narrativ und mehr an den verschwommenen Erinnerungen, welche der Fluss in sich trägt, orientiert nimmt Panda vier Schicksäle in den Blick: Ein umherziehender Mann sucht nach Transzendenz in Form des Mythos rund um einen Drachen und scheint in seinem wirren Umherziehen noch am besten in die heruntergerittene Landschaft zu passen. Seine Odyssee führt ihn in die Kanalisation und der Film begleitet ihn als rastlosen Gang in die Fremde: Manchmal verdunkeln sich die Bilder vollkommen, evozieren einen Gang in die Fremde. Ein anderes Mal werden die Verbindungen zu einem Jenseits eindeutig, wenn das Licht, welches durch das Loch im Untergrund per Match-Cut zum Mond wird. Unterdessen ist da eine junge Verkäuferin, der wir zuerst als Zeugin einer gewalttätigen Konfrontation begegnen. Ihre Suche nach einem Entkommen aus dieser Schattenwelt und führt sie zu dem Dragon King-Berg, wo sie einen Mönch besucht. Ein nie vollkommen artikuliertes Trauma aus der Familie lastet auf ihr und wird von den Bildern durch eine ständige Rückkehr zu ihrem badenden Vater in einem See evoziert. Sowohl traumähnliches Entfliehen als auch verstörende Implikationen werden in Zhangs Film katalysiert. Die Leiden seiner Wanderer werden nie völlig durchschaubar, sondern ergeben sich darin, wie sie sich in der Umgebung manifestieren und welchen Raum die Bilder ihnen geben. 

Panda mutiert zu einem schwer greifbaren Kloß, an dem sein Publikum sowohl emporklettert als auch von diesem niedergedrückt wird. Eine Lebensmüdigkeit durchzieht auch die anderen Geschichten: In einer rettet ein Poet einen suizidgefährdeten Mann kurz vor dem Sturz von einer Brücke. Der Poet proklamiert, seine Gedichte könnten Krankheiten heilen und seine beschworene Arztpraxis, in der er stönig Besucher empfängt, wird immer wieder nur durch verschmierte Fenster gefilmt. Dabei jongliert Zhangs Inszenierung immer zwischen nervöser Instabilität und ästhetischer Klarheit. Die zentrale Melancholie dient nie als Projektionsfläche, wenn auch, in den zahlreichen Mitteln der Inszenierung, welche dieses ambitionierte und verspielte Debüt durcharbeitet, ein dezenter Hang zur poetischen Gewichtigkeit besteht. Immer wieder jedoch lösen sich diese Momente in Ironie auf: Ein anderer Mann sucht seinen verlorenen Ehering und kann diesen nur im Bauch eines Hundes finden. Was auch immer die Hügel an Dreck entlang des Flusses verbergen, es war einmal ein Teil eines Menschen und ist es immer noch. Schließlich darf der erstgenannte Vagabund ein euphorisches Karaoke-Lied anstimmen und den Göttern kurz in die Augen sehen. In der Welt sein, das heißt in ihr verschwinden zu gehen.

Fazit

„Panda“ ist nicht mehr und nicht weniger als die vielversprechende Selbstankündigung eines neuen, großen Talentes. Xinyang Zhangs metaphorisch-traumwandelnder Klotz von einem Film entführt in das Seelenleid der ökonomisch Marginalisierten, angereichert mit Witz und inszenatorischer Finesse. Einfach ist diese lange Wanderung nie, aber wer Mut zur Abstraktion bereithält, wird mit einem immersiven Erlebnis belohnt.

Kritik: Jakob Jurisch

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