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Quelle: themoviedb.org

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Inhalt

Deutschland 1980: Punks sind auf dem Vormarsch, die RAF hält die Bundesrepublik im Atem und die Lehren des indischen Sex-Gurus Bhagwan Shree Rajneesh, lassen offene liebessuchende Kommunen wie aus dem Boden sprießen. Auf der Suche nach Mantra, Erleuchtung und Friede, macht sich in diesen Zeiten eine Gruppe Orange People auf nach Bayern, um dort auf einen verlassenen Bauernhof ein Therapiezentrum für Hippies zu eröffnen. Während Amrita (Petra Schmidt-Schaller) allerdings scheinbar ihr Lebensglück gefunden hat und nun kurz vor der Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches steht, sehen dass ihre beiden Kinder Lili (Amber Bongard) und Fabian (Bela Baumann) ein wenig anders. Schon in der Schule erwartet die beiden ein völliger Kulturschock. Dort herrscht Zucht, Ordnung, eine äußerst strenge Lehrerin und natürlich Gott. Doch genau diese andersartige Welt, ist für Lili immer mehr ein Anziehungspunkt, da sie den Kontakt zu ihrer Mutter verliert. Doch während Lili versucht tagsüber im Dorf das typische Mädchen von nebenan zu sein, kann sie nicht gleichzeitig das orangene Kind der Kommune sein, welches fleißig den Lehren von Bhagwan Shree Rajneesh folgt. Die Katastrophe ist vorprogrammiert…

Kritik

Regisseur Marcus H. Rosenmüller genießt mittlerweile den Ruf, ein ausgezeichneter deutscher Heimatfilmer zu sein. Filme wie Wer früher stirbt, ist länger tot, Beste Gegend oder Räuber Kneißl, beweisen dies eindrucksvoll. Nun ist Rosenmüller zurück in seiner bayerischen Heimat und präsentiert einmal mehr, einen klassischen Heimatfilm, der zugleich aber auch Märchen-Elemente, eine Menge glorreichen Humor sowie kleine bissige satirische Ansätze gekonnt zu vereinen weiß. Die Idee zum Film indes, stammte aus der Feder von Ursula und Georg Gruber. Das Geschwisterpaar wuchs selbst in einer Bhagwan-Kommune auf und kann so ihre eigenen Kindheitserfahrungen in die Geschichte mit einbringen. Die so recht authentische, wenn auch farbenfrohe wie lockerleichte Tragikomödie, sprüht nur so vor Ideenreichtum und bietet einen vergnügsamen Blick auf die Suche nach der eigenen Identität, der Frage nach dem inneren Frieden und schlussendlich auch dem Zusammenleben verschiedener Kulturen.

Die Grundkonstellation, welche auch gleichzeitig als roter Faden sowie Rahmenhandlung dient, bildet hierbei das Zusammentreffen von farbenfrohen Hippies mit der recht konservativen Welt des typisch bayrischen Dorflebens. Auf der einen Seite Schützenfest, Trachtenkleidung, Gottes Gruß und sein Gebet, auf der anderen Seite freie Liebe, keine Regeln und ein sorgenfreier Alltag. Natürlich bedient sich hier Regisseur Marcus H. Rosenmüller vordefinierter Klischees, um seine Figuren zu platzieren und das Konfliktpotenzial zu bestimmen. Doch dies ist nicht weiter schlimm, da diese als eine Art Satire innerhalb der eigentlichen Geschichte dienen. So sind sich weder die Kommunen-Mitglieder unter sich einig, noch die Dorfbewohner. Was folgt sind Streitigkeiten, Verwirrungen, Vorurteile sowie auch eine stetig wachsende Annäherung. Dreh- und Angelpunkt bildet hierbei die kleine Lili, fantastisch gespielt von Amber Bongard, die ihre eigene Geschichte erlebt. Die Angst ist groß, dass sie sich weiter von ihrer Mutter entfernt, die teils Verantwortungslos mit ihren Kindern umgeht, und das sie niemals auch irgendwo einen Bezugspunkt finden wird. Ihr Vater dagegen lebt in Hamburg, andere Kinder in der Kommune, außer ihrem kleinen Bruder Fabian, gibt es nicht und auch das Leben von Bhagwan Shree Rajneesh, das Friede auf Erden verspricht, scheint keine Antwort auf ihre Fragen zu haben. Neben dem Überhang des Kultur-Crash, ist es also vor allem die Story von Lili, die den Zuschauer gebannt im Stuhl fesselt. Dabei wechselt Regisseur Rosenmüller gekonnt von tragischen Momenten hin zu fast schon grotesk überzeichneten Humoreinlagen, die gelungen die Geschichte vorantreiben.

Für reichlich Lacher wird so gesorgt. Seien es die vielen Peinlichkeiten der Orange People, die klischeehaften Situationen der Dorfbewohner oder das Treffen beider Parteien, was stets für ein Gag-Feuerwerk sorgt, das immer voll ins Schwarze trifft. Die Situation von Lili und ihrer Mutter schaukelt sich so allmählich hoch, bis es in einem wahren Vulkan der Emotionen explodiert. In grandioser Bildsprache, kann hier Regisseur Rosenmüller den Zuschauer exzellent mit der inneren Zerrissenheit von Lili konfrontieren und dekonstruiert fast beiläufig zudem seine eigenen Klischees. Spätestens hier wird deutlich, wie viel tiefe doch in der eigentlichen simplen Geschichte steckt, und an wie vielen Ecken es etwas zu Entdecken gibt. Leider bleibt hiernach Rosenmüller seiner Linie nicht ganz treu. Anstatt der Geschichte ein so wunderbar gelungenes Finale zu gönnen, wird die Handlung künstlich in die Länge gezogen. Aus vollkommener Tragik, wird wieder Humor, der nun doch etwas aufgesetzt wirkt. So entstehen nicht nur kleine Längen, sondern auch die Frage, warum gerade der letzte Aspekt des Happy-Ends so wichtig sei. Zwar versucht Rosenmüller seine letzten Bilder mit Märchen-Elementen etwas Albernheit zu verleihen, etwas magisches, doch dieses Experiment geht in letzter Konsequenz doch schief. Es bleibt die Erkenntnis, dass zwar Lili ihre Identität gefunden hat, sich die Figuren jedoch nur kaum von der Stelle bewegt haben.

Fazit

Regisseur Marcus H. Rosenmüller ist es wieder einmal gelungen, dem Genre des Heimatfilmes einen modernen, lockerleichten, doch auch ebenso tiefsinnigen Anstrich zu verleihen. Der Humor stimmt und auch die Tragik kommt voll zum Tragen. Dennoch bleibt die letzte Konsequenz, der letzte Funke hin zum Meisterwerk aus. Was bleibt ist eine grandiose Komödie die für deutlich gelungene Unterhaltung sorgt, eben aber doch in ihrer Kritik nur leise Töne spricht.

Autor: Thomas Repenning

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