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Von einem nächtlichen Umtrunk mit den Bürokollegen zurückgekehrt, beobachtet Familienvater Sang-hoon, wie ein kaltblütiger Killer eine hilflose junge Frau mit einem Hammer ins Jenseits befördert. Leider hat der Mörder auch ihn gesehen. Sang-hoon beschließt zu schweigen, aus Angst um sich und seine Familie, aber auch, weil die Eigentümergemeinschaft seines Wohnkomplexes aus Sorge um fallende Immobilienpreise jegliche Kooperation mit der Polizei untersagt. Die Entscheidung stürzt Sang-hoon allerdings bald in ein moralisches Dilemma, denn die Mordserie geht weiter und der gnadenlose Psychopath kommt ihm und seiner Familie stetig näher.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Thriller aus Südkorea genießen seit Jahren ein hohes Vertrauen auf internationaler Ebene. Kein Wunder, immerhin haben uns Filme wie beispielsweise I Saw the Devil, The Chaser, Memories of Murder oder The Yellow Sea, und viele weitere, schon mehrfach finstere Abgründe aufgezeigt, aus denen es kein Entkommen gab – sowohl für Täter, Opfer als auch Ermittler. Rache, Moral, Wut, Hoffnung und Tod liegen dabei stets nah beieinander, nihilistisch und visuell bestechend zugleich. Mit The Witness (OT: Mok-gyeok-ja) tritt somit Newcomer Kyu-Jang Cho in große Fußstapfen. Sein Film rund um einen mysteriösen Killer und einen in Feigheit und Angst untergehenden Zeugen ist aber weit mehr als normale Thriller-Kost. Viel mehr versucht The Witness ein Gesellschaftsporträt zu sein, welches Fragen von Zusammenleben, Kapitalismus und menschlicher Abgründe offenbart. Jedoch bleibt Kyu-Jang Cho an vielen Stellen zu bekannt, als das ein Meisterwerk im Kino auf uns wartet.

Was würdest du tun? Mit der spannenden – wie ebenso bekannten – Ausgangslage weiß indes The Witness zu überzeugen. Schnell, düster und bedächtig wird die Spannungskurve zu Beginn hochgedreht, nur um danach die jeweiligen Figuren in ihrem Dilemma zu kochen. Genau hier liegt auch die große Stärke des Films. Denn wo der Zuschauer vermutlich schnell eine Handlungsempfehlung für Sang-hoon (hervorragend verzweifelt von Sung-min Lee gespielt) hat, wiegt die Entscheidung viel schwerer. Er will seine Familie beschützen, der Gesellschaft des Wohnkomplexes nicht zur Last fallen und hat auch durch Arbeit, finanzielle Schwierigkeiten sowie Arbeitsalltag kaum Luft, um sich um andere Menschen zu kümmern. Eine soziale Verarmung, die immer wieder im Film – wenn auch manchmal sehr offensichtlich – aufgegriffen wird und über ein großes Problem moderner Städte, anonymer Häuserblocks und grauer Tristesse philosophiert. Das folgende Katz- und Mausspiel mit dem Killer, als auch Polizist Jae-yeop (Sang-ho Kim), weiß dabei zu gefallen und offenbart immer wieder kleine emotionale wie actionreiche Highlights. Ein großes Problem bleibt jedoch der Täter selbst.

So verliert sich The Witness vielfach in einer gewissen zu starken Überlegenheit des Killers. Immer einen Schritt voraus, unangenehm anonym und gar übermenschlich, soll er als moralisches Damoklesschwert der Gesellschaft fungieren. Denn wenn alle aufeinander aufpassen würden und die Solidarität gewinnt, wäre es nie dazu gekommen – so die vereinfachte Überlegung der Autoren Jo Kyu-Jang und Young-jong Lee. Schade nur, dass sie hierfür vielfach eine gewisse Logik über Bord werfen. Mit teils falschen Nebelkerzen wollen sie den Zuschauer verwirren, nur damit der Killer an der nächsten Ecke wieder warten kann. Dies funktioniert in der ersten Hälfte noch ganz gut, wird dann zum Finale hin zu stark ausgereizt. Zwar ist schließlich selbiges recht befriedigend, aber auch vollkommen überdreht. Schade, denn gerade der ruhige Erzählstil weiß bei The Witness zu überzeugen. Wenn Sang-hoon an seiner Handlungsunfähigkeit zerbricht, wenn Polizist Jae-yeop an seinem auf Erfolg orientierten Vorgesetzten scheitert und wenn die Hausgemeinschaft mehr Sorge um fallende Immobilienpreise und Reputation hat, als um die Menschen die dort wohnen.

Fazit

Trotz recht bekannter Ausgangslage kann Regisseur Kyu-Jang Cho mit "The Witness" einen guten wie spannenden Thriller erzählen, der sich zudem Fragen rund um Moral, Gesellschaft und sozialer Vereinsamung annimmt. Durch einige Logikfehler, einem gar schon übermenschlichen Killer sowie einem zu stark aufgespielten Finale, bleibt der Film aber hinter seinen Möglichkeiten zurück. Was bleibt ist aber ein nervenzerreißendes Katz- und Mausspiel, voller Suspense und Tod in einsamer Nachbarschaft.   

Autor: Thomas Repenning

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