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Inhalt

Damit eine jüdische Betgemeinde, ein „Minjan“, einen Gottesdienst abhalten kann, muss sie mindestens aus zehn religiösen Juden bestehen. Auch der aus einer russischen Immigrant*innenfamilie stammende 17-jährige David hilft regelmäßig bei Minjans im vom jüdischen Leben geprägten New Yorker Stadtteil Brighton Beach. Sein Vater, ein ehemaliger Boxtrainer, seine Mutter und sein geliebter Großvater halten das für selbstverständlich. Doch David, der sich nur sehr zaghaft in der Szene des East Village auszuleben beginnt, hinterfragt nach und nach die strengen Regeln seiner Gemeinschaft und freundet sich mit zwei schwulen, jüdischen Senioren an.

Kritik

Das Trauma des Holocaust, repressive orthodoxe Tradition, Glaubenszweifel, Homosexualität in einem homophoben Umfeld, familiäre Abnabelung, Alkoholprobleme und AIDS sind nur die prominentesten der Themen, um die Eric Steel seinen langatmigen Zeitausschnitt anlegt. Umso ernüchternder ist die sich zwischen schäbigen Apartments, dumpfen Synagogen und heruntergekommenen Straßen eines glanzlosen East Village zwei Stunden lang quälende Handlung. Die scheint reiner Vorwand für Glaubenslitaneien. Der verschlossene Protagonist (Samuel H. Levine, Empörung) kommt jedenfalls keinen Schritt weiter auf seinen ziellosen Streifzügen.

Die führen den 17-jährigen David mal zu unverbindlichem Sex, mal zu seinem Großvater Josef (Ron Rifkin, A Star is Born), dem er ein Apartment in einer jüdischen Seniorenresidenz organisiert. Zu Opas Nachbarn Itzik (Mark Margolis, Alone) und Herschel (Christopher McCann, Chronic) entspinnt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, doch die bleibt unterentwickelt wie Davids Affäre mit Barkeeper Bruno (Alex Hurt, Bonding). Der führt zwar eine Namensliste seiner an AIDS verstorbenen Bekanntschaften, hat aber bedenkenlos ungeschützten Sex. David seinerseits scheint AIDS nichtmal zu kennen.

Teils ans Absurde grenzende Widersprüche unterminieren historische und emotionale Glaubwürdigkeit der überzeugend gespielten Momentaufnahme. Unerträglich ist der undifferenzierte Fundamentalismus einer Inszenierung, deren Figuren vorrangig Sprachrohre für religiöse Predigten sind. Steels Adaption von David Bezmozgis Kurzgeschichte fehlen Dynamik und Lokalkolorit. Seine in triste Schmutzfarben getauchtes Drama wirkt noch lethargischer als der Protagonist, dessen russische Familie die Existenz von Homosexualität penibel ausblendet. Diese moralistischen Scheuklappen, die David im Bezug auf HIV trägt, beschränken auch den dramaturgischen Blick.

Fazit

Das East Village der 80er AIDS-Panik sah nie öder aus als in Eric Steels Literaturverfilmung. Deren farbloser Hauptcharakter sitzt vorwiegend auf der Couch bei Senioren, die vom Leben als osteuropäischer Jude anno dazumal erzählen. Einziges anderes Thema ist die Unverzichtbarkeit religiöser Praxis, Glaube hin oder her. Die Unvereinbarkeit jüdischen Glaubens mit der Homosexualität des Hauptcharakters wird nie problematisiert. Man schweigt und futtert Donuts, während das Publikum hungert - nach Donuts, Dramatik und einer konsistenteren Perspektive.

Autor: Lida Bach

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