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Schon jahrelang pflegt die gutherzige Bessie (Diane Keaton) ihren schwerkranken Vater, als bei ihr Leukämie diagnostiziert wird. Da bei einer passenden Knochenmarksspende die Überlebenschancen gut stehen, kontaktiert sie ihre Schwester Lee (Meryl Streep) und bittet sie, eine ärztliche Untersuchung durchführen zu lassen. Lee reist umgehend mit ihren beiden Jungs an, doch brechen bei deren Ankunft alte Konflikte wieder auf; auch Neffe Hank (Leonardo DiCaprio) stellt sich als schwierig heraus, der sich sogar einer Untersuchung verweigern will...
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Kritik

Wie aus dem Leben gegriffen und selbstverständlich erzählt, passt die Story die Ereignisse um die Familienereignisse sehr lapidar ab und hält sich auch recht bedeckt in Bezug auf erklärende Elemente. Schon die Einleitung wirkt sehr flapsig und macht gleichzeitig Lust auf mehr, und selbst die erschreckende Diagnose verhindert nicht, dass dem Film eine positive Note anhaftet. Formell ist die Theaterstückadaption selbstredend kammerspielartig aufgebaut und konzentriert sich sehr auf Fakten, Gefühle und Schauspieler. Somit kann sich die geerdete Erzählung prima entfalten und überzeugt in seinen schlicht geformten Motiven.

Um die Dramatik des Themas einigermaßen in Balance zu halten, hatte Autor Scott McPherson ein feines Näschen für geradlinige und unkitschige Erzählweise bewiesen. Vielleicht findet man hier und da ein bisschen dick aufgetragenen Pathos, aber schaut man anhand der allgemeinen Inszenierung gerne darüber hinweg. Es wird eindeutig die Hoffnung in den Vordergrund gestellt, und - um es vorweg zu nehmen - gibt es kein all umfassendes Happy End. Damit tut sich das Drama einen dicken Gefallen, um nicht von der beabsichtigten Authentizität in theatralischen Kitsch abzudriften.

Um das noch einigermaßen anständig zu vermitteln, brauchte es mindestens gute Schauspieler, das aufzuzeigen, und hier hatte der Film genau die Richtigen am Start. Man kann eigentlich gar niemanden richtig hervorheben, denn egal ob Diane Keaton, Meryl Streep oder der junge Leonardo DiCaprio ihre Auftritte haben - jeder macht seinen Job mehr als ordentlich. Dabei sind die Figuren sehr stark zu unterscheiden, was hier ausnahmsweise nicht als stereotyp wirkt. Der Zuschauer kann die Charaktere sehr gut einordnen und darf dann erleben, wie sich diese einer ausgewachsenen Situation stellen müssen. Das wirkt letztlich authentischer denn je und trifft exakt den richtigen Tenor, Oscar- und Golden Globe-Nominierungen sind hier in jeder Weise gerechtfertigt. Dabei ergänzen Robert de Niro als Hausarzt oder in schrulliger Weise Gwen Verdon oder Dan Hedaya das Ensemble hervorragend.

Dabei brauchte es nicht einmal eine visuelle Augenwischerei - "Marvins Töchter" bezieht seine Energie von der Geschichte. Ein paar einzelne, schöne Bilder findet man hier und da, das war´s aber auch schon mit cineastischem Pomp. Man besinnt sich dem Thema, überdreht nichts und lässt Story Story sein, ohne Aufnahmen künstlich aufzublähen. Dabei wurde nicht versucht, Grundfeste zum Wackeln zu bringen. Die Diagnose ist zwar tragisch, aber findet Bessie immer noch die Zeit, ihrem Neffen die Flausen aus dem Kopf zu treiben, und auch sonst prallen viele Widrigkeiten an der lebenslustigen, allein stehenden Frau gekonnt ab. Da fragt man sich berechtigterweise, warum gerade sie trotz ihrer Bewältigungsphase die richtigen Antworten findet, und die erfahrenere Lee so viele Mauern um sich gebaut hat. Da galt wohl im Figurenhintergrund die Devise: Wo nichts passiert, kann man auch nichts falsch machen.

DVD: In der "Meryl Streep-Collection" ist "Marvins Töchter" mindestens einen Blick wert und ein guter Einblick in die Vita der Star-Schauspielerin. Leider bietet der Silberling außer einem Trailer gar nichts an Extras, und die Qualität wurde nicht großartig aufgehübscht. Auch das passt wie schon erwähnt ein wenig zur Geschichte, dass man keine Luftsprünge zu erwarten hat.

Fazit

Das Kammerspiel ist eine erdige, ehrliche und dramatisch gelungene Geschichte, die ein realistisches Thema so authentisch wie möglich erzählt. Daher ist der Film keine Drama Queen, sondern bleibt schlicht auf dem Boden der Tatsachen. Da überschlagen sich keine Schauspieler in Effekthascherei, und man fühlt sich trotz des Schicksalsschlages als Zuschauer angenehm als Gast eingeladen, den Ereignissen beizuwohnen. Das haut zwar nicht aus den Sitzen, drückt aber auch nicht unnötig auf die Tränendrüse oder versucht, auf allzu abgehobene Weise zwischen die Zeilen zu versinken.

Autor: Sascha Wuttke

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