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Durch seine schneidenden rethorisch brillanten Reden versetzte Malcolm X seine Zuhörer in Begeisterung. Er unterstützte die Einheit der Schwarzen und war ständigen Morddrohungen ausgesetzt. Von der CIA beschattet und den Black Muslims verfolgt, starb er mit 39 Jahren im Kugelhagel eines Attentats.

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Kritik

„Ich bin hier, um den weißen Mann anzuklagen!“

Bei der Premiere von Malcolm X im Jahre 1992 herrschte polizeilicher Großalarm. Man wusste, dass der New Yorker Bürgerrechtler, der als Malcolm Little geboren wurde und sich später ein X zum Nachnamen nahm, um sich von seinem Sklavennamen zu lösen – und auf all die unzähligen Toten hinzuweisen, die der weißen Tyrannei zum Opfer gefallen sind, nach wie vor ein Reizthema war. Für Spike Lee (Jungle Fever), der sich in den 1980er Jahren nicht zuletzt durch Do the Right Thing als einer der interessantesten afroamerikanischen Filmemacher bestätigte, war Malcolm X natürlich ein Herzensprojekt aus tiefster Überzeugung. Zuvor noch hatte Lee Norman Jewison (Mondsüchtig) vom Regiestuhl vertrieben, in dem er verdeutlichte, dies sei ein schwarzer Film, der nur von einem Schwarzen realisiert werden kann.

Wo sich Spike Lee also im Vorfeld noch den Ruf eines eigenwilligen Querdenkers erarbeitet hatte, ist Malcolm X letztlich ein überraschend angepasstes Hollywood-Epos. Chronologisch klopft Spike Lees Narrativ die Meilensteine im Leben des titelgebenden Fanatikers ab: Da wäre der Tod des Vaters (im Film durch den Ku-Klux-Klan, was nicht der Wahrheit entspricht), sein rauschhaftes Leben als Zuhälter und Junkie und schließlich seine Bekehrung im Gefängnis: Indoktriniert von den rassistischen Ideologismen des Elijah Muhammad schwört Malcolm Little dem Hedonismus ab, verschlingt Offenbarungslehren und wird zum Teil der radikalen Black-Muslim-Glaubensbewegung. Terror, Glaube und Trauer scheinen von nun an die Leitmotive, die Malcolm X dominieren: Der Menschenrechtsaktivist, der sich für die Werte der Afroamerikaner einsetzt und von Separation predigt. Die Gegenwehr scheint das oberste Gebot.

Natürlich ist Malcolm X in seinem Strukturalismus ganz dem klassischen Erzählkino zugeneigt und wagt, über seine üppige Laufzeit von 200 Minuten, nur sehr selten, der traditionellen Biopic-Formel mit inszenatorischer Innovation entgegenzuwirken. Diese prestigeträchtige Entwicklungsgeschichte bleibt weitestgehend handzahm, weil Spike Lee sich zu oft darauf beschränkt, den Inhalt über eindimensionale Verschlagwortungen zu entschlüsseln. Mit Sicherheit, auch Malcolm X verfügt über einige sehr eindringliche Symbolbilder und bleibt im Kern durchaus ein Diskurs über das Krebsgeschwür namens Rassismus. Spike Lee aber dringt nicht in die Tiefe, er haftet an der hagiographischen Oberfläche, was das Bewusstsein des Zuschauers für das Sujet ebenfalls über weite Strecken verflacht. Immerhin aber glänzt Denzel Washington (Fences), der dem moralischen Führer durch sein pointiertes Spiel mehr Ambivalenz zugesteht, als es dem Drehbuch möglich scheint.

Fazit

Kein schlechter Film, aber ein enttäuschender. Mit Spike Lee hätte man eigentlich einen Regisseur zur Verfügung stehen gehabt, der der zweifelhaften Person des Malcolm X ein entsprechendes Portrait hätte schneidern können. Herausgekommen aber ist ein überlanges, klassisches Biopic, in dem Spike Lee mehr der Hagiographie des Bürgerrechtlers zugetan scheint, als dem Ausloten der dem Thema eingeschriebenen Ambivalenzen. In der Hauptrolle jedoch brilliert Denzel Wahsington über alle Maßen.

Autor: Pascal Reis

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