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Gabriel und Elias sind zwei äußerst unterschiedliche Brüder. Gabriel ist ein abgehalfterter Uniprofessor, Elias ein Mann, der sich nur für Frauen und unnötiges Allgemeinwissen interessiert. Während einer Vorlesung erfährt Gabriel durch einen Anruf vom Tod ihres Vaters. Der hat ihnen eine Videobotschaft hinterlassen, aus der die Brüder erfahren, dass der Verstorbene gar nicht ihr leiblicher Vater war. Ihr Erzeuger lebt auf der Insel Ork. Also machen die beiden sich auf, um ihre richtige Familie kennenzulernen.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen gilt in europäischen Komödienkreisen nach nur einer Handvoll Filmen schon als Kultregisseur. Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Regisseur durch die Zusammenarbeit mit den mittlerweile erfolgreich ins öffentliche Licht gerückten Mads Mikkelsen („The Salvation“) und Nikolaj Lie Kaas („Kind 44“) sowie den dänischen Darstellern Nicolas Bro ("Antboy")und Ole Thestrup ("Ronal der Barbar"), mit denen er zusammen die Komödien "Flickering Lights" „Dänische Delikatessen“ sowie „Adams Äpfel“ auf die Leinwand brachte und damit einen Sturm der makaberen Begeisterung hervorrief. Ohne Frage sind Jensens Filme nicht für jedermann, gerade die dargebotene Radikalität und der Tritt in den Hintern jedweder political correctness sind in dieser Konsequenz im hollywood'schen Komödienraum beinahe unauffindbar. Mit „Men & Chicken“ kommt die Gruppe um Jensen, Mikkelsen, Kaas sowie Bro und Thestrup nun nach insgesamt fast zehn langen Jahren wieder zusammen und präsentieren dem Zuschauer eine frische Palette an Absurditäten, krassen Sprüchen sowie verrückten Charakteren, die den Vorgängern in nichts nachstehen, während nur der Humor ein wenig auf der Strecke bleibt.

Wenn man „Dänische Delikatessen“ als den witzigsten und albernsten Film der Gruppe bezeichnet, „Adams Äpfel“ als dem emotionalsten und durchdachtesten, dann ist „Men & Chicken“ auf jeden Fall der absurdeste. Und das ist durch und durch positiv gemeint. Vor allem in puncto Details, Sets und Make-Up hat Jensen nochmal einiges an Können dazugewonnen. Der Film ist ausnehmend hübsch designet und atmosphärisch dicht, was sich vor allem durch eine faszinierende Liebe fürs Detail auszeichnet. Jedes Set ist hier aufs kleinste durchdacht, immer wieder fallen kleine Späße am Rande auf, die Kostüme passen sich wunderbar zu den verschrobenen Charakteren und gerade der Hauptschauplatz des Films, das Haus der charakterlich so unterschiedlichen Brüder, gehört wohl zu einem der in all seiner Hässlichkeit schönsten Schauplätze, die das Filmjahr 2015 bisher zu bieten hat.

In all ihrer Hässlichkeit faszinierend sind auch die Charaktere des Films. Und ob nun Mikkelsen als Elias, Bro als Josef oder Kaas als Gregor, etwas darstellerbeschönigendes wohnt diesen Rollen nun wirklich nicht inne. Umso besser. Jensen, der sich vor allem durch das Schreiben von Drehbüchern auszeichnet (zum Beispiel für Susanne Biers "Brothers - Zwischen Brüdern"), erschafft erneut wunderbar verschrobene und aus der Welt entrückte Figuren, die ebenso wie die Sets des Films durch kleine oder große Eigenheiten sowie einen Hang zum Wahnsinn ausgezeichnet sind. Da mag es gar überraschend anmuten, dass dem Zuschauer hier eine sympathische Identifikationsfigur in Form von David Denciks ("Serena") Gabriel vor die Nase gesetzt wird, mit der man gemeinsam in den Film eintauchen und die neue, ungewohnte Welt kennenlernen darf. „Men & Chicken“ wird aufgrunddessen vielleicht sogar Jensens zugänglichster Film, weil der Regisseur den Zuschauer hier nicht (wie in seinen anderen Filmen) ohne helfende Hand in einen Pool aus ungewohnten Figuren und makaberen Momenten wirft, sondern wir diese Mischung aus Schrecken und Faszination gemeinsam mit dem Hauptcharakter erleben dürfen. Für Fans mag das negativ klingen. Ist es aber nicht. Die langsame Erforschung und Erpuzzelung der Insel, ihrer Bewohner und der Geschichte der Familie Thanos selbst gehört zu den stärksten Aspekten des Films, macht die 104 Minuten fast durchgehend interessant und ist gerade aufgrund des Blickwinkels von Gabriel noch einmal nachvollziehbarer, wenngleich auch schockierender ausgefallen.

„Men & Chicken“ macht innerhalb seiner Prämisse, seiner Charaktere und seiner Inszenierung also tatsächlich sehr wenig falsch. Es ist letztlich der Humor des Films der leicht überraschungsarm ausfällt und nicht wie gewohnt zu großen Lachsalven verleiten kann. Ein Freund der groß darauf hingearbeiteten Pointen war Jensen ja noch nie. Es sind eher die Figuren, ihre Weltansichten, ihre Taten sowie die verrückten Situationen, die im Universum des Regisseurs für Humor sorgen und die vor allem in „Dänische Delikatessen“ teils für solch unvermittelt urkomische Sequenzen sorgten, dass der Lachschwall, trotz anfänglicher Hemmung, nicht aufzuhalten war. „Men & Chicken“ präsentiert sich hier besonnener, fast ein bisschen erwachsener in der Erzählung der Geschichte, was die albernen und grotesken Momente aber etwas vorhersehbarer und uninspirierter wirken lässt als zuvor. So wird sich hier in humoristischer Sicht allzu oft auf die Ticks der Hauptfiguren verlassen, welche vor allem im letzten Drittel unter leichten Abnutzungserscheinungen leiden. Jensen ist hier sehr darauf bedacht seinen Figuren mit der Zeit einen emotionaleren Hintergrund zu spendieren, sie greifbarer und in gewisser Weise nachvollziehbarer zu formen. Und dieser Versuch gelingt überraschend gut, nur die humoristische Seite dieser Entwicklung wird dabei zusehends vernachlässigt.

Den Film dabei aber in irgendeiner Art als enttäuschend zu bezeichnen, wäre viel zu hart. Es sollte eigentlich sogar ein Pluspunkt sein, dass Jensen es hier erneut versucht Emotion und Humor zu paaren, wie es bei „Adams Äpfel“ so bravurös gelang. Bei „Men & Chicken“ gelingt der Versuch allerdings nicht immer, was sich weniger an der erstaunlich befriedigenden (wenn auch vorhersehbaren) Auflösung des Films darstellt, sondern an den seltenen Lachern, die er vor allem in Hälfte zwei produziert.

Fazit

Fast zehn lange Jahre hat es gedauert, doch in seiner neusten Komödie „Men & Chicken“ gelingt es Regisseur Anders Thomas Jensen wieder vorbildlich groteske Figuren mit einer einfallsreichen Geschichte und einer überraschend detailverliebten und in ihrer Hässlichkeit einnehmend faszinierenden Inszenierung zu paaren. Es ist am Ende der Humor, der nicht immer zu überzeugen weiß und über die Laufzeit von 104 zu erstaunlich seltenen Lachsalven zwingt. Diese kleinen Ermüdungserscheinungen ändern aber nichts an der Tatsache, dass Jensen auch nach zehn Jahren immer noch zu den interessantesten Regisseuren unserer Zeit zählt. Für Fans des schwarzen Humors also erneut ein absolutes Muss! 

Autor: Thomas Söcker

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