Vor 18 Jahren drehte Lisa Azuelos eine Familienkomödie betitelt nach einem Akronym, das seinen Novelty-Faktor in den frühen Zeros endgültig verlor, und 2008 im Vokabular der älteren filmischen Zielgruppe eingesickert war. Trotzdem setzte die französische Regisseurin sicherheitshalber eine eingeklammerte Erklärung hinzu. Da Filmtitel mit Klammern rar sind, gab es dadurch zumindest einen halbwegs originellen Aspekt an LOL (Laughing Out Loud). Starbesetzt mit Sophie Marceau als Mutter von Teenager-Tochter Lola - Spitzname Lol - und voll spießbürgerlicher Witze, krampfiger Coolness-Bemühungen und elitärem Eskapismus, war LOL erschreckend erfolgreich.
Ein US-Remake mit Miley Cyrus schaffte es irgendwie, noch spießiger und verkrampfter zu sein. Doch selbst LOL wirkt rückblickend wie ein geistreicher Geniestreich gegenüber Lisa Azuelos Fortsetzung ihres Originals. Deren konsequente Komparation all dessen, was LOL (Loughing Out Loud) qualitativ runterzog, ist fast wieder bemerkenswert. Angefangen beim Titel, der das längst im Lexikon angekommene LOL mit einem längst angestaubten Suffix für eine verbesserte Neufassung: 2.0. Heißt das, eine geklonte Lol hat mit ihrer mittlerweile 55-jährigen Mutter Anne (erneut verkörpert von Sophie Marceau) neue banale Zankereien?
Leider nein. Annes jüngerer Gegenpart für banale Zankereien und Versöhnungen ist Lols kleine Schwester Louise (Thaïs Alessandrin, Ausgeflogen). Nach der Trennung von ihrem Freund zieht die 23-jährige zurück ins Hotel Mama und sucht nach einem beruflichen und romantischen Neustart. Beides findet sie prompt in Jules (Nathan Japy), mit dem sie durch versehentliche Auswahl von Ride Share ein Uber teilt. Der Restaurant-Erbe wird ihr neuer Lover und Vorgesetzter, so dass Louise ihrer Mutter Miete zahlen kann. Natürlich nur symbolisch, denn Geldsorgen hat keiner der privilegierten Charaktere.
Anne hadert unterdessen damit, dass Sohn Theo (Victor Belmondo, Bastion 36) sie zur Oma macht, bis sie den für sie attraktiven Opa (Vincent Elbaz, It's Raining Men) kennenlernt. Angeblich zerstört von Liebeskummer wirft sich Louise noch halb verheult an Jules, und ist eine Minute zuvor zähneknirschend frustriert, dass sie eine zweite Person in ihrem Uber ertragen muss. Derlei Situationen zeigen exemplarisch, wie tief in der arrivierten Mischung aus Romanze und Familienkomödie Gefühle und Konflikte gehen. Azuelos platziert ihre egozentrische Protagonistin und deren junge Clique in einen weltfremden Wohlstandskosmos.
Arbeiten ist darin eine reine Höflichkeitsgeste gegenüber reichen Eltern, die ganz oben auf der Karriereleiter stehen, oder den Ruhestand mit Arktis-Reisen genießen. Wer keine Eltern mehr hat, ist Unternehmenserbe wie Jules. Alle haben alles und kriegen noch mehr, von der Wunschkarriere bis zum Traumpartner. Probleme kennt Azuelos Zerrbild der Gen Z nur aus Podcasts, die sie wie Annes junge neue Kollegin beim Meeting hört. Dass besagter Podcast Rassismus thematisiert, reduziert politisches Interesse implizit zu Procrastination. Denn Diskriminierung ist längst abgeschafft, suggeriert Azuelos durch Louises Clique.
Ihr schwuler Kumpel Lorenzo (Théo Augier, Jay Kelly), der querschnittsgelähmte Joseph (Théo Delincak), Josephs dunkelhäutiger bester Freund Noam (Oscar Al Hafiane) und ihre bisexuelle Freundin Marie (Isaline Prévost Radeff) haben nichts zu tun, außer die Diversität ihres Umfelds abzubilden und vermeintlich hippe, Jugendlichkeit signalisierende Schlagworte wie „Grindr“, „Tinder“ und „TikTok“ einzuwerfen. Dazu gibt es surreale Szenen wirbelnder und flackernder Handy-Screens und überdimensionierter Bildschirme, von Louise, die das Prinzessinnen-Kostüm ihrer Kindheit trägt, von Sprachnachrichten verfolgt wird, als Cartoon-Charakter ins Bodenlose fällt oder auf die fliegenden Bildschirme einschlägt.
Keines dieser grellen Gimmicks ist dramaturgisch bereichernd, ästhetisch originell oder nur unterhaltsam. Die uninspirierte Inszenierung behauptet mit solch beliebigen visuellen Akzenten eine soziale Zeitgeistigkeit, kreative Innovation und mediale Modernität, deren Gegenteil sie verkörpert. Ein Nerv für die Themen, Sprache und Alltagsrealität der jungen Generation ist in keiner Szene erkennbar. Das ständig kitschig kuschelnde und einander Fürsorge versprechende Mutter-Tochter-Gespann im Zentrum der bilateralen Handlung ist so konstruiert und bieder wie ihr ultraprivilegierter Makrokosmos. Bourgeoiser Humor, hölzerne Dialoge und seichtes Schauspiel machen das überlange Sequel so spaßig wie den Titel.