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Ein dringlicher Auftrag führt Joshua zurück in sein altes Viertel, „Little Odessa“. Dort ist immer noch ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt…und dort lebt noch seine Familie, die er einst hinter sich ließ.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Ich weiß was es heißt einen Sohn zu verlieren!“

Einst hatte der russischstämmige Hitman Joshua (Tim Roth, Reservoir Dogs) seiner neuen, „alten“ Heimat längt den Rücken gekehrt. Und allem, was damit verbunden ist. Dem New Yorker Stadtteil Brighton Beach, inoffiziell nur Little Odessa genannt. Ein schon in mehrfacher Tradition entstandener Schmelztiegel von verschiedenen Immigrantenfamilien und sozialen Außenseitern – um nicht Ghetto zu sagen -, dominiert vom osteuropäischen Bevölkerungsteil. Der Mord am Sohn eines ansässigen Patrons trieb ihn ins Exil, obwohl das nur der empirische, unweigerliche Grund ist, sich dort nie wieder blicken zu lassen. Ursprünglich flüchtete er vor etwas ganz Anderem und muss sich nun plötzlich dem gesamten Scherbenhaufen unverhofft stellen, als die dringliche Liquidierung eines iranischen Juwelenhändlers und Polizeispitzels die präzise, schnelle Hand eines echten Fachmanns bedarf.

Der Debütfilm von James Gray (Die versunkene Stadt Z) ist bereits stellvertretend für den lange Zeit dominierende Themenkomplex seiner Arbeiten: Einen aufgestauten, innerfamiliären Konflikt, der bedingt durch austauschbare (gerne aber kriminelle) Rahmenbedingungen in bester MacGuffin-Tradition bedächtig brodelnd, aber unweigerlich auf ein Desaster hinauslaufend irgendwie still und final dennoch fatal explodiert. Eine Sturmflut im Wasserglas, von der Außenstehende wohl kaum etwas mitbekommen, das ist Familiensache. Die Rückkehr des verlorenen Bruders und beschämt für tot erklärten Sohns sorgt für einiges Aufsehen in Little Odessa, obwohl doch niemand davon eigentlich erfahren sollte. Aber in einem Viertel, in dem einerseits eine spontane Hinrichtung am helllichten Tag auf offener Straße quasi „unbemerkt“ ignoriert wird und sich gleichzeitig jede Bewegung an den entsprechenden Quellen schnell rumspricht, ist das wohl pure Utopie. So muss sich der Rückkehrer Joshua fast zwangsweise nicht nur andauernd über die Schulter gucken, sondern auch den unangenehmen wie angenehmen Aspekten eines zwangsverordneten Homecomings stellen.

Angenehm ist das Wiedersehen mit seinem 14jährigen Bruder Reuben (Edward Furlong, American History X), der zu ihm aufblickt und ihn als das männliche Vorbild idealisiert, das ihm sein Vater (Maximilian Schell, Das Urteil von Nürnberg) längst nicht mehr geben kann. Warum, da gibt es viele Gründe. Sei es die gestrenge Hand, die einst auch Joshua aus dem Haus trieb, die aber sicher nur das Beste für seine Sprösslinge im Sinn hatte. Auf das sie sich mal nicht, wie er, trotz hoher Bildung als armseliger Tagelöhner rumschlagen müssen. Nur liefen diese gegensätzlichen Positionen, diese engstirnigen Alpha-Männchen-Gesten wahrscheinlich so aus dem Ruder, dass daraus verhärtete Grabenkämpfe und schlussendlich vernarbte Fronten entstanden. Aus Liebe wurde Hass. Zwischen Vater und Thronfolger. Nur gibt es dazwischen noch eine – nun im Sterben liegenden – Mutter (Vanessa Redgrave, Mord im Orient-Express) und eben diesem Zweitgeborenen. Der sich angesichts der schwierigen Familiensituation nur noch durchschlägt, seine seriöse Perspektive längst aufgegeben hat und nun alles daran setzt, die zerbrochene Beziehung zu seinem Bruder am Leben zu erhalten. Wie dieser auch. Aufrichtig, ehrlich, wie kaum etwas in seiner verhunzten Existenz. Was – so bitter das ist – zwingend in die Katastrophe führen muss.

James Gray erweist sich bereits hier schon als detaillierter Beobachter wie beinah sadistischer Folterknecht. Lässt seine Figuren aus einer ohnehin schon wenig auf Rosen gebetteten Ausgangslage zusehend ins ausgeklappte Messer laufen. Immer mit dem schmalen Hoffnungsschimmer am Horizont versehen, dass einer dieser (nicht dummen) Menschen doch mal den entscheidenden Schritt in die richtige Richtung machen wird. Brutal logisch ist es leider, dass es ihnen nicht möglich ist. Denn aus ihrer Warte meinen sie alle das Richtige zu tun. Der verstoßene Sohn, der sich auf der Straße einen Namen machte, gegen die hierarchischen Methoden seines gewalttätigen Vaters auflehnte und nun versucht, seiner totkranken Mutter die letzte Ehre zu erweisen, seinem kleinen Bruder beizustehen und - ganz nebenbei – noch den schmutzigen Job noch perfekt auszuführen, für den er bezahlt wird. Das gezeichnete und desillusionierte Familienoberhaupt, das seine Söhne an das Elend verlor, dem seine Frau unter den Händen wegstirbt und nun für seine Verzweiflung verteufelt wird, was ihn nicht frei von jeder Schuld macht. Und schlussendlich das Nesthäkchen, das sich kaum eine differenzierte Meinung bilden kann und zwischen den Fronten unweigerlich am ehesten bluten wird. Was die Streithähne in ihrem Wahn nicht erkennen werden.

Mit erstaunlicher, fachlicher Souveränität und gleichzeitig niederschmetternder, logischer, narrativer Konsequenz erzählt James Gray seine bittere Familienschlachtbank, seine unabwendbare Spirale der Gewalt, Kommunikationsfehlinterpretationen, verletzten Idealen und grimmig-verbitterter Rudel-Rang-Kämpfen. Der nur als Rahmen dienende Gangsterfilmplot erweist sich schon früh als grobes Gerüst, prinzipiell könnte auch jedes andere, ungünstig verschobene und verhärtete Konstrukt herhalten. Das Problem liegt in der Familie, die Bedrohung und letztliche Exekutive kommt nur theoretisch von außen. Im unterkühlten, winterlichen-kargen Setting einer filmisch kaum großartig dokumentierten Sub-Kultur entsteht eine bedrückende Tragödie mit finsteren, trostlosen Impressionen, tief klaffenden Wunden und einer bestechenden Besetzung. So selbstzerstörerisch wie der Plot verlief leider auch die Karriere von Edward Furlong, dessen unverkennbares Talent leider ein Opfer seiner selbst wurde. Bitter. Wie dieser Film.

Fazit

Eine augenscheinlich simple Geschichte, aufbereitet als düsteres, unbequemes Familiendrama. Mit herausragenden Darstellern und einem Auge für den kleinen Moment teilweise großartig ausformuliert, nur der allerletzte Kniff in den zahlreichen Lichtblicken fehlt James Gray’s Erstling streng betrachtet, um ganz oben anzuklopfen. Für das (theoretische) Niveau aber schon wahnsinnig gelungen.

Autor: Jacko Kunze

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