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Philip ist ein gefeierter, aber sehr eigenwilliger junger Schriftsteller, der auf die Veröffentlichung seines zweiten Romans wartet. Er fühlt sich gelangweilt von seinem täglichen Leben und seiner wackeligen Beziehung mit der Fotografin Ashley. In all diesem Chaos bietet ihm sein Idol, der gealterte Schriftsteller Ike Zimmerman, Unterkunft in seinem Sommerhaus, einem abgelegenen Ort, wo er Ruhe finden könnte und Zeit, sich um das zu kümmern, was ihn am meisten interessiert - er selbst. 

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Alex Ross Perrys (Queen of Earth) Listen Up Philip ist einer dieser Filme, welche die Grenzen dessen ausloten, wie unsympathisch, egozentrisch und somit auf eine Weise unzumutbar eine Figur angelegt werden kann, die noch dazu als Hauptfigur fungiert. Philip Lewis zählt zu den vielversprechendsten Autoren einer noch recht jungen Generation. Sein erstes Buch war ein bemerkenswerter Erfolg, das zweite steht kurz vor der Veröffentlichung. Kreatives Talent wird ihm sicherlich niemand absprechen können, doch auf persönlicher sowie zwischenmenschlicher Ebene ist er ein nahezu unerträglicher Mensch. Alles scheint sich nur um ihn selbst zu drehen, er zeigt ausschließlich Interesse an seinen eigenen Interessen, was für ihn von Vorteil sein könnte und inwiefern er von anderen um seine einzigartige Begabung beneidet werden könnte. Die konsequent dreiste Art, mit der Philip jeden um sich herum auf Distanz hält, durch herablassende Sätze niedermacht oder verletzend dauerhaft vergrault, ist bisweilen nur schwer konsumierbar. Trotzdem ist es dem Regisseur gelungen, dass sein Film funktioniert. 

Listen Up Philip seziert den abgehobenen, fast schon gesellschaftsunfähigen Kosmos eigenwilliger Künstlertypen und Kreativköpfe, die mit ihrer selbstgerechten Einstellung ebenso faszinierend wie grenzwertig erscheinen, auf eine unterhaltsame, augenzwinkernde, aber auch sehr verständnisvolle, neugierige Weise. Philip ist eine menschliche Zumutung, aber kein reines Abziehbild, keine provokante Karikatur, die nur dazu da ist, um die Nerven des Zuschauers zu belasten und Hassgefühle gegenüber dieser Sorte von Menschen zu erzeugen. Perry zeichnet seine Figur als durchaus vielschichtigen, tragischen Charakter, der tief im Inneren nicht versteht, wer er selbst überhaupt ist. Dies führt dazu, dass er so ziemlich jeden um sich herum in einer Abwehrreaktion von sich blockt, Gefühle nicht zulassen kann und dazu verdammt ist, ein Leben in Einsamkeit zu fristen. 

Der Film  ist wie ein Buch strukturiert, beim Schauen wirkt es, als blättere man durch verschiedene Kapitel eines Romans, die durch einen allwissenden Off-Erzähler begleitet werden. Nach einem ersten Drittel, in dem Philip als Charakter grundlegend eingeführt und von Jason Schwartzman (Rushmore) mit grandioser Exzentrik verkörpert wird, wechselt Perry die Perspektiven, führt durch andere Handlungsstränge und widmet sich Nebenfiguren, die im Leben des Autors von entscheidender Bedeutung sind. Zum Beispiel gibt es da noch Ashley, die Freundin von Philip, die an der schwierigen Art ihres Partners zunehmend zerbricht und gleichzeitig Schwierigkeiten hat, auf eigenen Beinen zu stehen. Oder Ike Zimmerman, ein großes literarisches Vorbild von Philip, der ihn zu sich auf einen ruhigen Landsitz einlädt, wo sich Zimmerman nach und nach als ebenso exzentrische, isolierte Persönlichkeit und somit als Zukunftsvision von Philip entpuppt. 

In seinen mutigsten, kompromisslosesten Momenten trägt Listen Up Philip etwas von Woody Allens (Der Stadtneurotiker) Glanzzeiten des neurosengeschwängerten, von Weltschmerz geplagten Intellektuellenkinos in sich, wirkt aber niemals abgehoben oder abweisend. Perry hat den Film auf großartig kriselndem 16mm-Filmmaterial gedreht, mit warmen, farbdurchflutenden Einstellungen, in denen die gelockerte Handkamera auffällig oft in sehr nahen Close-Ups an den Gesichtern der Figuren verweilt. Hierdurch sorgt der Regisseur für Nähe und Intimität, selbst in den unangenehmsten Szenen, in denen man am liebsten Abstand halten möchte.

Fazit

"Listen Up Philip" ist ein im positiven Sinne verschrobenes, unangepasstes sowie gewöhnungsbedürftiges Werk. Regisseur Alex Ross Perry hat mit seiner Hauptfigur eine der unsympathischsten Figuren der jüngeren Kinogeschichte geschaffen und trotzdem dafür gesorgt, dass man als Zuschauer Interesse und Mitgefühl für den Charakter aufbringt. Das Werk ist wunderschön gefilmt, mit intimen Close-Ups und hat zudem den Eindruck eines Romans in Filmform , bei dem man von Kapitel zu Kapitel blättert, durch Handlungsstränge geführt und von einem Erzähler begleitet wird. Mutiges, kompromissloses, eigenartiges und sehr lohnenswertes Kino.

Autor: Patrick Reinbott

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