Inhalt
Filmgeschichte von Kafka bis Kurt Cobain: Eine düster-humorvolle, alternative Zeitlinie, basierend auf den letzten Filmen, die legendäre Prominente vor (und manchmal während) ihrem Tod gesehen haben – erzählt von Jeremy Irons.
Kritik
Franz Kafka und The Kid, Charlie Chaplin und Barry Lyndon, John Dillinger und Manhattan Melodrama. Was haben diese Kombinationen gemeinsam? Die Antwort gibt Stanley Schtinters dokumentarisches Panoptikum popkultureller Trivia. Darin versammelt der britische Regisseur die letzten Filme, die ein eklektisches Ensemble prominenter Persönlichkeiten gesehen haben. Sofern jemand nicht wie Rainer Werner Fassbinder verstirbt, während im Videorekorder noch eine Kassette von Pasolini läuft, ist die Auflösung eines jener Rätsel, die niemand gestellt hat, wenig überraschend spekulativ.
Eine gewisse Willkür liegt auch in der Auswahl der Protagonisten, die, wie Jeremy Irons Erzähler-Stimme aus dem Off fabuliert, “ihr Leben der Kamera gegeben haben”. Die überwiegend weißen männlichen Auserwählten und vorzugsweise selbst Filmschaffende. Das erlaubt Schtinter, sie visuell heraufzubeschwören auf Ausschnitten aus ihren eigenen Leinwandwerken. Wenn solche nicht verfügbaren wie Gangster-Legende Dillinger, tut es auch ein Biopic wie Michael Manns Public Enemies, unterstützt von Schnipseln der zahlreichen anderen von seinem Leben und filmreifen Tod inspirierten Hollywood-Produktionen.
Mythologisierende und bisweilen mokante Mutmaßungen über die Gründe der Filmwahl - nur die zweite in Fällen wie Elvis Presley, der an seinem letzen Abend keine Kopie des gewünschten Star Wars auftreiben konnte und stattdessen The Spy Who Love Me schaute - zeigen früh, dass es dem verspielten Film-Fan-Service wenig um historische Verlässlichkeit geht und viel um Schauwerte, Stilisierung und klangvolle Sprüche. Mit letzten übertreibt es die Inszenierung etwas. Schtinter ist in Irons klangvolle Stimme offenbar ebenso vernarrt wie in die eigenen Worte.
Fazit
Als skurriler Nekrolog über cinephile Zufälle schafft es Stanley Schtinters makaberes Memento Mori gerade so durch seine 86 Minuten, ohne zu langweilen. Diversität und Differenzierung fehlen spürbar in einem kuriosen Kino-Katalog, der streckenweise wie eine beliebige Tour durch Genres oder Filmographien wirkt. Sowohl die Wahl der Todesfälle als auch der Filme ist stark auf Hollywood und die USA fixiert. Auch dadurch nutzt der Unterhaltungswert der cineastischen Collage sich schnell ab. Kein Kinowerk, mit dem man abtreten will.
Autor: Lida Bach