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Nicola, Briatò, Lollipop & Co. sind furchtlose Draufgänger. Sie wollen Geld machen wie ihre Vorbilder, Designerklamotten und die neuesten Sneakers tragen. Auf den Dächern der Stadt üben die 15-Jährigen mit Sturmgewehren. Sie dealen und zögern nicht, ihre Waffen auch einzusetzen, um die Kontrolle über das Viertel zu übernehmen. Der smarte Anführer Nicola kennt die Regeln: Um seine Gruppe ins Spiel und schnell ganz nach oben zu bringen, fordert er einen der alten Bosse heraus. Doch wer heute das Sagen hat, ist morgen vielleicht schon tot.

Kritik

Wer auch immer den willkürlichen alternativen Verleihtitel von Claudio Giovannesis (Ali ha gli occhi azzurri) Teenie-Krimi ersonnen hat, tut dem Publikum sicher einen Gefallen. Der Originaltitel ist immerhin der eines Romans von Roberto Saviano (Tatanka), der seit „Gomorrah“ als Spezialist für die Mafia (oder zumindest verkaufsfähige Bücher darüber) gilt. Nicht, dass am Ende ein Fan blutiger Camorra-Thriller ins Kino rennt! Die in der Darstellung von Sprachkultur, Gewalt, Verbrechen und Milieuzwängen einheitlich brave Romanverfilmung ist in mehrerer Hinsicht ein Möchtegern-Gangsterfilm. Das blindlings in jede Klischeefalle tappende Jugendrama ist in seinem großtuerischen Auftreten so abstoßend anmaßend, verblendet und lachhaft wie die Protagonisten.

Charaktere lassen sich die kaum nennen, was nicht nur am schauspielerischen Defizit der Laiendarsteller liegt. Nicola (Francesco Di Napoli), Briato (Mattia Piano Del Balzo), Lollipop (Ciro Pellecchia), Biscottino (Alfredo Turitto), Tyson (Ar Tem) und ihre Kumpane sind alle ein und derselbe Typus halbstarker Vollidioten, einzig unterscheidbar anhand auffälliger Äußerlichkeiten. Eigenständige Figuren stecken hinter der stereotypen Fassade nicht, geschweige denn glaubhafte Persönlichkeitsbilder. Klar, was in einem drittklassigen Krimi nicht funktioniert, überzeugt erst recht nicht als Spiegel der Realität. Auf die beruft sich die Kindergartenversion einer imaginären Crime-Boss-Biografie mit dem quasi obligatorischen Hinweis „nach einer wahren Geschichte“. 

Ist das die von Saviano im Vorfeld geäußerte Tirade gegen eine junge Generation, die mit einem einzigen Schuss ein Leben auslösche: erst Neapel, dann Paris, Buenos Aires, New York und schließlich: die Welt! Wer dachte, Megakonzerne, Umweltzerstörung und irre Staatsmänner seien eine globale Bedrohung, liegt also daneben. Es sind die Kinder! Denen gehört bekanntlich die Zukunft, welche die unersättlichen Bande im Kino verschlingen würde wie Raubfische. Zu dieser Seniorenparanoia passt direkt der Titel auf dem Niveau von Creature Feature Horror. Die Kreaturen sind die Kids, der Horror ist der senile Schrecken gewisser Vertreter einer konservativen altväterlichen Generation.

Fazit

Unfreiwillig komisch, wenn sie doch schockieren sollen, sind nicht nur die kriminellen Gehversuche der eintönigen Figuren. Das wahrhaft Alberne an dem wichtigtuerischen Mini-Mafia-Krimi ist die Stilisierung pubertärer Aussetzer zum Nährboden organisierter Kriminalität, deren reale wirtschaftliche, politische und sozialstrukturelle Ursachen bezeichnenderweise ausgeblendet werden. Das alles aus Perspektive eines unerträglich chauvinistischen, elitären Patriarchats, das für die eigenen Vorurteile genauso blind ist wie für eine konzise Inszenierung.

Autor: Lida Bach

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