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Endlich wieder ein gemeinsamer Urlaub: Las Palmas de Gran Canaria. Doch an der Adresse ihres Hotels angekommen, müssen Markus und Sanne entsetzt feststellen: Sie befinden sich auf der falschen Insel! Markus hat versehentlich einen Flug nach La Palma statt Las Palmas gebucht.  Um den Beziehungsfrieden ansatzweise zu retten, wird Markus erfinderisch: Er steigt in ein leerstehendes Ferienhaus ein und behauptet, es wäre seines. Es beginnt ein Rollenspiel: Er wird zu Pablo, einem maskulinen und aufregenden Spanier, in den Sanne sich neu verlieben kann. Sanne schlüpft nach einigem Zögern in die Rolle der Alba, einer lasziv verführerischen Spanierin.  Zwischen skurrilen Situationen und Begegnungen beginnen beide sich neu kennenzulernen, bis sich langsam wieder die alten Beziehungsmuster einschleichen...

Kritik

Bei Markus (Daniel Sträßer, Exil) und Sanne (Marleen Lohse, Happy Burnout)  ist die Luft raus: Um ihrer Beziehung neues Feuer zu verleihen, geht es in den Urlaub nach Las Palmas auf Gran Canaria. Ein wunderschönes Hotel auf einer noch schöneren Insel wartet auf die beiden - hätte Markus nur nicht ausversehen einen falschen Flug zur ähnlich klingenden Insel "La Palma" gebucht. Ohne Aussicht auf eine Unterkunft, Geschweige denn auf ein schnelles Insel-Hopping, scheint die sowieso schon belastete Beziehung vor einer Eskalation zu stehen. Da ergreift Markus unerwarteterweise die Initiative , bricht in eine leerstehende Villa ein und beginnt im Zuge dessen seiner verdutzten Freundin ein Rollenspiel zu präsentieren. Kurzerhand setzt er einen spanischen Akzent auf und gibt sich als romantischen Draufgänger Pablo aus. Nach anfänglichem Zögern steigt Sanne ein und wird zur sinnlich-leidenschaftlichen Alba.

Als Pablo und Alba scheint die Chemie wieder wie am ersten Tag zu stimmen: Die beiden flirten miteinander, fordern sich gegenseitig heraus und genießen die kleinen romantischen wie erotischen Gesten des Alltags. Während Markus Lustlosigkeit und Sannes Verbissenheit die Gespräche zu einem angespannten Dahingeplänkel machen, scheinen zwischen Pablo und Alba in jedem Moment die Funken zu sprühen. An dieser Stelle ist das Schauspiel von Daniel Sträßer und Marleen Lohse hervorzuheben, denen es gelingt, den recht kontrastreichen Wechsel zwischen Realität und Rollenspiel gekonnt zu meistern, ohne dabei die authentische Künstlichkeit des Rollenspiels zu kurz kommen zu lassen.  Besonders eindrucksvoll erscheint dabei der nuancierte Wandel, den die Charaktere erst durch das gemeinsam vorgetragene Schauspiel durchmachen können: Von der passiv-aggressiven Stimmung zu Beginn des Filmes bishin zur im Streit erstarkenden Leidenschaft, vom belanglosen Stammeln bishin zur selbstreflektierten Diskussion über das Wesen der Liebe. 

Zu Beginn des Filmes liegt eine befremdliche Komik in der Gegenüberstellung von Rollenspiel und Realität, da tatsächlich der Eindrück entstehen könnte, es handele sich um zwei gänzlich unterschiedliche Paare. Diese Befremdlichkeit betont den Ausbruchscharakter, den das Spiel erfolgreich mit sich bringt: Plötzlich finden beide wieder Raum zum Atmen, zum Denken und Lieben. Dabei zeigt sich La Palma bisweilen zu formelhaft und schöpft das durch einen Ausbruch entstehende Potential nicht aus. Das Rollenspiel verharrt in den altbekannten Settings (Doppeldates, geneinsames Tanzen, etc.), die Handlung operiert mit konventionellen Wendungen und der Gedankeninput kratzt an der Oberfläche. 

Dennoch bleibt eine authentische Spannung und realistische Entwicklung. Im Laufe des Filmes durchdringt die Realität zunehmend das Rollenspiel, bis es nur noch wie ein  haltloses Schutzschild wirkt, das die beiden vor ihrer Verletzlichkeit herschieben. Dabei gibt es keine aggressiven Wendepunkte oder Epiphanien, der Film bleibt hier nah an einer wohl authentischen Lebenswelt. Eingebettet ist diese beachtliche Bescheidenheit in ein wunderbar eingefangenes Landschaftsbild, das von der Kamera dezent beobachtet wird, ohne die Lokalität in Werbeclip-Manier vor die Charaktere zu stellen. Auditiv werden Meeresgeräuche, sanfte Windstöße und sonstige Umwelt-Impressionen zeitlich großzügig und betont zur jeweiligen Stimmung passend eingebunden. Der dezente Score ist an die spanische Musikalität angepasst, ohne zur unfreiwilligen Parodie dieser beizutragen, und fügt sich winderbar in diese still-ehrliche Gesamtästhetik ein. 

Fazit

"La Palma" ist nicht nur schön anzusehen, sondern nähert sich seinen Charakteren  lebensnah. Zwar verpasst er die Möglichkeit eines wirklichen, gemeinsamen Ausbruchs und findet sich in den konventionellen Genre-Narrativen wieder, doch räumt sich selbst die Ruhe ein, in aller Bescheidenheit dennoch intensiv zu erzählen.

Autor: Maximilian Knade

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