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Quelle: themoviedb.org
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  • 22 Min
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

Während Carla noch versucht, die Beziehung zu retten, scheint es Simon ziemlich egal zu sein, dass sie weiterhin Gefühle für ihn hat. Doch ihre komplizierte Situation gerät schnell in den Hintergrund, als Carla im Keller des Wohnhauses eine Leiche entdeckt, die sich schon bald als noch größeres Problem entpuppt als Herta, die nervige und überneugierige Nachbarin.

Kritik

Das Absurde wird im Kino gern in kunstvoll stilisierte Parallelwelten ausgelagert. Man denkt an die kontrollierte Symmetrie eines Wes Anderson oder die kalte Sonderbarkeit eines Yorgos Lanthimos. Dabei liegen die eigentlichen Abgründe häufig viel näher – mitten im Alltag, hinter dünnen Wohnungstüren, zwischen passiv-aggressiven Gesprächen und scheinbar harmlosen Routinen. Genau dort setzt der No-Budget-Kurzfilm Keep Me Hangin’ On an, der aus banalen Beziehungskonflikten ein zunehmend groteskes Spiel aus schwarzem Humor, Genre-Zitaten und eskalierender Schrulligkeit formt.

Kein Budget, dafür Ideen und Einsatz

Schon früh wird klar, dass es sich hierbei nicht um ein Hochglanzprojekt handelt, sondern um ein studentisches Herzensprojekt, das mit begrenzten Mitteln entstanden ist. Der Film versteckt seine finanziellen Einschränkungen nicht hinter künstlicher Selbstüberschätzung, sondern trägt sie offen vor sich her. Genau daraus entwickelt Keep Me Hangin’ On allerdings einen bemerkenswert sympathischen Charme. Wo andere Independent-Produktionen an ihren Ambitionen zerbrechen, nutzt Regisseur und Autor Julian Rauen die vorhandenen Möglichkeiten lieber als kreativen Spielplatz. Der Film wirkt dadurch niemals geschniegelt oder kalkuliert, sondern angenehm lebendig.

Die Geschichte beginnt zunächst wie eine unerquicklich festgefahrene Beziehungskiste, entwickelt sich jedoch schnell zu einem zunehmend absurden Panoptikum sonderbarer Figuren und unerwarteter Wendungen. Der Ton schwankt bewusst zwischen bitterer Komik, leichtem Horror-Einschlag und überzeichneter Satire. Besonders reizvoll ist dabei, wie hemmungslos der Kurzfilm in unterschiedlichen Genrebereichen wildert, ohne sich jemals vollständig einer klaren Linie zu unterwerfen. Man spürt in beinahe jeder Szene die Liebe zum schrägen Genrekino, zu kultigen Außenseiterfilmen und exzentrischen Erzählformen. Diese Begeisterung wird nicht versteckt oder ironisch gebrochen, sondern stolz ausgestellt.

Dabei bleibt Keep Me Hangin’ On erfreulicherweise keine bloße Zitatsammlung. Natürlich erkennt man Einflüsse und Inspirationsquellen – spätestens wenn Twin Peaks zum Gesprächsthema wird, ist die Richtung offensichtlich –, doch der Film versucht nie, bekannte Vorbilder einfach zu kopieren. Stattdessen entsteht der Eindruck einer jungen Produktion, die ihre cinephilen Leidenschaften nutzt, um daraus etwas Eigenständiges zu formen. Gerade das verleiht dem Ganzen eine angenehm ungekünstelte Energie.

Einfahllsreichtum über Produktionsrealität

Technisch darf man hier allerdings keine Perfektion erwarten. Bildqualität, Ausleuchtung und einzelne Übergänge verraten schnell die Produktionsrealität eines Films, der vermutlich mit einem Budget entstanden ist, das kaum über studentische Kaffeekassen hinausgeht. Wer sich mit pedantischer Logik oder professionellen Maßstäben auf jede Unsauberkeit stürzen möchte, wird problemlos Angriffspunkte finden. Doch das würde den eigentlichen Reiz des Projekts verkennen. Keep Me Hangin’ On lebt nicht von technischer Präzision, sondern von Einfallsreichtum, Spielfreude und einem bemerkenswert offenen Verständnis für absurde Situationen.

Auch die Darsteller*innen bewegen sich überzeugend innerhalb dieser bewusst überdrehten Welt. Nicht jede Szene sitzt perfekt, das Amateurhafte bleibt stets sichtbar, doch gerade diese rohe Direktheit passt erstaunlich gut zum Ton des Films. Vor allem Hauptdarstellerin Leony Franke versucht mit spürbarer Verve und viel Esprit, ihrer Figur Leben einzuhauchen. Interessant gerät zudem die Figur der Herta. Die Nachbarin mit Theaterfundus-Brille, breitem Dialekt, Kittelschürze und penetranter Geschwätzigkeit wirkt zugegebenermaßen eher wie eine Gestalt aus einem TV-Sketch, erweist sich jedoch gerade deshalb als ideale Verkörperung jener alltäglichen Biederkeit, hinter der jederzeit etwas Verstörendes lauern könnte.

Keep Me Hangin’ On funtkioniert vor allem deshalb so gut, weil der Kurzfilm seine Grenzen kennt und daraus kreative Freiheit zieht. Statt größer wirken zu wollen, als er ist, setzt das Projekt auf Charme, Ideenreichtum und bewusst überzeichneten Wahnsinn. Das Ergebnis ist ein kurzweiliger, respektlos verspielter Genre-Ausflug, der zwar sichtbar aus einer sehr, sehr, sehr, sehr kleinen Produktion stammt, aber dennoch deutlich mehr Persönlichkeit besitzt als so mancher glattpolierte Festivalbeitrag mit erheblich größerem Budget. Das kommt noch was. Hoffentlich.

Fazit

"Keep Me Hangin’ On" ist sichtbar kein großer Film – aber einer mit Haltung, Spielfreude und schrägem Charme. Zwischen Studentenwahnsinn, schwarzer Komik und liebevoller Genre-Hommage steckt hier deutlich mehr Persönlichkeit als in vielen geschniegelt kalkulierten Indie-Produktionen.

Kritik: Sebastian Groß

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