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Der junge Soldat Joe “Johnny” Bonham wird in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs von einem Artillerie-Geschoss getroffen. Die Konsequenz dessen ist eine totale Amputation aller Gliedmaßen. Des Weiteren verliert er seine Augen, seine Ohren, seinen Mund und seine Nase und verbleibt somit als hilfloser Torso in den Händen der Ärzte. Er ist aber sehr wohl bei Bewusstsein und beginnt nur langsam zu realisieren, was für ein Schicksal er erleidet.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Johnny get your gun“ lautete Anfang des 20. Jahrhunderts ein berühmter Aufruf des amerikanischen Militärs, um junge US-Amerikaner für den Militärdienst zu begeistern. Johnny zieht in den Krieg (OT: Johnny got his gun) pervertiert diese Propaganda, indem er die Geschichte des 21-jährigen Joe erzählt, der sich während des Ersten Weltkriegs aus freien Stücken an die Front begibt. Doch der verblendete Jüngling wird weder zum Helden noch zum Märtyrer. Bei einer Rettungsaktion wird er von einer Granate erwischt, doch der Film selbst spart beinahe jedes Bild des aktiven Kriegsgeschehens aus. Er überlebt, verliert jedoch beide Arme und Beine sowie seine Seh-, Hör- und Sprachfähigkeit. In intensiven und bedrückenden schwarz-weiß Bilder wird sein trauriges Dasein in einem Militärkrankenhaus geschildert, in welchem er seine Zeit bei vollem Bewusstsein verbringt, aber dennoch zur unendlichen Qual der totalen Tatenlosigkeit verdammt ist.

Gibt es ein tragischeres Schicksal als den Tod? Geht man nach Dalton Trumbo (Spartacus), Hollywoods berühmten Drehbuschreiber, der mit Johnny zieht in den Krieg seinen ersten und einzigen Film selbst inszeniert hat, dann lautet die Antwort ganz klar ja. Die oftmals rabiaten Schnitte und ungewohnten Bildkompositionen geben einen Einblick in den zerrütteten Geist Joes, der seine Situation nur schwerlich begreifen kann. Untermauert werden diese Bilder von gedämpft farbigen Einschüben, die oftmals Erinnerung mit Phantasie vermischen und dadurch wie eine surreale Aufarbeitung seines Lebens wirken. Diese metaphernreichen Einschübe reichen von Kindheitserinnerungen an seinen Vater über die zarte Liebe zu seiner damaligen Freundin bis hin zu Zwiegesprächen mit Jesus Christus. Gerade in der Surrealität lässt sich die Mitarbeit des großen Virtuosen Luis Bunuel (Die Vergessenen) am Drehbuch anmerken.

So fühlt sich Johnny zieht in den Krieg nur sehr bedingt wie eine US-amerikanische Produktion an. Sowohl inhaltlich als auch formal stellt sich Trumbo gegen die bekannten Werte und aufgestellten Regularien seines Heimatlandes und inszeniert ein Werk, welches stellenweise an einen europäischen Experimentalfilm erinnert. Ein radikales Projekt, das auf diese Weise wohl nur während der Zeit des New Hollywood möglich war. Johnny zieht in den Krieg ist ein beängstigendes Zeugnis über die Folgen des Krieges und muss aufgrund seiner schockierenden Wirkung, den bedrückenden Bildwelten und seiner sehr eigenen Herangehensweise ans Genre in einem Atemzug mit den größten Antikriegsfilmen der Filmgeschichte genannt werden.

Fazit

„Johnny zieht in den Krieg“ gehört zweifellos zu den gewaltigsten (Anti)Kriegsfilmen der Filmgeschichte. Ohne das Kriegsgeschehen selbst in den Mittelpunkt zu rücken, erzählt Dalton Trumbo die tragische Geschichte von Joe, welche wie kaum eine andere Figur auf der großen Leinwand leiden musste. Angereichert mit surrealen Einschüben mischt er Gegenwart, Vergangenheit und Traum und bringt dadurch den unwirklichen Kern des Krieges auf den Punkt.

Autor: Dominic Hochholzer

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