Inhalt
In Insidious 6: Out Of The Further spielt Amelia Eve eine junge Mutter namens Gemma, die ihre Tochter in dem Haus großzieht, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Dort findet sie heraus, dass sie in das Ewigreich reisen kann – das Reich der verlorenen Seelen im Herzen des „Insidious“-Universums. Als etwas Böses hinter ihr her ist, entdeckt Gemma eine Fähigkeit, die alles verändert: Sie betritt nicht nur das Ewigreich, sondern kann auch das, was dort lebt, in die reale Welt zurückbringen. Sobald die Dämonen ihre Macht erkennen, wird unsere Welt zu ihrem Spielplatz.
Kritik
Insidious geht in die bereits sechste Runde: Nachdem James Wan (Conjuring - Die Heimsuchung) das Franchise vor 15 Jahren ins Leben rief, sammelte es über die Jahre hinweg eine treue Fangemeinde – auch wenn qualitativ oft etwas zu wünschen übrig blieb. Für das Produktionsstudio Blumhouse lohnt sich der Spaß aber zweifellos, die Filme spielen ein Vielfaches ihres überschaubaren Budgets ein. Daher geht es nun mit Out Of The Further unter der Regie von Jacob Chase (Come Play) einmal mehr Ewigreich. Ob es da etwas Neues zu entdecken gibt?
Um es kurz und schmerzlos zu machen: Nein, gibt es nicht. Insidious 6: Out Of The Further liefert im Grunde mehr von dem, was Fans aus den früheren Teilen schon kennen. Bedeutet: sich bewegende Schatten in dunklen Ecken des Hauses, grinsende Fratzen, die einen per lautstarkem Jump Scare aufschrecken und natürlich die Reisen zwischen Real- und Totenwelt. Kennt man in der ein oder anderen Variante alles schon, doch wer davon noch nicht genug hat, wird wohl auch erneut seinen Spaß damit haben. Technisch ordentlich umgesetzt ist das Ganze immerhin schon.
Hier und da finden sich zumindest auch ein paar durchaus gelungene Szenen, die zeigen, dass Insidious atmosphärisch auch zu mehr in der Lage wäre als Rummel-Geisterbahn. Wenn Hauptdarstellerin Amelia Eve (Spuk in Bly Manor) beispielsweise zwischen die Kissen ihres Sofas krabbelt und sich überraschend in einer endlosen Tunnelwelt wiederfindet, in der ihr finstere Gestalten auflauern, schwingen da kurzzeitig schon mal Backrooms-Vibes mit. Hier spielt Insidious seinen Creepy-Moment genüsslich aus, statt ihn durch den nächsten Jump Scare sofort wieder aufzulösen. Das macht Laune. Einen ähnlichen Ansatz zeigt auch eine unangenehme Szene bei einer Zahnbehandlung, die ansatzweise einen ähnlichen Weg geht.
So kann Insidious 6: Out Of The Further also hin und wieder auf atmosphärischer Ebene punkten, wird aber – und das ist typisch für die Reihe – mit zunehmender Dauer immer abgedrehter und bekloppter. Nämlich dann, wenn das Ewigreich eine immer größere Rolle einnimmt und die dort herumlaufenden Gestalten ihre gewohnte Freakshow veranstalten. Immer dann, wenn es soweit ist, wird Insidious lauter und wilder, büßt damit aber auch schnell seinen Schrecken ein. Ist es das, was Fans sehen wollen? Vielleicht. Die Möglichkeiten wären aber vermutlich größer, wenn man einen Gang zurückschaltet und dem Zuschauer nicht so einen Zirkus um die Ohren knallt.
Die Story bleibt simpel, findet gegen Ende aber immerhin einen runden Schluss. Die ein oder andere inhaltliche Verknüpfung zwischen Beginn und Ende ist dabei sogar ganz nett ausgefallen, gelegentlich aber hält der Film seine Zuschauer dann doch wieder für zu doof und erklärt ihnen beispielsweise mit eintätowierten Motiven auf Orangen (!), was sich hier eigentlich alles so abspielt. Horror-Ikone Lin Shaye (The Grudge) darf dabei natürlich auch nicht fehlen, Fans dürfen sich also auf ein Wiedersehen mit ihr freuen.
Fazit
Im Ewigreich nichts Neues. "Insidious 6: Out Of The Further" recycelt Altbekanntes mehr oder weniger einfach wieder, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das ist zumindest in der ersten Hälfte gelegentlich noch ein Stück weit atmosphärisch, vor allem zwei Szenen stechen hier ein klein wenig heraus. Nach hinten hin wird das Ganze aber wieder die gewohnte Freakshow. Wer es bereits fünf Runden lang durchgehalten hat und mochte, dem sei der Spaß auch diesmal wieder gegönnt. Ein wenig besser als der direkte Vorgänger ist "Out Of The Further" immerhin schon.
Autor: Sebastian Stumbek