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New York, 1961. Was macht ein erfolgloser New Yorker Musiker ohne ein Zuhause? Was passiert, wenn er fast jede Nacht auf einer anderen Couch schläft und dabei mal die Frau eines Freundes schwängert und mal die geliebte Katze eines anderen aussperrt? Und was, wenn er diese Katze dann einfach nicht mehr los wird? Llewyn Davis lebt für die Folkmusik, doch der große Durchbruch lässt auf sich warten. Während sich in den Clubs von Greenwich Village aufstrebende Musiker die Klinke in die Hand geben, pendelt Llewyn zwischen kleinen Gigs und Songaufnahmen. Nacht für Nacht sucht er einen neuen Platz zum Schlafen und landet dann meist bei befreundeten Musikern wie Jim und Jane, mit denen ihn mehr als eine oberflächliche Freundschaft verbindet. Doch Llewyn kann seine Gefühle nur in der Musik und nicht im echten Leben äußern, und so lässt er sich weitertreiben - von New York bis Chicago und wieder zurück, ganz wie die Figuren in den Folksongs.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es lässt sich kaum leugnen, dass die Gebrüder Joel und Ethan Coen Meister ihres Fachs sind. Sowohl das Drehbuchschreiben, als auch die Regieführung der Beiden ist einzigartig und ihre Ideen der Handlungsführung zumeist beeindruckend. Sie haben sich seit ihrem Erstlingswerk Blood Simple eine Reputation aufgebaut, sodass ihre kommenden Filme immer wieder erneut sehnlichst erwartet werden. Ein neuer Coen-Film ist wie ein neuer Tarantino oder ein neuer Scorsese. Die Erwartungshaltungen sind gegeben und warten darauf, erfüllt zu werden. Nachdem die Coens seit dem Jahr 2000 fast jedes Jahr einen Film veröffentlicht haben, wurde es nach ihrem letzten Werk, True Grit, 2010 erst einmal still. Drei Jahre hat es gebraucht, bis die Coens wieder Regie führten. Diesmal für ihren inzwischen 16. Film – Inside Llewyn Davis.

Es ist die Geschichte der Verlierer, die die Coen-Brüder am besten beschreiben. Der einfache Mann, der schon wenig hat und dennoch noch mehr verliert. Es sind tragische, scheinbar aus dem Leben gegriffene Lebensschicksale, die sie porträtieren. Barton Fink ist Drehbuchautor und möchte einfach nur in Ruhe schreiben. Ehe er sich versieht, kooperiert er unwissend mit einem Serienkiller. Ulysses Everett McGill will in O Brother, Where Art Thou? nur seine Frau zurückgewinnen, doch muss erst einmal Homers Odyssee überstehen. Und Ed Crane, The Man Who Wasn't There? He just cut the hair – und landet dennoch auf dem elektrischen Stuhl. Die Liste lässt sich um einiges weiterführen. Der Punkt ist klar: Siegertypen findet man im coen'schen Film nicht. Doch in Inside Llewyn Davis gelingt ihnen etwas eigentlich bei ihnen seltenes: Ihr Verlierer, Llewyn Davis, ist durchweg sympathisch.

Er ist zwar zum Teil nicht weniger ein sozial-inkompetenter Mensch, wie so andere Artgenossen im Coen-Universum, doch seine Art, seine Handlung, sein Wesen, sowie sein Schicksal berühren. Es passiert nicht viel in Inside Llewyn Davis. Der Titel steht dabei nicht nur für die Platte, die Llewyn, gespielt von einem grandiosen Oscar Isaac, verkaufen will, sondern kann ebenso als bezeichnend für den Film betrachtet werden. Es geht weniger darum, was Llewyn erlebt – denn das ist, wie gesagt, nicht viel – sondern was in ihm passiert. Im Seelenleben sieht es nämlich wüst aus: Sein ehemaliger Gesangspartner beging Selbstmord, seine Musikkarriere stockt dermaßen, dass Llewyn jeden Tag aufs Neue ums Überleben kämpfen muss, seine wenigen Freunde wenden sich allmählich ab und der einzige Ausweg, erneut als Matrose anzuheuern, scheint unumgänglich. Dabei schlägt sein Herz doch nur für die Musik. Jener Teil, den die Coens mit Hilfe eines bekannten Kollaborateurs wie T-Bone Burnett und Neuling Marcus Mumford, Frontmann der Gruppe Mumford & Sons, nicht nur als Hintergrund laufen lassen.

Im Gegenteil: ähnlich der wichtigen Rolle der Musik in O Brother, Where Art Thou? drückt sich Llewyn durch seine Musik aus. Das wunderschöne Stück Fare Thee Well, welches Oscar Isaac einmal allein und andermal gemeinsam mit Marcus Mumford singt, wurde für den Film neu aufgelegt. Darüber hinaus gaben sich auch andere Musiker die Ehre. In einer kongenialen Szene machen die Coen-Brüder mit einem Lied und der dazugehörigen Person deutlich, in welcher Umgebung sich Llewyn eigentlich die ganze Zeit bewegt und welche Relevanz diese tatsächlich für die sich entwickelnde Folk-Szene hatte. Es sind solche Feinheiten und die großartigen Figurenzeichnungen, durch die Inside Llewyn Davis berührt – und dies auf voller Linie. Der Film findet seinen Weg direkt ins Herz. Eine Ode an das Happy End ist der Film dennoch nicht. Und doch wird ein gar depressiver Blick vermieden. Wenn Llewyn am Ende mit einem blauen Auge und dicker Backe das Leben auf der Straße verfolgt, lässt sich ein kurzes Schmunzeln und die vielsagende Bedeutung dahinter, dass nicht alles verloren ist, erkennen.

Es bedarf somit keiner übertriebenen oder unnötig erzwungenen Emotionalität. Das Gesten-Spiel der Figuren ist minimal und doch eindeutig. Oscar Isaac brilliert eben mit jener Ausdruckskraft. Hinzu kommt eine Carey Mulligan, die mit ihrer schlichten Darstellung einer ehemaligen Geliebten von Llewyn nie besser war und ein John Goodman, dessen kurzer, aber prägnanter Auftritt alles Bekannte in den Schatten stellt. Goodman taucht auf, verschwindet ebenso schnell und hinterlässt den wohl bleibendsten Eindruck im Film. Ist nur noch die Katze zu erwähnen. Agiert sie unbeeinflusst, verdient sie den Oscar als Beste Nebendarstellerin. Wurde sie entsprechend dressiert, dann eben ihr(e) Trainer(in). Das ist letztendlich dann doch egal, denn sie ist im Film als Tier schmückendes Beiwerk, als Bedeutungsträger mit maximaler Aufladung allerdings unerlässlich. Ist die Katze Llewyns toter Kumpane? Ist sie die Personifizierung des Schicksals? Oder einfach nur eine Katze? Die Coens werden sich mehr dabei gedacht haben, als sie mit der Aussage, sie hätten die Katze zur Handlungsaufwertung benötigt, selbst zugeben. Dahinter steckt, wie hinter jedem Detail des Films, der coen'sche Fingerabdruck, der den Film trotz seiner Einfachheit überragend macht.

Fazit

Ein Folk-Song. Ein begnadeter Schauspieler. Eine simple Story. Eine Katze und die Brüder Joel und Ethan Coen. Das ist alles, was Inside Llewyn Davis braucht und hat. Der Film ist vielleicht weniger massentauglich als ihr dreifacher Oscar-Erfolg No Country For Old Men, doch mindestens genauso genial wie das stille Werk A Serious Man. Inside Llewyn Davis überzeugt auf voller Linie, in jeglicher Hinsicht.

Autor: Philipp Schleinig

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